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Archiv für die Kategorie ‘Hessen’

Helau! Heute gibt’s ein klassische Fassenachts-Essen aus Hessen!

Hessen kulinarisch bedeutet für mich Grie Soß, Handkäs, Äppelwoi, Sauerkraut! (Natürlich nicht in dieser Zusammenstellung!).  Im Münchner Exil habe ich oft von richtig saurem, knackigen Sauerkraut geträumt. Die bayerische Variante ist lecker – für meine hessische Seele aber zu verkocht und nicht sauer genug. (Leute, das heißt doch nicht ohne Grund SAUERkraut!). Auch die Varianten mit Champagner oder Wein sind delikat. Awwer halt kaan hessisches Sauerkraut!

Sauerkraut muss Dir das Hemd in die Hose ziehen - und hat zusammen mit Äppelwoi eine verheerende Wirkung auf die Verdauung. Ungeübte und Zugereiste sollten sich unbedingt in der Nähe einer (schalldichten!) Toilette befinden, wenn sie die Klassiker der hessischen Küche erstmals und unvorbereitet gemeinsam genießen.

Klassisch kommt das hessische Sauerkraut natürlich mit Rippchen auf den Teller. Auch werden gerne kleine Leber- oder Blutwürste auf dem Kraut liegend gegart. Sehr köstlich! Ich mag’s aber auch gerne mal etwas einfacher: Mit Kartoffelpüree und Frankfurter Würstchen!

Glücklich, wer noch eine Oma hat, die das Sauerkraut selber einschneidet und im kühlen Keller reifen lässt. Meine kann dies seit einigen Jahren leider nicht mehr. Und für immer kleiner werdende Haushalte lohnt sich der Aufwand auch kaum. Zudem stinkt das vergärende Kraut wirklich haarsträubend. Aber nach Wochen des Reifens das erste Sauerkraut der Saison zu testen, war immer ein Erlebnis. Wer also einen kühlen Keller mit einer gut schließenden Tür hat, sollte das Selbereinschneiden unbedingt mal ausprobieren!

Unser Kraut kaufen wir jedenfalls lose auf dem Wochenmarkt. Aber auch viele Metzger bieten es an. Auch aus der Dose (z.B. Sonnen Bassermann oder – empfohlen aber nicht selbst getestet – Manufactum) kann es schmecken, wenn es anschließend originalgetreu zubereitet wird.

Zutaten für das Kraut als Beilage für 2 Personen:

500 gr Sauerkraut

1 kleine Zwiebel, fein gehackt

1 EL Butter

4 Wacholderbeeren

2 Lorbeerblätter

2 TL Kümmelsamen

ca. 125 ml Apfelwein

So geht die denkbar einfache Zubereitung:

Die Butter in einem Topf erhitzen und die Zwiebelwürfel darin glasig anbraten. Nun das Sauerkraut hinzugeben und mit dem Apfelwein angießen. (Achtung: Lieber erstmal weniger Flüssigkeit nehmen, da Kraut manchmal noch viel Wasser zieht. Lieber später noch etwas zugießen. Falls Apfelwein übrigbleibt: Einfach selber trinken :) ) Wacholderbeeren, Lorbeerblätter und Kümmel in das Kraut mischen, Deckel drauf und bei kleiner Hitze etwa 45 min leise köchelnd garen.

Währendessen könnt Ihr 4 mittelgroße, mehlig kochende Kartoffeln schälen, würfeln und gar kochen. Wasser abgießen, Milch und Butter hinzugeben und Kartoffeln zerstampfen. Mit Salz und Muskat abschmecken.

Frankfurter etwa 15 min in heißem aber nicht kochendem Wasser gar ziehen lassen.

Übrigens: Wer kein Kartoffelpü mag, serviert Sauerkraut und Frankfurter klassisch mit einer Scheibe Brot.

Alles mit dem weltbesten Senf servieren, ein Glas Äppelwoi ausm Gerippten dazu und den Weg zur Toilette möglichst freihalten.

Warum Fassenachts-Essen? Ich denke, weil die Zubereitung nebenher läuft und man sich ganz auf die Feierei konzentrieren kann. Außerdem vertreibt das saure und vitaminreiche Sauerkraut jeden Kater.

En Guude!

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“Was kommt denn da für’n wüster Krach aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach? Was lärmt in Kassel, Gießen und Wiesbaden bloß so gnadenlos?”

Als in den frühen 80ern die Neue Deutsche Welle tobte, erlebten auch die Rodgau Monotones bundesweit Charterfolge und brachten hessische Mundart ins Radio. Neben “Ei, gude wie?”, “Volle Lotte” oder “St Tropez am Baggersee” werden sie auch heute noch geliebt für die Hymne aller Hessen: “Die Hesse komme!”.
Ob bei Spielen der Frankfurter Eintracht oder in den Betreffzeilen elterlicher Emails, die Besuche in München ankündigten: Die Hymne ist längst jedem Hessen in Fleisch und Blut übergegangen.
Meine Lieblingszeile im Lied ist und bleibt übrigens: “Unser David Bowie heißt Heinz Schenk” Das ist in seiner Absurdität einfach nicht zu übertreffen und bringt den bEdW (Hesse ehrenhalber!) und mich immer zu Lachtränen, wenn wir’s hören.
Während man als Kind eigentlich eher immer peinlich berührt war, wenn man mit den Eltern den “Blauen Bock” gucken musste in guter alter Samstagabendtradition, ist Schenk heute irgendwie Kult – sicherlich auch wegen seines Auftritts in Hape Kerkelings “Kein Pardon!”.
Das passende Essen zum Lied ist – NATÜRLICH – Handkäs mit Musik!
Apropos:
Liebe Touristen in Sachsenhausen: Das muss man unbedingt “Mussig” mit Betonung auf der ersten Silbe aussprechen! “Handkäse mit Musiiiiiik” ist einfach nur schlimm und tut jedem Einheimischen in der Seele weh. Also, bitte unser sensibles Gemüt schonen und “Mussig” sagen :)
Für die Zubereitung eines echten Handkäs mit Musik benötigt Ihr folgende Zutaten:
2 Handkäs (ersatzweise Harzer Käse)
1 kleine Zwiebel, sehr fein gehackt
eine Prise Kümmelsamen
Pfeffer, frisch gemahlen
Wein-Branntweinessig (nach Geschmack – ich nehme immer ordentlich, also etwa 4 EL)
Rapsöl, etwa 2 EL
Dazu gehört unbedingt eine Scheibe Sauerteig- oder Roggenbrot mit dick Butter drauf! Denn was dem mageren Handkäs an Fett fehlt, gleicht der Hesse gern mit doppelt Butter aufm Brot wieder aus…
Zwei Dinge gilt es beim Handkäs zwingend zu beachten:
1) Ganz wichtig bei der “Zubereitung” ist, dass der Handkäs vorm Servieren nicht mit Essig in Berührung kommt. Essig macht den Käs zäh und weißlich, also ziemlich ungenießbar.
Deshalb das Dressing aus Essig, Öl, Pfeffer, Zwiebeln und Kümmel ruhig schon mal anrühren und dann vor dem Servieren über den Käs geben.
2) Den Handkäs isst der Frankfurter mit Messer. Und zwar NUR mit Messer. Man schneidet ein Stück ab und fährt mit dem Stück in der “Mussig” rum, damit das Scheibchen möglichst viel Soße aufnimmt. Dann spießt man es mit dem Messer auf und isst es anschließend entweder direkt vom Messer oder – für feinere Leute – von der Brotscheibe, auf die man das Stückchen vorher legt. Wer Handkäs mit Messer und Gabel isst, outet sich als Auswärtiger. Das ist nicht schlimm, da gerade Frankfurter sowas von tolerant sind. Aber an den Handkäs gehört einfach “kaa Gawwel”!
Dazu gibt es dann ein Glas Ebbelwoi – sauergespritzt oder pur. Wer süßgespritzten bestellt – also Ebbelwoi mit Limo! -, der muss mit “Uffreschung” beim Wirt rechnen:
Denn bei aller Toleranz: E bissi schlecht druff und grad enaus isser halt schon, der Hesse, gell?
Weil der Handkäs aber auch für gehetzte Frankfurter Banker ebenso geeignet ist wie für Agentur-Schnecken oder kinderreiche Familien, ist er mein Beitrag für die Cucina Rapida im September!

Cucina rapida - schnelle Küche für Genießer. Ein Blog-Event von mankannsessen.de

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Blog-Events wollen natürlich “frische” Rezepte und nichts aus dem Archiv. Aber die Frankfurter Grie Soß ist so ein Klassiker, der in Frühling und Sommer bei uns permanent auf’m Tisch ist, dass das Gericht eigentlich immer aktuell bleibt.

Nichts schmeckt frühlingshafter, leichter, kühler und frischer als das hessische Nationalgericht. Nach langen Wintern ist die Sauce ein echter Seelenschmeichler, der zu Spargel ebenso passt wie zu Bratkartoffeln.

Obwohl ich das Ursprungsrezept, an dem seit Jahrzehnten nichts verändert wird, hier schon mal gepostet hatte (als 4. Blog-Post überhaupt), habe ich eine ganz frische Portion für “Cookbook of Colors: Hellgrüne Rezepte für den Mai” zubereitet:

Wenn das mal nicht hellgrün ist!

Und das Beste: Auch für den nächsten Monat, wenn die Farbe “grün” im Mittelpunkt steht, passt die Frankfurter Grie Soß schon wieder ;-)

Darauf noch einen Äppler! Äpfel sind ja auch grün. Prost!
HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

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Die China-Restaurants der 70er und 80er Jahre haben uns ziemlich versaut. All die Lotus-Goldener Drache-Peking House-Great Wall-Rote Laternen-Butzen, die uns mit Glutamat vollgepumpt haben. Wer heute sagt, er esse gerne chinesisch, wird von dem Gros der Leute mitleidig angeschaut. Fastenspeise der Buddhisten, 8 Köstlichkeiten und Schweinefleisch süß-sauer lassen jedem halbwegs normalen Mensch kalte Schauer über den Rücken laufen. Zumindest dann, wenn man nicht das Glück hat, ein halbwegs authentisches China-Restaurant zu kennen, wie beispielsweise das Jade im Frankfurter Bahnhofsviertel. Denn dort gibt es glücklicherweise keine der o.g. Speisen – zumindest nicht auf der “echt chinesischen” Karte.

Ähnlich naserümpfend reagierte der bEdW, als ich eben jenes verpönte Schweinefleisch süß-sauer für ein Friday-Night-Home-Dinner-Date vorschlug. Dabei ist Gu Lao Rou, wie es im Süden Chinas heißt, ein ganz traditionelles Gericht. Süße und Säure im Ursprungs-Rezept sind sehr fein und leicht, nur durch Zucker und Essig hervorgerufen. Wir haben wieder einmal aus dem Buch “Die echte chinesische Küche” ein Rezept verwendet und leicht abgewandelt.

Zutaten für zwei Personen:

350 gr Schweinefilet

1 Möhre

3 Frühlingszwiebeln

halbe Salatgurke

1 Ei

1 EL Maisstärke

1 TL und 5 EL Reiswein

1 Vogelaugenchili

1/2 milde rote Peperoni

1 Stück Ingwer (1/2 Daumenlänge)

2 Knoblauchzehen

(alternativ: 1 EL Ingwer-Knoblauch-Paste)

1 EL Zucker

1 TL Essig

100 ml Pflanzenöl

2 EL Tomatenmark

Salz

Beilage: Reis

Und so geht’s: Das Schweinefleisch in dünne Scheiben und anschließend in etwa 3 cm lange Stücke schneiden. Das Ei mit Salz und 1 TL Reiswein verkleppern und mit dem Fleisch vermischen. Zur Seite stellen. Gurke und Möhre in rautenförmige Stücke schneiden. Frühlingszwiebeln in nicht zu feine Ringe schneiden. Peperoni hacken. Vogelaugenchili sehr fein hacken. Ingwer und Knoblauch schälen und sehr fein hacken – oder alternativ Ingwer-Knoblauch-Paste verwenden. Zucker mit Essig, Salz, 5 EL Reiswein, 1 EL Speisestärke und 1 EL Wasser gründlich mischen. Den Wok erhitzen und das Pflanzenöl zufügen. Abgetropftes Schweinefleisch bei hoher Hitze frittieren, bis es goldbraun ist. Aus dem Wok nehmen und zur Seite stellen. Öl bis auf einen dünnen Film aus dem Wok gießen. Tomatenmark, Chili und Peperoni sowie Frühlingszwiebeln, Ingwer und Knoblauch kurz unter Rühren anbraten. Gurke und Möhre hinzufügen und ebenfalls kurz anbraten. Die Sauce dazugeben und alles aufkochen lassen, bis sie etwas eindickt. Das Fleisch wieder zugeben und noch mal heiß werden lassen. Zusammen mit dem Reis servieren.

Ein vielfach unterschätztes Gericht, das bei Eigenherstellung leicht, lecker und deutlich besser schmeckt als die Nummer 34b beim Chinesen um die Ecke. Habt Ihr auch schon mal einen Fast-Food-Klassiker oder ein Oh-mein-Gott,das-geht-ja-gar-nicht-Gericht zu Hause selber gemacht und aus der Schmuddelecke geholt?

Dazu hat uns übrigens ganz hervorragend eine Neuentdeckung geschmeckt:

Der Helderberg Sauvignon Blanc aus dem südafrikanischen Anbaugebiet Stellenbosch ist Teil des Probierpakets, das mir Hawesko zur Verfügung gestellt hat. Nach einer ersten Enttäuschung (s. Post vom Montag) hat uns der Helderberg tatsächlich umgehauen. Mit seiner hellgelben Farbe und einer deutlichen Grapefruit-Gras-Nase ist er ein richtig waschechter Sauvignon Blanc. Das typische Stachelbeer-Aroma breitet sich dann ebenso im Mund aus wie grüne Paprika- und Unreifer-Pfirsich-Aromen. Dabei hat er angenehm wenig Säure. Unbedingt gut gekühlt trinken. Mit 8,90 Euro/Flasche kein ganz billiges Vergnügen, aber mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Ich hoffe, Ihr hattet schöne Feiertage und konntet die Zeit für ein paar lange Winterspaziergänge und viele andere schöne Dinge nutzen. Gegen kalte Füße und Frostnasen habe ich heute genau das Richtige.

Sonntags oder an freien Tagen nehme ich mir gerne ein bis zwei Stunden, um FAS, FAZ und Die Zeit zu lesen – und was sonst noch so die Woche über auf den Stapel gewandert ist. Am liebsten sitze ich dann in unserem “Wintergarten” mit Blick auf den Wiesbadener Neroberg. Der Wintergarten ist streng genommen keiner. Aber mit den hohen, fast umlaufenden Glasfronten ist er im Winter der hellste – und leider auch kühlste – Raum. Wenn ich dann noch ruhig und Zeitung lesend auf der Couch sitze, wird mir schnell ganz schön kühl. Weil dieses Kältegefühl aber “von innen” kommt und einfach an mangelnder Bewegung liegt, habe ich einfach keinen Bock, die Heizkörper voll aufzudrehen. Denn davon wird’s meist auch nicht wirklich besser…

Wer den Ölmultis ein Schnippchen schlagen und trotzdem nicht frieren will, macht sich einfach einen heißen Ebbelwoi (Apfelwein), der natürlich auch mit Apfelsaft (dann weniger Kandis nehmen!) oder anderem Wein funktioniert.

Für ein Glas braucht Ihr

knapp 0,3 l Apfelwein

0,1l Wasser

4 große braune Kandis-Brocken

1 Sternanis

5 cm Zimtstange

3 Nelken

2 kleine Töpfe

In einem Topf köchelt Ihr das Wasser und die Gewürze – etwa 15 Minuten. Der Kandis sollte aufgelöst sein und die Gewürze schon einen guten Duft verströmen. Im anderen Topf erhitzt Ihr den Apfelwein, OHNE ihn zu kochen! Das ist wichtig und macht den Unterschied zu dem Sch***ß-Glühwein, den man auf Christkindlmärkten bekommt. Der Alkohol, der nämlich stundenlang vor sich hin köchelt, wird bitter und sorgt – zusammen mit zu viel Zucker – für Kopfschmerzen am nächsten Tag.

Also, wenn der Apfelwein schön heiß ist und der Sirup vor sich hingeköchelt hat, schenkt Ihr den Wein in ein Geripptes (anderer Wein darf in andere Gläser – Ebbelwoi nur ins Gerippte!) und füllt mit dem Sirup auf. Für die Optik könnt Ihr Anis, Zimt und Nelken ins Glas geben… Wer es noch ein bissl süßer mag, gibt noch Kandis ins Glas.

Übrigens: Wenn Ihr in Ebbelwoi-Kneipen einen heißen Apfelwein bestellt, seid vorsichtig mit dem Zucker. Wenn man den Zucker nämlich in das richtig heiße Gebräu kippt, schäumt das Glas schnell über. Also gaaaanz vorsichtig.

Oder man macht ihn gleich selbst und weiß, was drin ist. Anschließend dreht Ihr die Heizkörper runter, trinkt Euren Ebbelwoi und reißt Euch die Klamotten vom Leib!

PS: Herzlichen Dank an T., der uns neulich mit selbstgekeltertem Ebbelwoi überrascht hat – ein herrlich herbes, krachiges Stöffche, wie ich es besonders gern mag. Danke T., Dein Fan-Club!

(Und bald wird hier auch wieder gekocht und nicht nur getrunken. Versprochen!)

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Worauf ich mich dieses Wochenende freue? Natürlich auf die Weihnachtsfeiertage. Und darauf, die ganzen Glückspakete der anderen Blogger zu lesen, die sicherlich auch von Weihnachten handeln.

Aber Weihnachten fängt bei mir ja nicht erst am 24.12. an, sondern spätestens einen Tag vorher. Aus Tradition geht es da nämlich in die Frankfurter Kleinmarkthalle zum Einkaufen. An Heiligabend gibt es nämlich bei uns keine Gans (die gibt’s am 25.12.), keine Würstchen mit Kartoffelsalat und kein 4-Gänge-Menü, sondern kalte Leckereien aus aller Welt. Auf diesen Einkauf freue ich mich immer wie ein kleines Kind – vor allem, weil mich seit Jahren der bEdW begleitet :)

Los geht es mit einer heißen Rindswurst von Gräf-Völsing. Denn einkaufen mit Hunger geht gar nicht! Dann holen wir die Basics wie Brot, Tomaten… Weiter geht’s mit Wurst, u.a. bei der Metzgerei Dey. Dann zum Griechen, der fantastisch milden, cremigen Schafskäse hat, Oliven, Kapernäpfelchen, Taramas uvm. Bei den vielen sehr guten italienischen Feinkostanbietern dann noch San Daniele Schinken? Parmesan? Eingelegte Tomaten? Beim Iraner an der Ecke vielleicht ein paar Datteln für meine Mutter und ein bisschen kandierter Ingwer für mich? Danach unbedingt (!) zu meinem Lieblingsstand: Käse Thomas! Oh Gott, hier könnte ich mich einmal von links nach rechts und wieder zurück durch die Auslage essen. Unbedingt haben müssen wir einen stinkigen Ziegenkäse, einen bröckeligen alten Gouda, einen reifen Brie und dann noch irgendeine schöne Empfehlung des Personals. Zum Abschluss vielleicht im ersten Stock noch mal nach Meeresfrüchten geschaut oder beim Italiener nach Grissini suchen? Und wenn man schon mal oben ist, vielleicht ein Gläschen Wein auf der Terrasse? Die Kleinmarkthalle ist einfach wie ein Urlaub im Schnelldurchlauf. Egal, wie voll es dort an den Tagen vor Weihnachten ist. Leckereien für den Heiligabend geshoppt, viele fröhliche “Frohe Feiertage”-Rufe und die Vorfreude auf Weihnachten gehören für mich vor dem großen Fest unbedingt dazu!

Was ist Eure Heiligabend-Essens-Tradition?

Zurück zum Auto, die vielen Tüten ablegen und zur Entspannung noch ein Käffchen bei Wackers Kaffee.

Aber schon vorher kribbelt die Vorfreude. Nämlich beim Geschenkeverpacken.

Ich überlege mir jedes Jahr eine andere Verpackung und mag es, wenn es einen roten Faden gibt. Vor einigen Jahren war alles kalt und weiß verpackt mit Schneeflocken-Deko und Eisbären in Glaskugeln als Geschenkanhängern… Manchmal sind es einfach nur Naturmaterialien, die das Thema der Verpackung bilden. Oder mir ist nach bunt und witzig mit Zuckerstangen, Weihnachtsmännern und viel Bling-Bling.

In diesem Jahr hatte ich eine Idee von Schwarz und Silber.

Alles sollte klassisch-edel aussehen, ohne dabei zu übertrieben zu wirken. Also habe ich schwarzes Seidenpapier geshoppt, einen Schneeflockenstempel und ein Silber-Stempelkissen. Dazu Spiegelbuchstaben mit den Initialen der Beschenkten. Sonst weiß man ja gar nicht mehr, was was ist.

Toll dazu gepasst haben auch die schwarz-weißen Weihnachtsanhänger, die Nicky von Delicious Days ihren Lesern zu Weihnachten geschenkt hat.

Statt viel Tüll und aufwendigen Bändern habe ich diesmal mit Silberdraht und langen Kugelketten die Geschenke umwickelt. Letzteres sieht vor allem bei kleinen Päckchen hübsch aus (die nicht viel Platz für Deko bieten), wenn man die Enden zu einem dicken Knäuel zusammenknoten.

Für die Cracker aus der heimischen Produktion (Pssst… Die kann ich hier noch nicht verraten!) habe ich einen Verpackungstip aus Nickys Buch “Geschenkideen aus der Küche” aufgegriffen:

Einfach die Cracker in ein Plastiktütchen (gibt es im Drogeriemarkt) geben und aus einer Sandwich-Tüte (ebenfalls Drogerie) ein “Guckfenster” ausschneiden, die Tüten ineinander stellen, so dass man die Cracker sehen kann, die Butterbrottüte aber vor Fettflecken geschützt ist. Jetzt die Öffnung oben umschlagen und mit einem gefalzten und zugeschnittenen Stück Geschenkpapier “verbergen”. Besonders hübsch, wenn man eine Zackenschere für’s Schneiden nimmt… Jetzt noch schnell an beide Seiten ein einzelnes Loch lochern und mit Silberdraht je eine Öse schlingen. An eine der Ösen noch den Geschenkanhänger gehängt – Fertig!

Und natürlich gibt’s auch was für den alten Kater:

Damit das Auspacken richtig Spaß macht, hat sein Päckchen noch Engelsflügel angeklebt. Denn der Kerl steht auf alles aus Papier und erst recht auf alles mit Federn (tot oder lebendig!). Da er selbst schwarz-weiß ist, wird man ihn wahrscheinlich kaum finden zwischen den Päckchen.

Wie verpackt Ihr Eure Geschenke? Alle individuell für jeden anders? Oder mit “rotem Faden”? Recycelt Ihr Dekos aus dem Vorjahr oder lasst Ihr vielleicht sogar verpacken?

Ich wünsche Euch und Euren Lieben erholsame, friedliche, kulinarisch aufregende, lustige, fröhliche, besinnliche Feiertage!

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Manche mögen Papier, Druckertinte und Buchrückenleim als “einsnullig” empfinden. Ich liebe Bücher. Bin ein Buch-Junkie. Nicht umsonst gibt es die Rubrik “Aufm Nachttisch” in der rechten Sidebar. Jedenfalls macht es mich glücklich, wenn ich in Büchern blättere. Und erst recht, wenn ich so was Virtuelles wie das German Abendbrot schwarz auf weiß in die Tasche stecken kann.

Witzig finde ich nach wie vor die Idee von Scheisse, was koche ich heute?”, die ziemlich pragmatisch mit der ganzen Food-Bloggerei umgehen und damit die Szene in Befürworter und Kopfschüttler spalten. Jedenfalls habe ich den Leuten mein Pacific Palisades Shrimp Pasta Rezept zur Verfügung gestellt und bekam zum Dank drei Exemplare geschenkt – inklusive Zufallsgenerator. Und das Beste: Ich habe noch jede Menge neuer Blogs entdeckt!

Wollt Ihr mal reinschauen? Zwei Bücher habe ich noch und verschenke sie gerne. Hinterlasst einfach einen Kommentar und schreibt mir, welches Buch ich Eurer Meinung nach unbedingt als nächstes auf den Nachttisch legen sollte. Wenn es mehr als 2 Tipps gibt, würfelt der Zufallsgenerator aus, wer die 2 Gewinner sind. Ich bin gespannt auf Eure Tipps!

Im Internet bin ich auch aufmerksam geworden auf das Projekt Liebenswert Rhein-Main, in dem individuelle Wohnungen aus der Region und ihre Bewohner vorgestellt werden. Tolle Bilder! Wer gerne mal durch Fenster lugt, kann sich hier austoben. Aus den Geschichten wurde jetzt ein Buch gemacht – gespickt mit Zitaten von Leser darüber, was Rhein-Main l(i)ebenswert macht. Überraschung! Ich bin dabei! Und freu’ mich wie Bolle!

Ein schönes Coffeetable-Book, auf das ich mich richtig freue!

Aber immer nur Papier ist ja auch langweilig. Deshalb hier noch ein Tipp zu einer ungewöhnlichen und wunderschönen App (kostenlos im AppStore), die mich neulich bei elend langer Wartezeit am Münchner Flughafen ein klein bisschen glücklich gemacht hat: “Famous Books – Schätze der Bayerischen Staatsbibliothek“. Darin kann man in Inkunabeln und anderen wunderschönen und raren Büchern blättern, rein zoomen und Details erfahren. Näher kommt man diesen Schätzchen nie.

Apropos Schätzchen: Wer Bücher liebt, sollte unbedingt mal im British Museum die King’s Library besuchen. Hier werden Originalmanuskripte von Schriftstellern, Komponisten und anderen Berühmtheiten ausgestellt. Kleine Kostprobe? Eine Partitur von Mozart (ich hör’ Dich mosern, Anke!), das Manuskript von “Der Zauberberg” von Thomas Mann, der erste Wurf von “Yesterday” von Lennon und McCartney, ein Bibliotheksausweis von Lenin, Liebesbriefe von Queen Victoria und ihrem Mann Albert, die Magna Charta, das Gebetsbüchlein von Lady Jane Grey und vieles mehr. Als Literaturfan wollte ich einfach nur heulend vor Demut auf den Knien von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück rutschen…

Bei einem London-Trip mit einer Studienfreundin vor vielen Jahren (die Spice Girls kamen gerade ganz groß raus, die Teletubbies liefen im UK-TV und Notting Hill war noch nicht überlaufen) habe ich mir ein Poster mit einer Abbildung aus dem Original-Skript von “Alice in Wonderland” gekauft.

Das steht in der mittlerweile 5. Wohnung und wird NIEMALS in den Keller wandern. Denn es macht mich glücklich und erinnert mich an einen tollen Urlaub und die unglaublichen Dinge, die ich in der King’s Library sehen durfte.

Und welche Buch-Tipps (1.0 oder 2.0) habt Ihr so?

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“Folge dem Gral…”

Trotz meiner zehn Jahre in München bin ich nie ein Berg-Fan geworden. Ich bin und bleibe ein See-Mensch und mag es nicht, wenn mir Stein den Blick auf den Horizont verstellt. Die Alpen als Panorama im Hintergrund sind ok. Aber raufkraxln muss ich deshalb ja noch lange nicht. Lieber stundenlang am Meer entlangspazieren… Ich glaube, die Menschheit ist immer ganz leicht in 2 Gruppen einzuteilen: Berg- oder See-Urlauber, Nachtisch- oder Käse-Gang-Esser, Auf-dem-Klo-Leser oder Klo-Lese-Verweigerer, Milch- oder Fruchteisfans… Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Aber wenn es dann halt doch mal Berge sein müssen, sollen sie wenigstens zu was nütze sein. Sprich: WEINberge! Die liegen neuerdings ja vor unserer Haustür.

Und falls der Oktober noch ein paar goldene Herbsttage bereithält, möchte ich Euch die kurze Rheingau-”Wanderung” (= Spaziergang!) zwischen Schloss Vollrads und Schloss Johannisberg wärmstens empfehlen.

Schloss Vollrads ist eines der ältesten Weingüter der Welt und seit dem Freitod des letzten Grafen Mattuschka-Greiffenclau in Besitz einer Bank (was sonst – wir sind hier im Frankfurter Einzugsgebiet!!). Die Bank, das muss man allerdings zugeben, hat das Weingut vor dem Bankrott und der Übernahme russischer Oligarchen bewahrt, so dass es auch weiterhin – in Teilen – der Öffentlichkeit zugänglich ist. Und das freut den Weinfreund! Es lohnt sich in jedem Fall, sich die wechselvolle Geschichte des Weinguts zu Gemüte zu führen. Die Tradition des Wein-Machens reicht viele hundert Jahre zurück und macht die Schlösser zu spannenden Ausflugsorten. Website und Wikipedia sind gute Quellen zum Einstieg.

Parkplätze stehen an beiden Schlössern zur Verfügung, so dass sich von hier aus prima zu einem wunderbaren Spaziergang durch die Weinberge starten lässt. (Da es ziemlich hügelig ist und auch die Wege manchmal nur aus Geröll bestehen, empfehlen sich mindestens Turnschuhe. Auch mit dem Kinderwagen hat man wahrscheinlich wenig Freude… )

Mit herzzerreißendem Blick auf den Rhein und Weinstöcke bis zum Horizont sowie niedliche Fachwerk-Dörfchen…

…kann man in etwa 30 bis 45 Minuten das zweite berühmte Weingut des Rheingaus erreichen: Schloss Johannisberg, wo angeblich die Spätlese “erfunden” wurde. Auch hier ist die Wikipedia ein guter Einstieg in die Geschichte der Anlage. (Von wo nach wo man startet, ist natürlich egal. Wir haben in Vollrads geparttk, sind nach Johannisberg gelaufen, machten dort ein Päuschen, gingen dann gemütlich zurück und haben in Vollrads noch mal Halt gemacht, um bei Flammkuchen und Wein den Tag ausklingen zu lassen…)

Natürlich bieten beide Weingüter Ausschank der eigenen Gewächse, Vinothek zum Einkaufen und Einkehr in die hauseigenen Restaurants. (Warum sonst, glaubt Ihr, wandern wir 45 Minuten durch Weinberge???) Es mag im Rheingau bessere Rieslinge geben und auch die Vermarktungsmaschinerie der beiden Berühmtheiten finanziert man natürlich mit – dennoch, die gepflegten Anlagen und natürlich der wunderbare Blick über Weinhänge runter zum Rhein lässt sogar vergessen, dass die Schänke auf Schloss Johannisberg durch den unsäglichen Käfer betrieben wird…

Und wer mit Kloster Eberbach, Schloss Vollrads und Schloss Johannisberg die “Big Three” des Rheingaus kennengelernt hat, kann sich getrost daran machen, die vielen “kleinen” Winzer zu entdecken, die vielleicht weniger Marketing, dafür aber auch vielfach wunderbare Weine machen.

Hier ein paar Impressionen von unserem Gang durch die Weinberge:

Der “Gral” weist den Weg. Das Zeichen gibt Wanderern Orientierung, die auf der Riesling-Route unterwegs sind. Zu entdecken gibt es jede Menge:

Angekommen auf Schloss Johannisberg nimmt einem der Blick den Atem. Ich kann mich jedenfalls nicht satt sehen daran:

Und wie schön, dass es auch gleich was zu trinken gibt :)

Zurück in Schloss Vollrads wähnt man sich direkt in einem Märchen der Gebrüder Grimm – ebenfalls berühmte Hessen!

Ich will nicht ausschließen, dass Dornröschens Schloss tatsächlich mit Wein umrankt war. Dann hieße es zwar Dornweinchen… Aber wer will so kleinlich sein?

Kennt Ihr noch das Brettspiel “Sagaland”? Ich glaube jedenfalls, dass sich unter den Kugelbäumchen die 7 Zwerge verstecken. Nach ausreichend Riesling kann man die sogar sehen ;-)

Rhein – Wein – Glücklich sein… Geht ganz einfach im Rheingau! Schaut doch mal vorbei…

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Ich liebe das Frankfurter Bahnhofsviertel. Nein, ICH LIEBE DAS FRANKFURTER BAHNHOFSVIERTEL! (Wem’s nur um’s Essen geht, muss bitte ein bisschen runter scrollen)

Ich mag den Mix aus leicht verwitterten Altbauten und Hochglanzfassaden:

Diesen Mix aus Bankern und Junkies, Starbucks und Dönerläden, Jugendherbergen und Designhotels, reich und arm.

Wo sonst wird man angequatscht und um “‘n bisschen Kleingeld für’s Frettchen!” gebeten. Ein Blick auf das Ding, das am anderen Ende der Leine hängt, erklärt die kuriose Bitte…

Was mir weniger gefällt, ist die auch hier galoppierende Gentrifizierung. So viele Jung-Dynamiker auf teuren Bikes und mit wehenden Sakko-Schößen, die auf dem Gepäckträger ihren Bio-Einkauf nach Hause radeln, hat man vor 5 Jahren hier noch nicht gesehen. Zwischen den abgebröselten Fassaden findet man auch mehr und mehr kernsanierte Super-Altbauten, deren gut getuchte Wohnklientel man schon daran erkennt, dass keine Satellitenschüsseln mehr an der Hauswand hängen und keine Wäsche vorm Fenster zum Trocknen aufgehängt ist.

Ich bin da immer sehr gespalten: Mit den Erfahrungen aus München, wo kaum noch ein Viertel verschont bleibt vor Investoren und darauffolgenden Mieterhöhungen, stehe ich der Erschließung “ärmlicher” Stadtteile durch das so genannte Bionade-Biedermeier skeptisch gegenüber. Andererseits: Kann ein Viertel nicht auch profitieren von frischem Wind, kaufkräftiger Klientel und neuen Gesichtern? Wird eine Gegend wie das Bahnhofsviertel nicht lebendiger, familienfreundlicher, bunter? Ich bezweifle es, ehrlich gesagt. Denn häufig sorgt der Zuzug der Besserverdienenden schlicht für höhere Preise, die sich das angestammte Publikum nicht mehr leisten kann und wegziehen muss. Die Viertel werden somit gleichförmig, eintönig und austauschbar. Der ursprüngliche Charme, der ursprünglich mal der Grund war, warum man so gerne z.B. nach Berlin Friedrichshain, Frankfurter Nordend oder München Sendling gezogen ist, geht häufig verloren.

Dabei war das Bahnhofsviertel schon bunt, lange bevor die Boogaboo-Kinderwagen kamen: Hier gab es Sex und Drogen, Multikulti, Stoff- (höhö) und Pelzhändler, Freimaurer und die Nitribitt – und, ja, auch Kriminalität und jede Menge sozialer Probleme. Ich bin ja kein Sozialromantiker. Eben alles, was eine Stadt ausmacht – nur auf engstem Raum.

(Eine ZDF-Dokureihe über die Menschen im Bahnhofsviertel gibt sehr liebevolle aber nicht romantisierende Einblicke. Und eine spannende ARD-Reportage hat mal die Geschichte der Kaiserstraße als Verbindung zwischen Bankenviertel und Hauptbahnhof aufgezeichnet. Selten habe ich gebannter vorm TV gesessen…)

Was ich am ursprünglichen Bahnhofsviertel so liebe, zeigt vielleicht diese itsy-bitsy Episode:

Auf Parkplatzsuche nach Feierabend, um meine Freundin M. im China-Restaurant “Jade” (ja, kommt gleich!) zu treffen, hat es mich in den etwas schäbigeren, schmuddeligeren Teil der Moselstraße verschlagen. Einzig freier Parkplatz: Direkt vor dem Eingang einer neonbeleuchteten Peep Show. Super! Nach unserem Abendessen (bitte noch etwas Geduld, es ist gleich soweit) und auf dem Weg zum Wagen, habe ich gesehen, dass sich ein Fahrer schwer tat, in die kleine Lücke hinter meinem Auto zu kommen. Gleich zwei etwas halbseiden wirkende Koberer halfen ihm durch Handzeichen und viel Tam-Tam.  Ich also schnell hin: “Moment, ich fahr’ doch eh weg, dann habt ihr’s leichter!”. Die drei schweren Jungs: beeindruckt und scheinbar nicht gewohnt, dass eine Frau aus einem offensichtlich anderen Gewerbe nicht einfach nur mit gesenktem Blick vorbei geht, sondern Hilfe anbietet. Zum Lohn wurde ich jetzt meinerseits mit viel Gestikuliere und Galanterie aus der Parklücke gewunken, der durchfahrende Verkehr theatralisch zurückgehalten, um mich rauszulassen. Und für einen Plausch reichte es auch noch. Koberer: “Kommst aus Minga?” (das Nummernschild entlarvt mich derzeit noch) Ich: “Jo, scho!” Darauf folgte ein netter Plausch über woher und wohin, wo gewohnt und warum weggezogen, München vs. Frankfurt - alles, während das Nachtleben im Rotlichtviertel weiterlief. Zum Abschied noch ein hinterher gewunkenes: “Komm gut heim!”, begleitet von einem “Gebt’s a Ruh!” zu den hupenden Wagen hinter mir.

Ich hoffe sehr, dass auch dieser weniger vorzeigbare und nicht in das Bankfurt-Image der Stadt passende Teil des Bahnhofsviertels nicht schon bald Tagescafés, Designer-Kinder-Boutiquen und Elektro-Bike-Shops weichen muss. Frankfurt wäre um mindestens eine Facette ärmer…

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He, das musste mal raus! Und wer jetzt neugierig geworden ist, der geht einfach selber mal hin. Gucken und staunen. Und setzt sich bei schönem Wetter auf die langen und wackligen, bunt gedeckten Tische (mit Kleenex-Box statt Servietten) aufm Bürgersteig vor das “Jade (Magic Wok)” (Moselstraße 25):

Nicht zu verwechseln mit dem Laden gegenüber, der dummerweise AUCH “Jade (Asian Food)” heißt:

Zu viel Kreativität bei der Namensfindung kann man den Betreibern jedenfalls nicht vorwerfen. Also: Das grüne Schild führt Euch aber zum RICHTIGEN Lokal.

Hier dann bitte auch die richtige Karte bestellen. Nicht das in Plastik gebundene Touristen-Teil, sondern einfach nach der “anderen Karte” fragen. Oder der “chinesischen Karte“. Die ist hellblau und aus dicker Pappe. Und darin befinden sich laut meiner Freundin M., der Weltreisenden, ECHTE chinesische Gerichte, die so schmecken wie in China oder zumindest in Chinatown in San Francisco. Dazu ordert man Jasmin Tee oder den herrlich erfrischenden hausgemachten Ice Tea.

Am besten verschiedenste Gerichte aussuchen und miteinander teilen. Hier kann man dann noch mal entscheiden zwischen kleineren und größeren Portionen. Je nachdem, ob einer alleine oder mehrere mitessen möchten. Wir hatten

Seetang-Suppe mit Tintenfischbällchen und Wan-Tans. Dampfend, würzig, fischig, unfassbar gut. Ein echter Gesundbrunnen. Außerdem:

Wasserspinat mit frittiertem Knoblauch, Chili und Bohnensauce. Knackig, frisch, wahnsinnig aromatisch.

Frittierte Tintenfisch-Tulpen mit Szechuan-Pfeffer und Chili. So knusprig (außen) und wunderbar zart (innen). Eines der leckersten Gerichte, das ich je gegessen habe. Ich bin süchtig!

Danach kommt auf Kosten des Hauses noch ein kleiner Nachtisch und etwas Obst. Trotzdem wollten wir noch nicht gehen. Es war warm, wir konnten Leute gucken und alte Geschichten austauschen, neue erzählen und über den Wandel des Viertels philosophieren, in dem wir damals gemeinsam bei meinem “ersten Inder” waren, als es noch anders aussah links und rechts der Kaiserstraße.

Und so viel Philosophie macht hungrig. Wer ständig Essensgerüche von den Nachbartischen in der Nase hat, bestellt sich halt nach dem Nachtisch noch einen Teller gebratene Nudeln mit Sea Food und verlässt satt, glücklich und mit einem wunderbar warmen “homecoming”-Gefühl das “Jade”. (Beim nächsten Mal folge ich noch mal M.s Tipp und probiere den chinesischen gedämpften Fisch, der zum Tagespreis frisch auf den Tisch kommt!)

Ach ja, für all das Essen und Trinken haben wir an dem Abend insgesamt etwa 45 Euro bezahlt. Wer weiß, wie lange man solche Perlen noch findet im heiß geliebten Bahnhofsviertel?

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Auch wenn man als “Saupreiß” ab und zu mal den Kopf schüttelt über bajuwarisches Brauchtum, Sprache und Kleidungsstil, werde ich nie bestreiten, dass ich meine Dekade in München sehr genossen habe. Ich finde es wunderschön, dass ich an mindestens 2 Flecken (mit dem angeheirateten Düsseldorf sogar an dreien!) eine Heimat habe. Und völlig zu recht gibt es für das Wort Heimat eigentlich keinen Plural, denn “home is where the heart is” und das kann sich auch über die ganze Welt erstrecken.

Natürlich gehört für mich zum Heimat-Gefühl auch Essen und Trinken dazu. Und so wie ich in München mit Grüner Soße und Äppelwoi ein bisschen hessische Heimat nach Bayern geholt habe, war mir neulich einfach nach einem “Stückerl Minga” am Main. Was passt da besser als Obazda – die würzige Käsecreme, die in keinem Biergarten, auf keinem Brotzeittisch fehlen darf? (Zudem gab es einen schönen Anlass, weil ich mit den Kollegen auf meine Rückkehr ins Rhein-Main-Gebiet anstoßen konnte!)

Jetzt gibt es aber für Obazda ungefähr 1 Million Rezepte und einen Glaubenskrieg zwischen Vertretern der beiden Fraktionen “Da muss unbedingt Bier rein”- und “Kruxifix, niemals Bier!”. Weil mir Bier insgesamt sympathisch ist und es in Bayern zu den Grundnahrungsmitteln gehört (die Mitarbeiter der Augustiner-Brauerei sollen als Teil ihres Lohns immer noch regelmäßig ihre Ration Helles bekommen, falls das keine Urban Legend ist), habe ich mich für die Bier-Variante entschieden.

Für eine große Portion, die für Gäste reicht oder auch noch am nächsten Tag schmecken soll, braucht man:

500 gr Camembert (ich hatte “Rügener Badejunge”, 60% – das ist zwar nicht sehr bayerisch, hat aber trotzdem gut geschmeckt. Wichtig ist, dass der Camembert nicht zu mager ist!)

250 gr Frischkäse

80 gr Butter

1 feingehackte mittelgroße Zwiebel

4 EL Bier

Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Kümmel (ganz)

zur Deko: Schnittlauchröllchen

Zubereitung:

Am besten holt Ihr Camembert und Butter schon mal aus dem Kühlschrank, während Ihr die Zwiebel hackt. Je weicher die Zutaten, desto leichter lassen sie sich mit der Gabel zerdrücken. Jedenfalls werden Camembert, Butter und Frischkäse mit einer Gabel zerdrückt und anschließend mit den anderen Zutaten vermischt. Paprikapulver kann man ordentlich dranhauen, damit das Ganze auch eine schöne Farbe erhält. Ist die Masse zu fest, einfach noch einen Schluck Bier dranmachen. Ist sie zu flüssig, muss leider noch mehr Camembert dran. Wer mag, kann zum Schluss noch etwas Schnittlauch drüber geben.

Dazu passt natürlich frisches Laugengebäck oder ein paar Cracker, Salzstangen oder ähnliches. Mit einem Bund Radieschen oder frisch aufgeschnittenem Radi (Rettich) ist die Brotzeit perfekt!

Um die Frage mit dem Bier zu klären, habe ich einen Blick in ein Kochbuch aus dem Münzberg-Verlag geworfen, das uns liebe Freunde geschenkt haben. Es enthält wirklich ALLE Klassiker der Wirtshaus-Küche und Biergarten-Kultur und gibt amüsante, interessane Einblicke in Herkunft, Sprache und Tradition.

Wahrscheinlich kommt es jetzt etwas häufiger zum Einsatz als während unserer Münchner Zeit ;-) Und weil es bisher eher selten hervorgezogen wurde, ist es mein Beitrag zum Blog-Event DKduW vom Foodfreak:


 

Und mit welchem Gericht weckt Ihr Heimat-Gefühle oder stillt das Heimweh?

 

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