Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘China’ Category

Wan Tans sind kleine Teigtäschchen aus der chinesischen Küche, die mit ganz unterschiedlicher Füllung – häufig aber mit Schweinefleisch und Gemüse – gedämpt und serviert werden. Häufig findet man sie auch in Wan Tan Suppe oder auch frittiert.

Auswärts bin ich immer etwas skeptisch, was sich so alles in der Füllung versteckt, deswegen machen wir Wan Tans häufig selbst. Für Gäste ist das eine hübsche Kleinigkeit zur Begrüßung oder ein schöner Auftakt für ein asiatisches Menü.

Keine Angst vor der Zubereitung. Mit etwas Übung gelingen die Wan Tans auch Anfängern gut. Und ein Körbchen oder eine Platte mit gedämpften Wan Tans machen immer viel her!

Processed with Rookie

Bei der Füllung sind Eurer Phantasie keine Grenzen gesetzt. Eine einfache Variante ist diese hier:

Zutaten für etwa 16 Wan Tans:

16 Wan Tan Blätter (TK im Asia-Laden, einzeln entnehmen, Rest wieder einfrieren)

2 Frühlingszwiebeln, in feine Scheiben geschnitten

100 gr Schweinehack

2 Mu Err Pilze, eingeweicht und fein gehackt

1 EL Sojasauce

1 EL gehackter Koriander

1-2 TL Fischsauce

1 EL Mungbohnensprossen, gehackt

1 Eiweiß

etwas neutrales Pflanzenöl

Zubereitungszeit: je nach Übung 30-45 min

Zubehör: Pfanne, Dampfkörbchen oder Dämpfeinsatz, Wok oder ausreichend großer Topf, 2 feuchte Handtücher

So geht’s:

Wan Tan Blätter in ein feuchtes Handtuch schlagen. Hackfleisch in der Pfanne anbraten und mit dem Gemüse und den Kräutern vermischen. Masse mit Fisch- und Sojasauce abschmecken. Etwas abkühlen lassen.

Jetzt ein Wan Tan Blatt nehmen, etwa 1 TL Füllung in die Mitte geben. Die Ränder mit Eiweiß einstreichen, zu einem Säckchen formen und die Enden gut aneinander fest drücken. (Wer mag, kann noch einen Stengel Schnittlauch um das Säckchen binden!)

Die Wan Tans auf einen gefetteten Teller mit ausreichend Abstand zueinander setzen (sonst kleben sie an!) und mit einem feuchten Tuch abdecken.

Wiederholen, bis alle Wan Tans gefüllt und verschlossen sind.

Jetzt in einem großen Topf oder dem Wok Wasser erhitzen. Das Dampfkörbchen bzw. den Dämpfeinsatz ebenfalls leicht fetten und in den Topf/Wok setzen. Wan Tans mit Abstand zu Rand und zueinander setzen und etwa 10 min garen.

Meist sind die Einsätze nicht große genug für alle Wan Tans. Deshalb am besten die Säckchen in Etappen garen.

Vorsichtig aus dem Dämpfeinsatz nehmen oder im Dämpfkörbchen servieren.

Dazu passen unterschiedliche Dips:

Processed with Rookie

Ganz unten die klassische süße Chili-Sauce aus dem Asialaden (gibt es mittlerweile auch ohne Glutamat).

Links oben eine Variante mit Ingwer, Frühlingszwiebeln, Soja- und Fischsauce sowie etwas Zucker.

Rechts oben Soja- und Fischsauce, Frühlingszwiebeln, Vogelaugenchili, Zucker.

Also, keine Scheu mehr vor aufwendigen Wan Tans. Mit etwas Übung findet jeder den Dreh heraus und entdeckt seine Lieblingsfüllung – für Vegetarier beispielsweise mit Kokosflocken und Karottenhobeln. Guten Appetit!

 

Read Full Post »

Die Szechuan Küche ist immer wieder eine Quelle für scheinbar einfache aber sehr aromatische Gerichte. Das Gong Bao Ji Ding aka Chicken Kung Pao aka Szechuan Hühnchen ist ein absoluter Klassiker und in unzähligen Varianten nicht nur in ganz China verbreiten. Auch in den USA und in Europa gibt es – verwestlichte – Varianten des Gerichts.

Das Original kommt recht scharf  – eben mit ordentlich Szechuan Pfefferkörnern – daher, die US-/Europa-Variante eher mit viel Hoisin-Sauce. Es gibt Rezepte mit Cashew-Nüssen, mit langer Marinier-Zeit, mit Gemüse, mit Frittieren oder ohne… Also sind wir mal wieder durch’s Internet und unsere China-Kochbücher gecrawlt und haben unser eigenes Rezept zusammengestellt. Frischer Spinat war nämlich auch noch da und wollte verwendet werden. Außerdem schadet ein bisschen Grün nicht:

Zutaten für 2 Personen:

250 gr Hühnerbrust, in etwa 1 cm große Würfel geschnitten

1 Eiweiß

2 TL Speisestärke

100 ml hoch erhitzbares Pflanzenöl

4 getrocknete scharfe Chilischoten

80 gr geschälte Erdnüsse

1 EL Ingwer-Knoblauch-Paste

3 gehackte Frühlingszwiebeln (nur das Weiße)

2 EL Shaoxing-Reiswein (Asialaden)

2 EL dunkle Sojasauce

2 TL scharfe Bohnensauce

2 TL Reisessig (Asialaden)

Prise Zucker

Salz

1 TL Szechuan Pfefferkörner, im Mörser grob zerstoßen

1 Handvoll junge Spinatblätter (alternativ und authentischer: Pak Choy aus dem Asialaden)

einige Tropfen Sesamöl

Die Zubereitung geht nach der Schnippelarbeit relativ flott:

Ggf. Reis aufsetzen. Hühnchenwürfel, Eiweiß, eine Prise Salz und die Speisestärke vermischen und abgedeckt für ca. eine Viertelstunde in den Kühlschrank stellen. Den Wok erhitzen und 1 EL Öl hinzugeben. Hitze senken und das Hühnchen hineingeben. Unter Rühren anbraten, bis das Fleisch weiß ist. Herausnehmen und zur Seite stellen. Hitze wieder etwas erhöhen und im Wok die zerbröselten Chilischoten zusammen mit den Erdnüssen unter Rühren rösten. Das geht blitzschnell! Unbedingt darauf achten, dass die Erdnüsse nicht schwarz werden. Ggf. die Hitze reduzieren. Jetzt die Ingwer-Chili-Paste und die Frühlingszwiebeln hinzugeben und vermischen. Etwa eine Minute anbraten. Jetzt das Hühnchen wieder dazugeben und alles gut miteinander vermischen. Reiswein, Sojasauce, Scharfe Bohnensauce, Essig hinzugeben, gut umrühren. Spinat unterheben und kurz mitgaren. Pfefferkörner ebenfalls untermischen. Auf Reis servieren und mit einigen Spritzern Sesamöl vollenden.

Ein herrlich saftig-knuspriges Gericht, das von dem Aroma des sehr eigen schmeckenden Shaoxing-Weines lebt, den Ihr wirklich nur notfalls durch Sherry ersetzen solltet.

Eine weitere interessante und etwas weniger scharfe Variante – diesmal mit Wasserkastanien – gibt es im kleinen Kuriositätenladen. Ein toller Klassiker mit unendlichen Abwandlungsmöglichkeiten…

Read Full Post »

Die China-Restaurants der 70er und 80er Jahre haben uns ziemlich versaut. All die Lotus-Goldener Drache-Peking House-Great Wall-Rote Laternen-Butzen, die uns mit Glutamat vollgepumpt haben. Wer heute sagt, er esse gerne chinesisch, wird von dem Gros der Leute mitleidig angeschaut. Fastenspeise der Buddhisten, 8 Köstlichkeiten und Schweinefleisch süß-sauer lassen jedem halbwegs normalen Mensch kalte Schauer über den Rücken laufen. Zumindest dann, wenn man nicht das Glück hat, ein halbwegs authentisches China-Restaurant zu kennen, wie beispielsweise das Jade im Frankfurter Bahnhofsviertel. Denn dort gibt es glücklicherweise keine der o.g. Speisen – zumindest nicht auf der “echt chinesischen” Karte.

Ähnlich naserümpfend reagierte der bEdW, als ich eben jenes verpönte Schweinefleisch süß-sauer für ein Friday-Night-Home-Dinner-Date vorschlug. Dabei ist Gu Lao Rou, wie es im Süden Chinas heißt, ein ganz traditionelles Gericht. Süße und Säure im Ursprungs-Rezept sind sehr fein und leicht, nur durch Zucker und Essig hervorgerufen. Wir haben wieder einmal aus dem Buch “Die echte chinesische Küche” ein Rezept verwendet und leicht abgewandelt.

Zutaten für zwei Personen:

350 gr Schweinefilet

1 Möhre

3 Frühlingszwiebeln

halbe Salatgurke

1 Ei

1 EL Maisstärke

1 TL und 5 EL Reiswein

1 Vogelaugenchili

1/2 milde rote Peperoni

1 Stück Ingwer (1/2 Daumenlänge)

2 Knoblauchzehen

(alternativ: 1 EL Ingwer-Knoblauch-Paste)

1 EL Zucker

1 TL Essig

100 ml Pflanzenöl

2 EL Tomatenmark

Salz

Beilage: Reis

Und so geht’s: Das Schweinefleisch in dünne Scheiben und anschließend in etwa 3 cm lange Stücke schneiden. Das Ei mit Salz und 1 TL Reiswein verkleppern und mit dem Fleisch vermischen. Zur Seite stellen. Gurke und Möhre in rautenförmige Stücke schneiden. Frühlingszwiebeln in nicht zu feine Ringe schneiden. Peperoni hacken. Vogelaugenchili sehr fein hacken. Ingwer und Knoblauch schälen und sehr fein hacken – oder alternativ Ingwer-Knoblauch-Paste verwenden. Zucker mit Essig, Salz, 5 EL Reiswein, 1 EL Speisestärke und 1 EL Wasser gründlich mischen. Den Wok erhitzen und das Pflanzenöl zufügen. Abgetropftes Schweinefleisch bei hoher Hitze frittieren, bis es goldbraun ist. Aus dem Wok nehmen und zur Seite stellen. Öl bis auf einen dünnen Film aus dem Wok gießen. Tomatenmark, Chili und Peperoni sowie Frühlingszwiebeln, Ingwer und Knoblauch kurz unter Rühren anbraten. Gurke und Möhre hinzufügen und ebenfalls kurz anbraten. Die Sauce dazugeben und alles aufkochen lassen, bis sie etwas eindickt. Das Fleisch wieder zugeben und noch mal heiß werden lassen. Zusammen mit dem Reis servieren.

Ein vielfach unterschätztes Gericht, das bei Eigenherstellung leicht, lecker und deutlich besser schmeckt als die Nummer 34b beim Chinesen um die Ecke. Habt Ihr auch schon mal einen Fast-Food-Klassiker oder ein Oh-mein-Gott,das-geht-ja-gar-nicht-Gericht zu Hause selber gemacht und aus der Schmuddelecke geholt?

Dazu hat uns übrigens ganz hervorragend eine Neuentdeckung geschmeckt:

Der Helderberg Sauvignon Blanc aus dem südafrikanischen Anbaugebiet Stellenbosch ist Teil des Probierpakets, das mir Hawesko zur Verfügung gestellt hat. Nach einer ersten Enttäuschung (s. Post vom Montag) hat uns der Helderberg tatsächlich umgehauen. Mit seiner hellgelben Farbe und einer deutlichen Grapefruit-Gras-Nase ist er ein richtig waschechter Sauvignon Blanc. Das typische Stachelbeer-Aroma breitet sich dann ebenso im Mund aus wie grüne Paprika- und Unreifer-Pfirsich-Aromen. Dabei hat er angenehm wenig Säure. Unbedingt gut gekühlt trinken. Mit 8,90 Euro/Flasche kein ganz billiges Vergnügen, aber mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Read Full Post »

Mir sagen Leute oft, sie hätten keine Zeit zum Kochen. Ich glaube aber, dass meistens einfach keine Lust dazu da ist und es halt bequemer erscheint, sich eine TK-Pizza in den Ofen zu schieben. Die benötigt aber auch meist etwa 20 Minuten und braucht sogar vielleicht noch Zeit, bis der Backofen vorgeheizt ist. In dieser Zeit kann man auch durchaus ein schnelles asiatisches Gericht zubereiten, das zudem gesünder ist – manchmal sogar günstiger!

Der einzige Luxus bei der knackigen Fisch-Gemüse-Pfanne bestand darin, dass wiedereinmal der bEdW am Herd stand und nicht ich :)

Zutaten:

400 gr Rotbarsch-Filet (es kann auch ein anderer festfleischiger Fisch sein)

6 EL Reiswein

2 TL Speisestärke

2 grüne Paprikaschoten (wir hatten 1 rote und 1 grüne – aber die rote war zu süßlich. Also lieber zu grünen Paprikas greifen)

1 Stange Lauch

1 daumengroßes Stück Ingwer

2 Knoblauchzehen

2 TL Reisessig

1 EL Sojasauce

Zucker

4 EL Öl

2 EL Tomatenmark

etwas Limettensaft

Salz

optional: Flying Goose Hot Chili Sauce (Asialaden)

So geht’s:

Fischfilet in mundgerechte Stücke schneiden. In einer Mischung aus Reiswein, Speisestärke, Salz und 2 TL Wasser marinieren (mind. eine Viertelstunde). Paprika putzen, entkernen und in gleich große Stücke schneiden. Ingwer und Knoblauch schälen und sehr fein hacken. Den Lauch waschen und nur das Weiße in feine Ringe schneiden.

Den Fisch abtropfen lassen. In die Fischmarinade noch Essig, Sojasauce und Zucker einrühren.

Öl im Wok erhitzen und die Fischwürfel darin scharf anbraten. Herausnehmen und warm stellen.

Knoblauch, Ingwer und Gemüse unter Rühren anbraten. Tomatenmark ebenfalls mit anbraten. Sauce und Fischwürfel hinzugeben und vorsichtig unterheben. Mit Limette und – wer mag – der Chilisauce abschmecken.

Dazu passt Reis.

Durch das schnelle Garen im Wok ist das Gemüse noch schön knackig, der Fisch frisch und saftig. Wer will da noch eine Tiefkühlpizza?

Read Full Post »

Ich liebe das Frankfurter Bahnhofsviertel. Nein, ICH LIEBE DAS FRANKFURTER BAHNHOFSVIERTEL! (Wem’s nur um’s Essen geht, muss bitte ein bisschen runter scrollen)

Ich mag den Mix aus leicht verwitterten Altbauten und Hochglanzfassaden:

Diesen Mix aus Bankern und Junkies, Starbucks und Dönerläden, Jugendherbergen und Designhotels, reich und arm.

Wo sonst wird man angequatscht und um “‘n bisschen Kleingeld für’s Frettchen!” gebeten. Ein Blick auf das Ding, das am anderen Ende der Leine hängt, erklärt die kuriose Bitte…

Was mir weniger gefällt, ist die auch hier galoppierende Gentrifizierung. So viele Jung-Dynamiker auf teuren Bikes und mit wehenden Sakko-Schößen, die auf dem Gepäckträger ihren Bio-Einkauf nach Hause radeln, hat man vor 5 Jahren hier noch nicht gesehen. Zwischen den abgebröselten Fassaden findet man auch mehr und mehr kernsanierte Super-Altbauten, deren gut getuchte Wohnklientel man schon daran erkennt, dass keine Satellitenschüsseln mehr an der Hauswand hängen und keine Wäsche vorm Fenster zum Trocknen aufgehängt ist.

Ich bin da immer sehr gespalten: Mit den Erfahrungen aus München, wo kaum noch ein Viertel verschont bleibt vor Investoren und darauffolgenden Mieterhöhungen, stehe ich der Erschließung “ärmlicher” Stadtteile durch das so genannte Bionade-Biedermeier skeptisch gegenüber. Andererseits: Kann ein Viertel nicht auch profitieren von frischem Wind, kaufkräftiger Klientel und neuen Gesichtern? Wird eine Gegend wie das Bahnhofsviertel nicht lebendiger, familienfreundlicher, bunter? Ich bezweifle es, ehrlich gesagt. Denn häufig sorgt der Zuzug der Besserverdienenden schlicht für höhere Preise, die sich das angestammte Publikum nicht mehr leisten kann und wegziehen muss. Die Viertel werden somit gleichförmig, eintönig und austauschbar. Der ursprüngliche Charme, der ursprünglich mal der Grund war, warum man so gerne z.B. nach Berlin Friedrichshain, Frankfurter Nordend oder München Sendling gezogen ist, geht häufig verloren.

Dabei war das Bahnhofsviertel schon bunt, lange bevor die Boogaboo-Kinderwagen kamen: Hier gab es Sex und Drogen, Multikulti, Stoff- (höhö) und Pelzhändler, Freimaurer und die Nitribitt – und, ja, auch Kriminalität und jede Menge sozialer Probleme. Ich bin ja kein Sozialromantiker. Eben alles, was eine Stadt ausmacht – nur auf engstem Raum.

(Eine ZDF-Dokureihe über die Menschen im Bahnhofsviertel gibt sehr liebevolle aber nicht romantisierende Einblicke. Und eine spannende ARD-Reportage hat mal die Geschichte der Kaiserstraße als Verbindung zwischen Bankenviertel und Hauptbahnhof aufgezeichnet. Selten habe ich gebannter vorm TV gesessen…)

Was ich am ursprünglichen Bahnhofsviertel so liebe, zeigt vielleicht diese itsy-bitsy Episode:

Auf Parkplatzsuche nach Feierabend, um meine Freundin M. im China-Restaurant “Jade” (ja, kommt gleich!) zu treffen, hat es mich in den etwas schäbigeren, schmuddeligeren Teil der Moselstraße verschlagen. Einzig freier Parkplatz: Direkt vor dem Eingang einer neonbeleuchteten Peep Show. Super! Nach unserem Abendessen (bitte noch etwas Geduld, es ist gleich soweit) und auf dem Weg zum Wagen, habe ich gesehen, dass sich ein Fahrer schwer tat, in die kleine Lücke hinter meinem Auto zu kommen. Gleich zwei etwas halbseiden wirkende Koberer halfen ihm durch Handzeichen und viel Tam-Tam.  Ich also schnell hin: “Moment, ich fahr’ doch eh weg, dann habt ihr’s leichter!”. Die drei schweren Jungs: beeindruckt und scheinbar nicht gewohnt, dass eine Frau aus einem offensichtlich anderen Gewerbe nicht einfach nur mit gesenktem Blick vorbei geht, sondern Hilfe anbietet. Zum Lohn wurde ich jetzt meinerseits mit viel Gestikuliere und Galanterie aus der Parklücke gewunken, der durchfahrende Verkehr theatralisch zurückgehalten, um mich rauszulassen. Und für einen Plausch reichte es auch noch. Koberer: “Kommst aus Minga?” (das Nummernschild entlarvt mich derzeit noch) Ich: “Jo, scho!” Darauf folgte ein netter Plausch über woher und wohin, wo gewohnt und warum weggezogen, München vs. Frankfurt – alles, während das Nachtleben im Rotlichtviertel weiterlief. Zum Abschied noch ein hinterher gewunkenes: “Komm gut heim!”, begleitet von einem “Gebt’s a Ruh!” zu den hupenden Wagen hinter mir.

Ich hoffe sehr, dass auch dieser weniger vorzeigbare und nicht in das Bankfurt-Image der Stadt passende Teil des Bahnhofsviertels nicht schon bald Tagescafés, Designer-Kinder-Boutiquen und Elektro-Bike-Shops weichen muss. Frankfurt wäre um mindestens eine Facette ärmer…

***********

He, das musste mal raus! Und wer jetzt neugierig geworden ist, der geht einfach selber mal hin. Gucken und staunen. Und setzt sich bei schönem Wetter auf die langen und wackligen, bunt gedeckten Tische (mit Kleenex-Box statt Servietten) aufm Bürgersteig vor das “Jade (Magic Wok)” (Moselstraße 25):

Nicht zu verwechseln mit dem Laden gegenüber, der dummerweise AUCH “Jade (Asian Food)” heißt:

Zu viel Kreativität bei der Namensfindung kann man den Betreibern jedenfalls nicht vorwerfen. Also: Das grüne Schild führt Euch aber zum RICHTIGEN Lokal.

Hier dann bitte auch die richtige Karte bestellen. Nicht das in Plastik gebundene Touristen-Teil, sondern einfach nach der “anderen Karte” fragen. Oder der “chinesischen Karte“. Die ist hellblau und aus dicker Pappe. Und darin befinden sich laut meiner Freundin M., der Weltreisenden, ECHTE chinesische Gerichte, die so schmecken wie in China oder zumindest in Chinatown in San Francisco. Dazu ordert man Jasmin Tee oder den herrlich erfrischenden hausgemachten Ice Tea.

Am besten verschiedenste Gerichte aussuchen und miteinander teilen. Hier kann man dann noch mal entscheiden zwischen kleineren und größeren Portionen. Je nachdem, ob einer alleine oder mehrere mitessen möchten. Wir hatten

Seetang-Suppe mit Tintenfischbällchen und Wan-Tans. Dampfend, würzig, fischig, unfassbar gut. Ein echter Gesundbrunnen. Außerdem:

Wasserspinat mit frittiertem Knoblauch, Chili und Bohnensauce. Knackig, frisch, wahnsinnig aromatisch.

Frittierte Tintenfisch-Tulpen mit Szechuan-Pfeffer und Chili. So knusprig (außen) und wunderbar zart (innen). Eines der leckersten Gerichte, das ich je gegessen habe. Ich bin süchtig!

Danach kommt auf Kosten des Hauses noch ein kleiner Nachtisch und etwas Obst. Trotzdem wollten wir noch nicht gehen. Es war warm, wir konnten Leute gucken und alte Geschichten austauschen, neue erzählen und über den Wandel des Viertels philosophieren, in dem wir damals gemeinsam bei meinem “ersten Inder” waren, als es noch anders aussah links und rechts der Kaiserstraße.

Und so viel Philosophie macht hungrig. Wer ständig Essensgerüche von den Nachbartischen in der Nase hat, bestellt sich halt nach dem Nachtisch noch einen Teller gebratene Nudeln mit Sea Food und verlässt satt, glücklich und mit einem wunderbar warmen “homecoming”-Gefühl das “Jade”. (Beim nächsten Mal folge ich noch mal M.s Tipp und probiere den chinesischen gedämpften Fisch, der zum Tagespreis frisch auf den Tisch kommt!)

Ach ja, für all das Essen und Trinken haben wir an dem Abend insgesamt etwa 45 Euro bezahlt. Wer weiß, wie lange man solche Perlen noch findet im heiß geliebten Bahnhofsviertel?

Read Full Post »

Suchbild: Was haben diese beiden gemeinsam?

Vor 125 starb der Kini (aka Ludwig II. von Bayern aka Sissis Cousin aka Der Märchenkönig aka Helmut Berger in Viscontis Film etc.) unter mysteriösen Umständen. Allerlei Theorien ranken sich noch heute um seinen Tod. Ein Spaß für jeden Verschwörungstheoretiker. Deshalb kann selbst ein erklärter Anti-Monarchist wie ich sich dem Faszinosum “Wiggerl” kaum entziehen.

Des einen Todestag war der anderen Geburtsstunde: Vor 125 Jahren wurde die Maggi-Flasche erfunden! Und selbst in einem Glutamat-freien Haushalt wie unserem findet sich gaaaaanz tief hinten im Küchenregal ein Fläschchen. (2009 abgelaufen!)

Kein Monarchist, keine Glutamat-Schleuder und trotzdem beides im Haus? Ich habe nie behauptet, dass ich auf Prinzipien reiten würde ;-)

****

Nicht, dass wir knapp an Wein wären… Aber bei den Schlagworten “Sommer”, “Weißwein”, “erfrischend” muss man doch einfach zugreifen, oder?

Jedenfalls habe ich mir das Probierpaket “Spanische Sommerweine” gleich bestellt. Das Video auf stern.de  mit den beiden Kritikern ist sympathisch-dilettantisch (aber viel zu lang!). Überspringt am besten die ersten 1:17 Minuten. Dann geht’s endlich um die Weine. (Warum immer alles mit “Take Five” unterlegt werden muss. Gähn!) Viel lernt man aus dem Video eh nicht. Deshalb: Lieber selber ausprobieren! Ich halte Euch auf dem Laufenden.

****

Ok, der blöde Kalauer aus der Headline hat wirklich ‘n Bart. Aber wer wie ich den Film “Die üblichen Verdächtigen” liebt (Achtung! Wer den Film noch nicht kennt: Der Wikipedia-Artikel ist voller Spoiler!!!), der denkt wahrscheinlich selbst manchmal bei Soßen an Keyser Soze, den unfassbar bösen und mysteriösen Unterweltboss aus dem Film.

Bohnensauce – oder besser: scharfe Bohnensauce - ist eine schnelle, günstige Zutat, um einem Gericht einen exotischen Kick zu geben.

So wird aus Rindfleisch mit Gemüse, Ingwer und Knoblauch eine wahnsinnig schmackhafte Wok-Pfanne. Wann immer der bEdW Rindfleisch und Gemüse zubereitet, nötige ich ihn, die Bohnensauce auszupacken! Es gibt eine scharfe und eine “normale” Variante. Beide Sorten Bohnensauce gibt’s im Asia-Laden. Sie hält sich im Kühlschrank auch geöffnet mehrere Wochen.

Read Full Post »

Ich liebe dieses Internet! Da entdeckt man beispielsweise, das eine hochverehrte Bloggerin wie Anke Gröner genauso Yotam Ottolenghi verfallen ist wie ich.

Ihre (Koch-)Bibel ist derzeit “Genussvoll vegetarisch”, meine “Ottolenghi: The Cookbook”, aus dem ich hier und hier und hier schon was gekocht habe. Sollte ich beim nächsten London-Besuch mal ein bisschen mehr Zeit haben als Flughafen-Meeting-Flughafen, muss ich UNBEDINGT mal bei Ottolenghi vorbeischauen.

Auf der Suche nach einem schnelle, würzigen Abendessen bin ich an einem Tofu-Rezept hängengeblieben. Und obwohl ich kein Tofu-Fan bin, dachte ich mir, dass Frau Gröner UND Ottolenghi so falsch nicht liegen können und habe das in Ankes Blog schon mal gepostete Gericht nachgekocht. Für eine Person und als kleines Abendessen habe ich die Menge, die Anke angibt, geviertelt.

Das war mehr als ausreichend, weil Tofu unwahrscheinlich satt macht. Außerdem habe ich statt der Pfefferkörner Szechuan-Pfeffer genommen, weil ich der Meinung war, dass diese “spitze” Schärfe besser zum Gericht passt. Allerdings würde ich beim nächsten Mal dann weniger als einen EL nehmen… Zum Schluss kamen dann noch einige Tropfen Sesamöl über das Gericht – kann man machen, muss man aber nicht. Das Öl kommt kaum gegen die Schärfe an. Aber bei weniger Szechuan-Pfeffer, taugt es vielleicht doch. Ich werde es noch mal ausprobieren.

Das Abendessen war wirklich schnell zuzubereiten und dank des Räuchertofus auch für Skeptiker wirklich lecker. Mir fehlte allerdings ein bisschen was Frisches. Etwas knackiges und nur noch kurz mitgeschwenktes Gemüse (Kaiserschoten? Stangensellerie?) könnte da Abhilfe schaffen. Oder man isst den Tofu nach einem knackigen asiatischen Salat.

Auf jeden Fall fange ich an, mich mit Tofu anzufreunden und werde auch mein Ottolenghi-Kochbuch mal wieder hervorholen. Danke, Anke!

Read Full Post »

Older Posts »

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 274 Followern an

%d Bloggern gefällt das: