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Archive for the ‘vegetarisch’ Category

Ich liebe es Gewürzmischungen frisch herzustellen. Wenn ich mir den Turban zurechtrücke und in meiner imaginären Maharadscha-Küche eine kulinarische Reise nach Indien antrete, ist der Mörser permanent im Einsatz, um frische oder getrocknete Gewürze – angeröstet oder nicht – zu einer geschmacksexplosionsartigen Mischung oder einer Paste zu mischen.

Manchmal muss es aber auch bei mir ein bisschen schneller gehen. Dann greife ich gerne auf meine hausgemachten Gewürzmischungen zurück, die sich in einem dunklen Glas auch so gut einige Wochen halten, ohne an Aroma zu verlieren. So habe ich beispielsweise immer zur Hand das scharfe Madras Curry, das rauchigere Ceylon Curry oder das warme Garam Masala.

Seit einigen Wochen habe ich mir aber noch eine weitere Gewürzmischung zusammengestellt:

Die hausgemachte Chili-Gewürzmischung für alle Fälle!

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Für etwa 75 gr dieser scharf-heißen Gewürzmischung benötigt Ihr:

Scharfes Chilipulver

Salz

getrockneten Oregano

Kreuzkümmel

getrocknete Knoblauchflocken

Zwiebelsamen (schwarz)

rosenscharfes Paprikapulver

Salz, Chili und Kreuzkümmel sollten den Hauptanteil liefern. Alle anderen Zutaten könnt Ihr je nach Gusto dosieren. Bloß nicht zu dogmatisch sein!

Und jetzt? Alle Zutaten in einem Mixer (oder dem Mörser) zermahlen, bis sie gut miteinander vermischt sind.

Wozu passt es? Ich nehme die Gewürzmischung natürlich für mein Chili con Carne. Ihr könnt zusammen mit etwas Olivenöl daraus aber auch ein Rub für Grillfleisch machen. Oder eine Prise über Bratkartoffeln geben. Oder einem Frischkäse einen ordentlichen Kick geben. Oder einem Pizzasugo ordentlich einheizen. Oder…

Obers trifft Sahne wollte wissen “Und wie würzt Du?” Deshalb ist das hier mein Beitrag zum gleichnamigen Blogevent.

 

 

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Wie? Guacamole gibt’s noch nicht im Blog? Höchstens mal in Nebensätzen. Aber so richtig als Star im Rampenlicht stand sie bisher noch nicht. Dabei ist sie doch so hübsch!

Guacamole

Meine Guacamole-Erweckung hatte ich Dank meiner Cousine, die uns vor etwa – moment, ich muss rechnen – 25 Jahren (oh Gott!) mal zum Grillen mit einer hausgemachten Guacamole beglückt hat. Ich hatte vorher nie etwas Vergleichbares gegessen. Dieser absolut einzigartige Geschmack. Dazu die Konsistenz. Zusammen mit leicht geröstetem Weißbrot oder natürlich mit Nacho-Chips (gab es die schon vor 25 Jahren?) macht sie mich einfach sehr, sehr glücklich!

Sie passt auch herrlich zum Chili con Carne oder zu Gegrilltem.

Wie mache ich die Guacamole?

2 reife Avocado

1 gestrichener TL Salz

1/2 TL scharfes Chilipulver

frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

1/2 TL gemahlener Kreuzkümmel

1/2 TL scharfes Paprikapulver

2-3 EL Zitronensaft

1/2 Zehe Knoblauch, gequetscht

Einige Spritzer Tabasco

Die Mengenangaben sind Circa-Angaben. Wer es weniger scharf mag, lässt den Tabasco weg. Wer es salziger mag, nimmt mehr Salz usw. Klaro, oder?

Avocado halbieren, Kern entfernen und das Fruchtfleisch aus der Schale kratzen. Alle Zutaten in einen hohen Becher füllen und pürieren. Oder, wenn Ihr es stückiger mögt, mit einer stabilen Gabel alles zusammen in einer flachen Schüssel zerquetschen. Wer mag, würfelt noch eine Tomate darunter.

Guacamole mag längst zum Standard-Repertoire auf jedem Party-Buffet gehören. Aber mich erinnert sie immer an dieses aller erste Mal. Und wenn ich so ein sanftes, grünes Schälchen vor mir habe (der bEdW HASST Avocados!), muss ich es einfach wegessen! Wie gut, dass die Avocado auch noch gesund ist ;-)

PS: Vergesst den Schmarrn mit dem Kern. Das hilft NULL gegen das Verfärben. Zumindest bei mir. Am besten vor dem Servieren noch mal gut umrühren oder gleich nach Zubereitung essen. Ansonsten wird die G. halt einfach etwas bräunlich. Dem Geschmack tut das keinen Abbruch!

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Der September war schon als Kind einer meiner Lieblingsmonate: Wir sind durch die Felder gestreift und haben  Pflaumen und Äpfel geklaut gepflückt, die Luft war noch warm, die Tage lang genug, um bis zum Abendessen draußen sein zu können und das neue Schuljahr war noch jung genug, um noch keinen Schrecken zu haben.

Ach, September. Auch heute liebe ich Dich noch! Warum? Erich Kästner hat es in seinem Gedicht “September” so herrlich zusammengefasst:

“(…) Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld. (…)”

September heißt für mich: Zwetschgen Pflaumen Quetschekuchen! Was es mit dem besten Pflaumenkuchen der Welt auf sich hat und warum die Rechnung heißt “Oma: 3750 vs. Julia: 10″ lest Ihr hier.

Aber was wäre ein Klassiker, wenn man ihn nicht ab und an abwandeln würde?

Deshalb gab es ihn zur Feier der Pflaumen-, Kastanien- und Apfelsaison bei herrlichstem Spätsommerwetter mit gehackten Mandeln und Whisky-Sahne:

Processed with Rookie

Den Pflaumenkuchen habe ich wie immer gebacken (Rezept hier) und etwa 10 min vor Schluss einige grob gehackte Mandeln auf den Kuchen gegeben.

Für die Whisky-Sahne etwa 200ml Sahne, 1TL Puderzucker, 1 Prise Salz und 1cl Whisky mit dem Handquirl steif schlagen.

Am besten die Sahne zum noch lauwarmen Kuchen servieren!

Lauwarmer Pflaumenkuchen vom Blech, serviert in der Wohnküche meiner Oma, dazu Kaffee aus dem Blümchengeschirr – das ist eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen.

Und nach denen fragte Sandra From Snugg’s Kitchen in ihrem Blog-Event “Kindheitserinnerungen”. Danke, Sandra, für den “Reminder”! Ich freue mich schon auf die Zusammenfassung des Events. Denn ich lese für mein Leben gern über Essen aus Kindertagen, das viele Foodblogger erst zum Kochen und Genießen (und Bloggen) gebracht hat! (So kam auch mein Kartoffelsalat-Event zustande!)

Kindheitserinnerungen

 

 

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Die Pflaumen sind reif. Und wenn die Wespen uns noch etwas übrig lassen, schnappt Euch welche und macht backt Zwetschgenkuchen, esst sie pur oder kocht Euch ein dickes, mulmiges Pflaumenchutney!

Ihr wisst ja vielleicht, dass ich ein Chutney-Fan bin und schon viele Varianten verbloggt habe! Das Letzte habe ich allerdings zur Rhabarber-Zeit gemacht, was schon wieder viel zu lange her ist. Denn Chutneys sind eine tolle Möglichkeit Früchte haltbar zu machen – auch wenn man KEIN Süßfrühstücker Marmeladen-Fan ist!

An’s Chutney-Kochen habe ich irgendwie die letzten Monate nicht gedacht. Zu viel um die Ohren!

Aber dann habe ich im grandiosen neuen Kochbuch “Das Küchentagebuch. Mit 250 Rezepten durch das Jahr” von Nigel Slater geschmökert. Dass ich ein Slater-Fan bin, wisst Ihr ja vielleicht. Im Blog gab’s schon so Einiges von ihm nachgekocht. Ich mag seine unprätentiöse Art, seine Bescheidenheit (“I’m not a Chef, I’m a Cook”) und viele seiner Rezepte. Im “Küchentagebuch” teilt er seine Aufzeichungen über’s Jahr (zusammengefasst aus vielen Jahren) mit seinen Lesern und will explizit inspirieren als belehren. Wie sympathisch! Wer gerne Rezepten einen eigenen Stempel aufdrückt und nicht sklavisch an Buchstaben klebt, dabei auch noch ein bisschen schmökern mag, dem sei das “Küchentagebuch” ans Herz gelegt.

Aber was hat das jetzt mit Chutney zu tun? Also: Besonders angetan hat’s mir unter dem Datum 30. August folgender Satz: “Meine bunt leuchtenden Einmachgläser entstammen nicht dem Bedarf, eine Überfülle haltbar zu machen oder schleifchenverzierte Geschenke für meine Freunde herzustellen, sondern dem Wunsch nach ein, zwei Löffeln hausgemachtem Relish zu einem Stück Käse und einem Brocken Brot.

“Schleifchenverzierte Geschenke” – I love it! Das dann im Buch folgende Chutney besteht zwar aus Feigen und ist völlig anders zubereitet als meines. Aber ein fruchtig, dunkles Chutney wollte ich auch haben. Also gab es eines aus Pflaumen und Cranberries:

Processed with Rookie

Für 2 Gläser a 250ml benötigt Ihr folgende Zutaten:

etwa 10-15 reife Pflaumen, entsteint und grob gewürfelt

etwa 100 gr getrocknete Cranberries

1 rote Zwiebel, gehackt

1 Vogelaugenchili, gehackt

1 cm Ingwer, geschält und fein gehackt oder gerieben

1/2 Knoblauchzehe, fein gehackt

1 EL Garam Masala (nach diesem Rezept oder aus dem Asia-Laden)

Muscovadozucker (etwa 3 EL – oder nach Geschmack)

Portwein (etwa 0,1l – oder nach Geschmack)

Rotweinessig (etwa 6 EL – oder nach Geschmack)

1 EL neutrales Pflanzenöl

2 gestrichene TL Salz

1 Sternanis

Zubehör: Großer Topf, 2 Schraubgläser

Zubereitungszeit: ca 30-45 min)

So geht’s:

Öl im Topf erhitzen. Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Chili darin andünsten. 1 EL Muscovadozucker hinzugeben, umrühren, bis die Zwiebeln glasig werden. Garam Masala hinzugeben und andünsten, bis die Aromen in der Nase kitzeln. Pflaumen und Cranberries hinzugeben und leicht köcheln lassen, bis Saft austritt. Nun Port und Rotweinessig sowie den restlichen Zucker und das Salz unterrühren. Sternanis hinzugeben. Mit geschlossenem Deckel sanft köcheln lassen. Dabei immer mal umrühren und abschmecken. Je nach Säure/Süße der Früchte müsst Ihr mit etwas Zucker oder Essig nachjustieren. Beim Chutney kommt es weniger auf strenge Mengenangaben an als auf Euren persönlichen Geschmack.

Wenn die Pflaumen schön zerkocht sind, Deckel abheben und gegebenenfalls noch etwas Flüssigkeit einreduzieren lassen. Final abschmecken und anschließend in sterile Schraubgläser geben. Voll befüllen, zuschrauben und auf den Kopf stellen.

Abkühlen lassen und an einem dunklen Ort aufbewahren. Angebrochene Gläser halten im Kühlschrank noch etwa 14 Tage.

Das Pflaumenchutney schmeckt köstlich zu reifem Käse aber auch zu Braten, trockenen Lammcurries oder orientalischen Reisgerichten.

Kennt Ihr eigentlich Claudias Blog Geschmeidige Köstlichkeiten? Darin widmet sie ihre Rezepte Menschen, die beispielsweise wegen einer Krankheit nicht so selbstverständlich schlucken können wie gesunde Menschen. Sei es durch Schlaganfall, Zahn- oder Kieferprobleme oder Karzinome im Mund- und Rachenbereich. Da ich selbst mehrere Male in meinem Leben am Kieferknochen operiert wurde und tagelang nur Suppen, Joghurts und – im besten Fall – Kartoffelbrei zu mir nehmen konnte, unterstütze ich mit meinem Chutney gerne ihr Blog-Event “Smooth Food” als Gastgeberin bei Zorra.

Blog-Event CI - Smooth food, geschmeidig und genussvoll! (Einsendeschluss 15. September 2014)

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Claudia von Dinner um Acht lädt zum Kochen auf der Buchmesse ein. Gastland auf meiner Lieblingsmesse ist in diesem Jahr Finnland. Glücklicherweise heißt das Thema aber nicht “koch’ irgendwas mit Lakritz” sondern “Wir kochen mit Wodka”! Dazu fällt mir doch viel eher was ein! *hicks*

Erst recht, wenn man auf dem Markt so herrliche “Suppen-Tomaten” bekommt. Diese sind aus der Region, waren besonders reif und buntgemischt durch alle Sorten.

Tomaten

Mir scheint, die Gemüseanbauer schwimmen aktuell in Tomaten. Deshalb bekommt man so zwei dicke Kilo “Suppentomaten” (vollreif, teilweise etwas angedellt) schon für verhältnismäßig kleines Geld. Fragt auf dem Markt doch mal nach. Gerade gegen Ende des Markttages sind viele Händler froh, wenn sie das nicht mehr perfekte Gemüse noch losbekommen. Und für Suppen, Saucen, Ketchup & Co stören kleine Macken an den Tomaten überhaupt nicht!

Mein Plan war ja aber ein anderer: Ich wollte ein kühles, wackeliges, Wodka-haltiges, fruchtig-süß-säuerliches Tomaten-Jelly machen. Voilà! Hier ist es:

Tomatengelee

Für 4 Cupcake-Förmchen und ein Glas mit ca. 250ml Fassungsvermögen benötigt Ihr:

1kg reife, saftige Tomaten (fragt Euren Händler nach Suppen- oder Saucentomaten. Im Gegensatz zu Salattomaten sind sie weicher und geben mehr Saft ab)

1 EL Tomatenmark

1 Zwiebel, gehackt

1 Lorbeerblatt

1 Vogelaugenchili

Zucker

Salz

1 EL Olivenöl

7 Blatt Gelatine oder vegetarisches Geliermittel

3 cl Wodka

1 Messerspitze Piment d’espelette

Blättchen von 3 Stengeln kleinblättrigem Basilikum

Zubehör: ein großer, ein mittlerer Topf, ein großes Sieb, Stampfer oder breiter Löffel zum Passieren, 4 Cupcakeförmchen (z.B. aus Silikon; alternativ: Espressotassen oder Dessertgläser), 1 Glas mit 250 ml, Schälchen zum Einweichen der Gelatine

Zubereitungszeit: 30-45 min, Abkühlen und Festwerden dauern mind. 2 Stunden (gelingsicher ist es über Nacht!)

(Weil es auf der Buchmesse schneller gehen muss: Die Flüssigkeit in eine kalte, flache Form gießen und in eine Wanne mit Eiswasser stellen. Immer mal leicht rühren, damit die Wärme sich nicht in der Mitte staut. Aus der Masse lassen sich dann Nocken abstechen oder Ihr füllt sie in ein kleines Schälchen…)

Und so geht’s:

In dem großen Topf das Öl erhitzen und die gehackte Zwiebel darin glasig dünsten. Das Tomatenmark und die Vogelaugenchili leicht anrösten. Zuckern und unterrühren. Tomaten grob stückeln und in den Topf geben. Gut umrühren. Zucker, Salz und Piment d’esepelette drangeben und etwa 15 min bei mittlerer Hitze köcheln lassen.

Wenn die Tomaten schön viel Saft gezogen haben, durch das Sieb passieren und den Saft im kleineren Topf auffangen. Bei mir ergab das etwa 600 ml Saft. Jetzt den Wodka und die Basilikumblättchen unterrühren.

Die Gelatineblätter in Wasser einweichen, ausdrücken und unter den noch warmen Saft rühren, bis sie vollständig aufgelöst ist. (Wenn Ihr Gelatinepulver oder ein anderes Geliermittel verwendet, bitte die Packungsangaben beachten!)

Nun die Flüssigkeit in die Förmchen gießen, abkühlen lassen und anschließend in den Kühlschrank stellen.

Das Gelieren dauert mehrere Stunden.

Zum Servieren aus dem Kühlschrank holen und auf einen Teller stürzen. Bei Silikonförmchen funktioniert das ohne Verluste. Eine Probe-Espressotasse hat sich ziemlich angestellt, bis ich sie mal in warmes Wasser gestellt habe und am Rand mit einem dünnen, scharfen Messer entlanggefahren bin. Richtig überzeugt haben mich aber nur die Förmchen aus Silikon.

Dazu passt leicht getoastetes Baguette sowie Salat!

Fertig ist eine sehr leichte, aber raffinierte Vorspeise, die sich auch prima – etwa aus dem Marmeladenglas gelöffelt – zu Käse macht oder als Aufstrich für Pan Catalan

Und keine Sorge, wenn die Masse nicht richtig fest wird. Dann serviert ihr sie einfach als kühlen, fruchtig-tomatigen Wodka-Dip zu Weißbrot und Käse ;-)

 

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Die besonders hübschen Food-Blogs Moment in a Jelly Jar und Cook ‘n’ Roll wollen Rezepte aus den 50ern.  Und sofort denken wir an Elvis, Petticoats, Polkadots, Buddy Holly und Milkshakes.

Dabei ist unser Bild geprägt von amerikanischen Filmen und der Musik der Zeit. Aber wie sahen die 50er eigentlich hier bei uns aus? In einem zerbombten Land, in dem Trümmerfrauen nicht nur den Schutt wegräumen, sondern auch die Familie ernähren und den Vater ersetzen mussten, der gefallen war. Viele hatten auch gar keine Gewissheit über den Verbleib ihrer Lieben. Ausgemergelte Männer kamen noch bis weit in die 50er aus der Gefangenschaft zurück – oft zu traumatisiert oder versehrt, um im Alltag wieder mit anpacken zu können.

Auch das häufig zitierte “Wirtschaftswunder” setzte erst Ende des Jahrzehnts ein. Anfangs waren Lebensmittel noch rationiert. Zwar gab es wieder Auslagen in den Geschäften. Doch durch die neue Währung war häufig kein Geld vorhanden, um die Waren auch zu kaufen. Wer auf dem Land lebte, hatte vielleicht noch etwas mehr Glück: Hühner, Schweine, Gemüsebeete halfen dabei, den täglichen Bedarf zu decken. Das höre ich zumindest immer wieder heraus, wenn meine Familie von dieser Zeit erzählt. Aber einfach war es nicht. Und in Saus und Braus lebte kaum jemand. Wenn ich alte Familienfotos aus dieser Zeit sehe, waren die Menschen schmal, abgearbeitet, froh am Leben zu sein nach den grauenvollen Kriegsjahren. Aber Cognacschwenker, Fernseher, Petticoats – das kannten die Menschen in meinem Heimatdorf eher aus dem Kino als aus dem echten Leben.

Nur eines stimmt an meiner Aufzählung oben: Elvis! Denn der King kam 1958 nach Hessen! Im Rahmen seines Militärdienstes war er in Bad Nauheim stationiert und brachte junge Hessinnen in Wallungen. Eine Stele erinnert dort heute an den berühmtesten GI der Welt, auf Stadtführungen können Fans die einzelnen Stationen abgehen und das European Elvis Festival sorgt für Rock ‘n’ Roll-Stimmung in der kleinen hessischen Kurstadt! Wer mehr darüber erfahren möchte, klickt einfach mal hier rein.

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Der Beweis: Elvis war in Wiesbaden!

Was aber die wenigsten wissen: Angeblich hat Elvis in meiner jetzigen Heimatstadt Wiesbaden seine große Liebe Priscilla kennengelernt! Hammer! Glaubt Ihr nicht? Angeblich wohnte die Gute mit ihren Eltern im Hotel Helene an der Sonnenberger Straße. Das klingt doch ganz glaubwürdig, oder? Mehr zu Mondscheinsparziergängen im Kurpark (meine Laufstrecke!) auf der offiziellen Website der Stadt.

Aber zurück zu den kulinarischen 50ern! Das Jahrzehnt startete einfach, bescheiden, ohne Überfluss oder gar große Exotik. Wer Eier hatte, Butter, Obst zum Einkochen und ab und an vielleicht sogar etwas Fleisch, konnte sich glücklich schätzen. Geschlachtet wurde im Hof und man verwendete alles (!) vom Tier. Schwarzbrüh, eine Suppe mit Schweineblut, war nichts Ekliges sondern ein Festmahl. Gleichzeitig eröffneten die Alliierten neue Welten: Meine Eltern schwärmen heute noch von Kaugummis und Schokolade, die ihnen von GIs zugesteckt wurden.

Hosen aus alten Soldatenmänteln statt Blue Jeans, Selbstgenähte oder -gestrickte Unterwäsche statt schwingender Petticoats, Butterbrot statt Schweinsbraten – so sah es in den 50ern wohl häufig aus.

Und deshalb gibt es bei mir auch keine glitzernden Cupcakes oder Süßkram mit Polkadots sondern eine Reminiszens an die Menschen dieser Zeit, die erst langsam wieder in die Normalität zurückfanden: Eiersalat!

Tartar_Ei_RadieschenErinnert Ihr Euch noch an Eiersalat? Der stand in meiner Kindheit gerne mayonnaisig und schon leicht angetrocknet auf Buffets. Manchmal enthielt er Mandarinen-Scheiben aus der Dose oder ähnlich perverses Zeug. Er schmeckte eigentlich genauso absurd wie Hühnchen-Salat (mit Mandarinen und Mayo) oder Nudelsalat (mit Mandarinen, Erbsen und Mayo) oder Krabbensalat (mit Mandarinen, Mayo und einem extravaganten Spritzer Sherry!).

Mit Eiersalat kann man mich also jagen. Eigentlich. Aber heute kommen Mandarinen nicht mehr aus der Dose. Ebensowenig wie Champignon-Köpfe oder grüner Spargel! (Die “Gnade der späten Geburt” bekommt da plötzlich eine ganz neue Bedeutung). Der Eiersalat des 21. Jahrhunderts kommt viel leichter und frischer daher. Und weil er so lecker ist, steht er nicht lang rum und trocknet nicht an!

Zutaten für den Eiersalat des 21. Jahrhunderts:

2 hartgekochte Eier

4 große Radieschen

etwas Radieschenblattgrün

1 EL Pimpinelle-Blättchen

4 Blätter Borretsch

100 gr Joghurt

1 TL Honig

1 TL mittelscharfer Senf

Salz

weißer Pfeffer

Prise Zucker

Zutaten: Scharfes Messer, kleiner Topf zum Eierkochen, Küchenbrett, eine mittelgroße sowie eine kleine Schale.

Zubereitungszeit: 8 min für die Eier, 15 min Zubereitung. Ggf. 30 min Zeit zum Durchziehen.

So geht’s:

Eier hartkochen, Radieschen waschen und fein würfeln, Pimpinelleblättchen vom Stengel zupfen, Borretsch fein hacken.

Eier schälen, abkühlen lassen und fein würfeln. Alles in die mittelgroße Schale geben.

Joghurt, Senf, Honig und Gewürze in der kleinen Schale glatt rühren und über den Salat geben.

Gut vermischen, etwas durchziehen lassen (dabei kühl stellen).

Vor dem Servieren Salat aus dem Kühlschrank nehmen.

Dazu passen gut Roggenbrötchen. Diese halbieren und antoasten, Eier-Radieschen-Tartar darauf verteilen und servieren.

Processed with RookieEinfache Zutaten, ein klassisches Rezept und ein bisschen moderne Frische – fertig ist mein köstliches 50er-Jahre-Rezept!

Und damit Ihr mal seht, dass die 50er in Wiesbaden immer noch gelebt werden, habe ich einen weiteren Klassiker fotografiert. Also quasi zwei Klassiker: Käsewürfel auf einem original Nierentischchen!

50er

 Herzlichen Dank für das tolle Blog-Event an die beiden Ausrichterinnen! Die kleine Zeitreise und die Recherche über meine Heimat haben mir viel Spaß gemacht!

 

 

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Die Tomaten sind reif! Was für ein Hochgenuss, sie einfach auf einem guten Sauerteigbrot zu essen. Mit etwas angemachten Zwiebelchen – quasi der “Musik” – ist es NOCH köstlicher.

Tomatenbrot

Zutaten:

1 Scheibe Sauerteigbrot, dick geschnitten

Salzbutter

1 große San Marzano Tomate (oder andere reife Tomatensorte)

1 kleine Schalotte

1 TL kleinblättriges Basilikum

1 EL Olivenöl

1 TL Sherryessig

eine Prise Zucker

eine Prise Salz

schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen

Dafür braucht Ihr keine Anleitung:

Brot großzügig mit Butter schmieren, Tomatenscheiben auflegen und alle weiteren Zutaten zu einer Marinade mixen. Über das Tomatenbrot geben und servieren.

 

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