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Archive for the ‘Wein’ Category

“Hallo, ich heiße Julia und ich bin süchtig nach Käse!” – “Hallo, Julia!”

So oder so ähnlich könnte das ablaufen in meiner imaginären Selbsthilfegruppe der Anonymen Käsesüchtigen. Aber das würde ja auch bedeuten, dass man ein ernsthaftes Problem mit seiner Sucht hat. Nur: Ich will mich doch gar nicht kurieren lassen. Denn Käse ist für mich ein Lebenselexier, ein Luxusgut, ein Grundnahrungsmittel, ein Hochgenuss. Und außer, dass man zunimmt und viel, viel Geld an seinen Dealer weiterreicht, entsteht kein großer Schaden. Noch (!) jedenfalls stehe ich nicht vor Grundschulen, um kleine Kinder mit Käse zu versorgen, auf dass sie später große Käseabhängige werden wie ich.

Ein Running Gag zwischen dem bEdW und mir ist aber, dass “ein Käsebrot” mittlerweile ein Synonym für so alles ist, wonach mir der Zahn tropft. Wird im Radio dazu aufgerufen, das schönste Sonntagskuchenrezept zu teilen, frage ich ihn: “Darf ich da anrufen und “Käsebrot” sagen?”. Wenn er mich fragt, was er am Wochenende mal kochen soll, sage ich: “Käsebrot!”. Geht es um sündhaftteure Zutaten, die um die halbe Welt fliegen und mit Gold aufgewogen werden, zucke ich nur die Schultern und schmier’ mir…? Genau! Ein Käsebrot.

Mein liebstes Besteck ist deshalb auch mein kleines Käsemesser, das eigentlich Teil eines Dessert-Bestecks ist und das ich vor vielen, vielen Jahren als Kinder-Besteck benutzt habe (natürlich mit Gabel!). Es ist das untere auf dem Bild – im Vergleich habe ich die beiden Messer des “Erwachsenen”-Bestecks dazu gelegt:

Messer

Das Besteck ist ein versilbertes von Christoffle und begleitet mich seit ich denken (bzw. mit Messer und Gabel essen) kann. Die “große” Variante habe ich zum 10. Geburtstag bekommen. Seitdem ist das Set fester Bestandteil meines Haushalts. Meine Schwester hat das gleiche Besteck – allerdings nicht die Dessert-Variante, so viel ich weiß.

Das kleine Dessert-Besteck ist einfach perfekt für Käse, Frischkäse-Cremes, Chutneys, Obst – also alles, was bei mir gerne als Zwischenmahlzeit oder zum Abschluss eines schönen Essens auf den Tisch kommt. Das Messer ist jedenfalls permanent im Einsatz, da ich IMMER Käse im Haus habe. Und es erinnert mich an meine Kindheit. Was gibt es Schöneres? Ein Käsebrot und ein Glas Kakao sind übrigens eine meiner ersten “Food”-Erinnerungen! Brot, Butter (!), Camembert (von der Käserei Champignon! Ich Kind der 70er!), kalte Milch vom Bauernhof (für 50 Pfennig/Liter und in der Milchkanne nach Hause geholt!) mit Kaba (Sag ich doch: 70er!!). Industriekäse, Milch direkt vom Euter, zuckerhaltiger Kakao – und wir haben trotzdem überlebt!

Deshalb, und weil ich während eines zweiwöchigen Malediven-Urlaubs mal fast durchgedreht bin, weil es dort (natürlich! Wo soll der herkommen?) keinen Käse zu essen gab, ist der bEdW jetzt immer sehr beruhigt, wenn ich auf Reisen meinen Käse-Pegel halten kann.

Und so sind wir an einen Nachmittag während unseres Südafrika-Urlaubs auf der Fairview Farm & Winery und dem dazugehörigen Restaurant The Goatshed bei Paarl gelandet, wo ich mich in Käse suhlen Käse genießen konnte, der einfach nur köstlich war.

Die Ziegen der Farm haben’s wunderbar und dürfen sogar in einem Rapunzel-Türmchen wohnen, auf den sie – Bergziegen! – außen über eine Leiter klettern.

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The Goatshed Fairview hat ein schönes, uriges Restaurant mit lauschiger Terrasse und  blanken Holztischen. Innen kann man an einem Verkaufstresen das selbst gebackene Brot auch mit nach Hause nehmen kann. Das Back-Team wird von einem schwedischen Bäcker geschult und macht wirklich einen tollen Job :) Aber am besten ist der Käse, der einem Junkie wie mir die Tränen in die Augen treibt:

Foto (10)

Man kann nämlich einfach ankreuzen, welche der 25 eigenen Käsesorten man testen mag (die Käsesorten sind auf der Rückseite beschrieben) und bekommt dann ein hübsches Brettchen, viel Brot, etwas Marmelade und herzige Fähnchen zur besseren Zuordnung der Käse serviert. Geht es besser?

goatshed

Natürlich gibt es noch anderes zu essen (wozu??): Salate, belegte Panini, Forellen Quiche, Springbok… Jedem Gericht ist eine Weinempfehlung zugeordnet. Denn Wein gibt es natürlich auch auf der Farm. (Hallo?!?! Wir sind in den Winelands!) Käse und Wein ist ja nicht immer ganz einfach. Aber der Fairview Chardonnay hat mir sehr gut geschmeckt zu meiner Auswahl. Die freundlichen Kellner beraten aber auch gerne oder bieten mal einen Probierschluck an.

Überhaupt: Wer so gestärkt eine ordentliche Grundlage im Magen hat, kann sich direkt vom Restaurant zum Winetasting begeben, das nebenan möglich ist. Hier kann einerseits Käse und andere Produkte der Farm gekauft werden – oder eben Wein. Leider ist es etwas schwieriger, Wein aus Südafrika mitzubringen als aus der Toskana. Aber wir waren mit Blick auf Konto und unseren Platz im Keller ganz froh darüber… So haben wir den Wein einfach vor Ort genossen und freuen uns darauf zurück zu kommen nach Südafrika. Nach Paarl. Zu The Goatshed auf der Fairview Farm.

Sollten wir noch mal die südafrikanischen Winelands bereisen, nehme ich definitiv mein kleines Käsemesser mit, um mich bei The Goatshed Fairview mit Käse einzudecken, zwei bis drei Flaschen Wein zu kaufen und im Feriendomizil dann standesgemäß genießen zu können. Und so ist das mein Beitrag zu Peters originellem Blog-Event:

Blogevent Auf Messers Schneide

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Ich kam auf die Idee zu diesem Blog-Event, als ich neulich mein erstes Boeuf Stroganoff gemacht habe – leichter, feiner und appetitlicher, als ich es aus frühen Kindheitstagen in Erinnerung hatte.

Dabei fiel mir auf, dass es viele beliebte und über Generationen weitergetragene Rezepte gibt, an die wir uns zwar gerne erinnern, die wir heute aber doch anders zubereiten würden. So mache ich beispielsweise deutlich weniger saure Sahne an die Frankfurter Grie Soß als meine Großmutter und ersetze einen Gutteil mit Joghurt. Für den hessischen Kartoffelsalat nehme ich als Bouillon keine gekörnte Brühe aus dem Glas, sondern selbstgemachte Gemüse- oder Rinderbrühe usw.

Das alles ist keine Kritik an früheren Generationen, sondern eine Weiterentwicklung. Denn Geschmäcker ändern sich, das Bewusstsein für „gute“ oder „schlechte“ Nahrungsmittel wächst, eigene Vorlieben kristallisieren sich heraus, Allergien und Abneigungen tauchen auf, Familien müssen einen Konsens schaffen („MEINE Mutter macht das Gulasch aber GANZ ANDERS als Deine!!!“) und last but not least sitzen wir heute fast nur noch vor dem Computer und arbeiten nicht mehr stundenlang auf dem Feld.

So fand sich im Dr. Oetker-Schulkochbuch meiner Mutter aus den späten 50er Jahren noch der Hinweis, dass die Hausfrau (!) ihrem Mann abends doch bitte ein kalorienreiches (!!) Mahl auftischen möge, damit der schwer arbeitende Kerl seine Reserven wieder auffüllen kann. Heute heißt es dann eher: „Du, lass uns heute Abend lieber was Leichtes machen. Die Hose kneift schon wieder.“

Trotzdem träumen wir von den Gerichten unserer Kindheit, wollen aber gleichzeitig weder Maggi, noch Fondor oder Mehlschwitze verwenden. Oder wir wagen uns an ein Gericht, das wir immer eklig fanden (Mehlschwitzeblumenkohlauflaufmitschinkenwürfelnundkäse), und packen es in ein modernes Gewand, das uns heute besser gefällt. Ich träume beispielsweise von einem wirklich delikaten Jägerschnitzel, schmackhaften Kasspatzen ohne Pappe-Effekt, einem schnellen Käsefondue für 2 oder einer weniger fetten Variante vom Frankfurter Kranz!

Nachdem ich also über mein Boeuf Stroganoff nachgedacht habe, möchte ich Euch nun dazu einladen, Eure Klassiker aus Kindheitstagen, Eure Familienrezepte und altbekannten Standards aus dem Schulkochbuch zu entstauben und moderne Varianten zu schaffen.

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Vielleicht macht Ihr Euch zu einem gemütlichen TV-Abend ja ein ganz raffiniertes Popcorn? Oder Euch fällt ein exotisches Topping für die altbekannte Kartoffelsuppe ein? Wie machen junge Eltern heute den Nachkriegs-Kuchen und Kindergeburtstagsliebling „Kalter Hund“? Sind Bratkartoffeln mit Dickmilch als schneller Sattmacher ausgestorben? Und wo, bitteschön, finde ich heute überhaupt noch Dickmilch???

Habt Ihr Lust mitzumachen? Dann freue ich mich auf Eure Teilnahme!

Hier ein paar Spielregeln:

  • Mitmachen kann jeder, der einen Blog betreibt. Das muss natürlich kein Foodblog sein.
  • Euer Beitrag muss thematisch das Thema „Entstaubte Klassiker“ kulinarisch aufgreifen. Ansonsten gibt es keine inhaltlichen Vorgaben. Denkt gerne auch “um die Ecke”. Ich mag das und lasse mich gerne überraschen, wie Ihr das Thema interpretiert.
  • Postet Euren Artikel bitte bis zum 6.12., 23:59 Uhr, auf Eurem Blog.
  • Ihr könnt – müsst aber nicht – den reizenden Banner (s.o.) von Stefanie Bamberg verwenden. (Danke, Stefanie!) Dazu das Bild kopieren und als Bild in Euren Artikel oder – falls Ihr mögt – in Eure Sidebar einfügen. Ihr könnt aber auch einfach den nachstehenden Code kopieren (Danke, Sandra!): <a href=”http://germanabendbrot.wordpress.com/2013/11/04/mein-allererstes-blog-event-entstaubte-klassiker-ein-kleines-dankeschon/” title=”Blogevent Entstaubte Klassiker”><img src=” http://germanabendbrot.files.wordpress.com/2013/11/event.jpg?w=500” /></a>
  • Verlinkt in Eurem Beitrag bitte zu diesem Artikel hier, damit Eure Leser auch die anderen Beiträge des Events entdecken können.
  • Hinterlasst dann bitte den Link zu Eurem Beitrag unter diesem Post als Kommentar oder schickt mir eine E-Mail an germanabendbrot(at)gmx(punkt)de
  • Da in der großen weiten Foodblogger-Community selten jemand als einziges eine gute Idee hat, erteile ich pro Blog eine Wildcard: Ich dürft (zusätzlich oder als einzigen Beitrag) EIN Rezept aus Eurem Archiv verwenden. Schreibt aber dann bitte einen kurzen neuen Beitrag zu dem „alten“ Rezept, damit Ihr auf diesen Post hier verlinken könnt und Eure Leser erfahren, worum es geht. Eine lange Liste mit uralten Links macht niemandem Spaß…
  • Mit Eurem Beitrag räumt Ihr mir das Recht ein, Eure Rezepte (inkl. Bild) in einem zusammenfassenden Blog-Post zu veröffentlichen. Außerdem werde ich auf das Event, Eure Beiträge und die Zusammenfassung via Facebook und Twitter hinweisen.
  • Eine FB-Veranstaltung gibt es zu dem Event hier.

Seit über drei Jahren ist meine kleine Fressseite, das German Abendbrot, nun schon online. Viel Exotisches habe ich in dieser Zeit gekocht, viele Familienrezepte mit Euch geteilt, Neues ausprobiert, Bewährtes aus der Versenkung geholt, manche Schreibkrisen überwunden, vor allem aber jede Menge Spaß gehabt. Ich habe einige meiner Leser persönlich kennenlernen dürfen, habe viel Rat, Anregung und Unterstützung erfahren und mich gut vernetzen können. Das alles möchte ich nicht mehr missen. Und dafür möchte ich Euch, meinen Lesern, von Herzen danken!

Deshalb verlose ich unter allen teilnehmenden Bloggern ein paar zum Klassiker-Thema passende „Dankeschöns“, die ich für Euch zusammengesucht und aufgetrieben habe:

  • Klassiker zum Trinken 1-3: Auch Weine, Trauben oder Anbauregionen leiden manchmal unter einem verstaubten Image. Dass dies aber oft zu Unrecht der Fall ist, dürfen drei glückliche Gewinner selbst er”schmecken”. Riesling, Blaufränkisch oder Grüner Veltliner – ganz ohne Muff und von jungen Winzern teilweise neu interpretiert – zusammengestellt von ninetyninebottles in drei tollen Wein-Paketen:
  1. Paket “Deutschland, Österreich, Spanien”: Insg. 4 Flaschen plus 20€ Gutschein zum Einkauf bei ninetyninebottles.de. Paket-Inhalt: Freudenspiel Riesling Sekt, Robert Weil Riesling trocken, Esterhazy Blaufränkisch, Altos Tempranillo
  2. Paket “Österreich & Deutschland”: Insg. 3 Flaschen, Paket-Inhalt: Hand in Hand Spätburgunder, Grüner Veltliner Edelweiss, Feen und Elfen Riesling
  3. Paket “Frankreich”: Einmal eine Flasche Chateau Saint Paul Medoc

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  • Klassiker zum Trinken (alkoholfrei): Wir entstauben die Trinkschokolade und rühren statt Nesquick und Kaba eine feine Trinkschokolade von Rausch in unsere Milch: Plantagen-Schokolade Puerto Cabello aus Venezuela mit 43% Kakao-Anteil.
  • Klassiker für die Küche: Küchengeräte müssen nicht langweilig sein. Auch wenn es sich um einen klassischen Schäler handelt. Der Schäler von Normann Copenhagen jedenfalls ist sowas von stylish. Den würd’ ich glatt behalten!
  • Klassiker aus Fleisch & Blut: Wenn jemand weiß, wie man als Klassiker frisch & knackig bleibt, dann das “Playmate des Jahrhunderts” Gitta Saxx. Denn sie gehört zu den wenigen Frauen, die über Jahrzehnte in der Branche erfolgreich sind. (Ich hab’ doch gesagt, ich mag es, wenn wir auch mal um die Ecke denken ;-) ) Tipps verrät sie in ihrem Buch (Verlag edition a) “Jungbleiben für Anfänger”. Wer weiß, vielleicht können wir ja noch etwas lernen von Frau Saxx?

Teilnahmebedingungen:

Jeder innerhalb der Laufzeit des Events teilnehmende Blog landet automatisch im Lostopf. Über die Gewinne entscheidet die Glücksfee (in Gestalt des bEdW) per Auslosung nach Beendigung des Events. Wenn Ihr nicht an der Verlosung teilnehmen möchtet, schreibt das in Eurem Kommentar/Eurer Mail bitte dazu! Die Gewinner/innen werden per Mail benachrichtigt und in der Zusammenfassung hier im Blog genannt.

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Ich danke den Firmen ninetyninebottles, Rausch, Bleywaren und dem Verlag edition a sowie deren Agenturen für die freundliche Unterstützung.

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War’s das jetzt, Sommer?

Gehst Du nach dem letzten Aufbäumen Anfang September nun endgültig? Ich merk’ doch, dass Du auf dem Absprung bist: Morgens ist es schon wieder dunkler, der Nebel hängt über Stadt und Feld, die Tage werden merklich kürzer…

Ich mag Dich ja, Herbst. Aber Du, lieber Sommer, könntest schon noch ein bissl bleiben.

Was sagst Du? Du bist müde und hast Dich verausgabt?

Warte mal! Ich füll’ mir einfach ein bisschen was von Dir ins Glas, schließe die Augen und träume noch ein wenig von unserer schönen gemeinsamen Zeit – am Rheinufer, auf der Terrasse, mit Grillduft in der Nase, Sonne in den Wimpern und auf den Wellen…

Danke, lieber Sommer. Es war wunderbar mit Dir. Wir sehen uns im nächsten Jahr! Aber dann bitte nicht wieder so spät, gell?

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Ach, sei doch nicht eingeschnappt, lieber Herbst. Du bist mir doch auch willkommen. Mit Deinen bunten Farben, der Lese in den Weinbergen, mit Maroni und Flammkuchen, traumhaften Sonnenaufgängen, raschelnden Spaziergängen, fleißigen Igeln und Eichhörnchen, leuchtenden Äpfeln, Abenden voller rotweinseliger Gespräche. Komm ruhig rein, lieber Herbst, setz’ Dich schon mal. Wir haben uns viel zu erzählen…

Die Rheinperle von Max Schunke: Riesling, in der Pfalz gewachsen, im Rheingau (in Rüdesheim) mit Kohlensäure versetzt. Dieser Perlwein ist purer Sommer im Glas und schmeckt auch statt Federweißer zu Herbstgerichten. Nicht so schaumig wie Sekt, sondern eher wie eine Weißweinschorle. Spritzig, frisch – und (wie schon die Vulkanblüte) mit einem wunderhübschen Etikett. (7,90€/Flasche bei Ninetyninebottles)

Hinweis: Der Wein wurde mir von Ninetyninebottles zur Verkostung zur Verfügung gestellt. Dies dient ausschließlich der Information meiner Leser. Ich verfolge damit keine finanziellen Interessen und nehme auch nicht an Affiliate-Programmen teil.

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Keine weiteren Worte notwendig…

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Ihr habt mir zum dritten Bloggeburtstag so viele wunderbare Dinge in die Kommentare geschrieben. Ich war sehr gerührt und habe mich über jeden einzelnen Beitrag sehr gefreut! DANKE!

Es gab aber trotz allem “Bleib, wie Du bist!” auch einige Anregungen. Etwa von Stefanie vom Blog Genusssucht: Mehr Weintipps, mehr Lokalkolorit. Könnt Ihr haben :)

Ich hab’ da auch gleich was für Euch. Ihr erratet es nie:

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Nein, diese Terrasse liegt nicht auf den Hügeln vor Florenz. Und Ihr könnt Euch noch so anstrengen – die Kuppel des Doms von Siena werdet Ihr am Horizont auch nicht entdecken.

Ein klein bisschen weiter rechts, unten im Tal fließen auch weder Arno noch Tiber, sondern das gute alte Väterchen Rhein.

Und statt 8 Stunden Fahrt und  langen Wartezeiten am Brenner brauchen wir auf dem Weg zu dieser Terrasse von uns aus keine 10 Minuten.

Das nenne ich Glück! Oder besser: Weingut Höhn.

Durch einen Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sind wir auf das Weingut in der Nachbarschaft aufmerksam geworden. Denn vermutet hätten wir im Neubaugebiet auf dem Wiesbadener Freudenberg alles nur keine Gutsschänke!

Mittwoch bis Sonntag (und an Feiertagen) von 16 bis 24 Uhr kann man hier herzhaft regional essen (der Spundekäs’ ist hausgemacht und einer der besten in der Region!) und natürlich auch die hauseigenen Weine genießen. Erst vor zehn Jahren sind die Höhns auf den Freudenberg gezogen. Deswegen ist die Gutsschänke auch erfrischend modern, offen, mediterran eingerichtet und weniger piefig, holzgetäfelt als viele andere im Rheingau. (Kann da bitte mal frischer Wind durch’s Mittelrheintal fegen?)

Wer “nur” Weine verkosten und einkaufen möchte, kann das in der Vinothek Montag bis Freitag zwischen 17 und 19 Uhr, oder samstags zwischen 10 und 14 Uhr.

Seit 2010 ist das Weingut Mitglied de rUmweltallianz Hessen und nach EcoStep zertifiziert.

Was uns besonders gefallen hat (außer dem Blick! Hatte ich den schon erwähnt?), war die Bandbreite der Weine: Zwar gibt es natürlich (!) Riesling und Spätburgunder. Die Familie Höhn baut aber auch – untypisch für den Rheingau – Chardonnay und Sauvignon Blanc an, unsere absolute Lieblingstraube!

Angebaut in der Weinlage Schiersteiner Hölle, kann der Sauvignon Blanc locker mit seinen Brüdern und Schwestern aus Frankreich mithalten. Er ist vielleicht weniger stachelbeerig und ist etwas weicher in der Säure. Aber dafür, dass er quasi aus unserem Vorgarten stammt und nicht von der Loire, hat er uns ausgezeichnet geschmeckt (Flasche je 6,50€).

Eine Flasche Weißburgunder wartet noch darauf geöffnet zu werden. Aber vielleicht verkoste ich auch erstmal ein Glas davon vor Ort bei einer Portion Spundekäs’ – und genieße den Blick, während ich die Wochen bis zum nächsten Toskana-Urlaub zähle…

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Strawberrys cherries and an angel´s kiss in spring, my summer wine is really made from all these things…

Während Nancy Sinatra noch vor sich hin trällert (über die Version des Songs von Ville Valo und Natalia Avelon breiten wir bitte den Mantel des Schweigens!), trinken der bEdW und ich schon mal ein Fläschchen Sommerwein:

Ich gestehe: Ich bin durchaus anfällig für hübsche Weinetiketten. Was sich die Önologe Max Schunke und das Weingut Kiefer da ausgedacht/beim Grafiker in Auftrag gegeben haben, gefällt jedenfalls sehr und macht sich herrlich als beschlagene Flasche im Weinkühler auf dem Balkontisch, der schon für den Grillabend gedeckt ist.

Aber neben einem hübschen Äußeren hat uns auch der Wein gefallen: richtig trocken und fruchtig, ohne hervorstechende Säure und mit mineralischem Geschmack auf der Zunge. Der Name des Weins kommt ja nicht von ungefähr: Die Vulkanblüte ist ein Hinweis auf das vulkanische Gestein, auf dem der Weissburgunder wächst. Auf dem Vulkangestein liegt dann noch mal eine Lehm- und Kalkschicht. Dazu das fast schon mediterrane Klima am Kaiserstuhl und fertig ist der Sommerwein (wenn es so einfach wäre ;-)). Man schmeckt die Sonne und den kalkigen Boden bei jedem Schluck.

Der Wein passt unserer Meinung nach – gut gekühlt! – besonders gut zu Fisch und Meeresfrüchten, die auf dem Grill ein bisschen Aroma angenommen haben. Aber auch Hühnchen oder Schwein sowie Gemüse vom Grill sind tolle Begleiter zur Vulkanblüte (hmmm… sollte Wein nicht Begleiter zum Essen sein? Ich mach’ mir langsam Gedanken…).

Die Vulkanblüte ist u.a. bei Hawesko für 7,80€/Flasche erhältlich. Der Journalist und Weinreporter Mario Scheuermann trinkt ihn übrigens zum Matjes, wie er hier verraten hat.

Weine vom Weingut Kiefer sind auch im Direktbezug ein Schlückchen wert (Weintipp hier ).

Warum passt die Vulkanblüte zum Thema der Weinrallye “Urlaubsweine”? Weil man als Daheimgebliebene für faires Geld einen schönen, spritzigen Wein bekommt, der den Urlaub auf “Balkonien” verschönt oder der Urlaubsrückkehrern den Start in den Alltag etwas erleichtert, wenn abends eine gut gekühlte Flasche auf sie wartet. Last but not least dürfen Menschen ohne Schulkinder Urlaub außerhalb der Schulferien buchen und kommen erst im nächsten Toskana-Urlaub dazu, einen echten Weinurlaub zu machen ;-) Was wir dort so treiben, habe ich Euch hier schon mal erzählt. Mehr dazu also dann voraussichtlich im Herbst an dieser Stelle.

Die Vulkanblüte ist mein Beitrag zur diesmonatigen Weinrallye #65, ausgerichtet vom Blog Wein-Reich. Die Weinrallye ist ein derzeit monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderes Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Allgemeine Informationen findet man leicht auf den entsprechenden Seiten von Thomas Lippert beim Winzerblog. Auf Twitter und Facebook findet Ihr weitere Beiträge unter dem Hashtag #Weinrallye. Bei der Weinrallye darf jeder mitmachen, egal ob Weinblogger oder nicht. Auch Nichtbloggern bieten die Gastgeber immer die Möglichkeit ihre Beiträge auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Wer gerne einmal selbst als Autor/Themengeber mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye Seite bei mixxt (Registrierung erforderlich).

 

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Hinweis: Der Wein wurde mir von Hawesko zur Verkostung zur Verfügung gestellt. Dies dient ausschließlich der Information meiner Leser. Ich verfolge damit keine finanziellen Interessen und nehme auch nicht an Affiliate-Programmen teil.

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Natürlich, Salade de lentilles vertes klingt ja viel romantischer als der deutsche Titel. Aber ein wirkliches Gedicht ist sowieso der Geschmack!

Die dunkelgrünen Puy-Linsen haben ein nussiges, linsiges Aroma, das mich glatt aus den Schuhen gehauen hat! Außerdem sind die kleinen Teufelsdinger schön bissfest und kein bisschen mehlig. Hätten die Puy-Linsen eine Facebook-Fanpage, bekämen sie von mir glatt ein “like”!

Mein Faible für die Provence habe ich neulich schon mal hier beschrieben und gleich noch einen Lesetipp für den Sommer abgegeben. Da konnte ich natürlich auch nicht nein sagen, als der Kosmos-Verlag mir das Kochbuch “Die Landküche der Provence” zur Rezension angeboten hat. Eine ausführliche Besprechung des Buchs gibt es nächste Woche bei der Blogger-Themenwoche “Jeden Tag ein Buch”.

Der Linsensalat mit Ziegenkäse aus diesem Buch war ein echtes Highlight. Er hat uns auch 2-3 Tage später noch gut geschmeckt und ist unkompliziert zuzubereiten. Für’s Picknick, als Büro-Mahlzeit, zu Gegrilltem oder pur ist er das perfekte Gericht für das Fernweh-Blog-Event von Penne im Topf:

Hier auf dem (unhübschen) Foto noch ohne Ziegenkäse. Braune Linsen sehen halt eher so lala aus. Aber im Mund gibt’s dafür eine Aroma-Explosion. Puy-Linsen gibt es jetzt öfter bei uns!

Zutaten für 2 Personen als üppige Beilage:

100 gr Puy-Linsen (Bio-Ecke im Supermarkt oder Bio-Laden)

1 Lorbeerblatt

1 kleine Möhre

100 gr Cocktailtomaten

2 Frühlingszwiebeln

etwas Thymian

8 Blätter Basilikum

4 Stengel Petersilie

1/2 kleiner Bund Schnittlauch

2 EL Weißweinessig

Salz, Pfeffer

1 Knoblauchzehe

3 EL Olivenöl

100 gr Ziegenfrischkäse

So lange dauert’s: insgesamt etwa 50 Minuten, davon 20 min Garzeit der Linsen

Ihr braucht: 1 Topf für die Linsen, eine Salatschale

Dazu passt: NATÜRLICH ein Wein aus der Provence – etwa einen Rosé aus dem Luberon (z.B. bei Jacques’). Oder dieser Sauvignon Blanc Les Nuages von der Loire (Hawesko, 7,90/Fl)

Baguette braucht Ihr keines zum Salat. Die Linsen machen unfassbar satt.

So geht’s: Linsen waschen, abtropfen und in einem Topf mit Wasser bedeckt und mit dem Lorbeerblatt bei kleiner Hitze gar kochen (Packungshinweis beachten – dauert ca. 20 min). Möhre Schälen und in Streifen schneiden. Tomaten vierteln. Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Kräuter waschen, trockentupfen und fein hacken.

Die gegarten Linsen in ein Sieb gießen und gut abtropfen lassen. Lorbeerblatt entfernen. Linsen mit dem geschnippelten Gemüse in der Salatschale vermischen. Essig, Salz und Pfeffer verrühren, Knoblauchzehe hineinpressen und alles mit dem Öl gut verkleppern. Unter die Linsen mischen und zum Schluss den Ziegenkäse darüberbröseln.

Voilà! Lasst es Euch schmecken, schließt die Augen und träumt Euch in die Provence…

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Die Spargelsaison geht in den Endspurt. Also haben wir uns an dieses Rezept erinnert, leicht abgewandelt und dazu zwei Goldforellenfilets in die Pfanne geworfen:

Für den frischen Spargelsalat braucht Ihr folgende Zutaten:

12 Stangen Spargel (ca. 600 gr)

2 hartgekochte Eier

1 mittelgroße, festfleischige Tomate

3 Stängel Zitronenthymian

3 EL Weißweinessig

6 EL Olivenöl

weißer Pfeffer

Salz

Prise Zucker

Zitronensaft

Zubehör: Pürierstab, Spargeltopf, Salatschüssel

Zubereitungszeit: 15 Minuten

So geht’s:

Spargelstangen schälen. Wasser für den Spargeltopf mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzen und zum Kochen bringen. Spargel in das kochende Wasser geben und – je nach Dicke der Stangen – ca. 7 min kochen. Währendessen die Eier schälen, einen Dotter zur Seite legen, den Rest kleinhacken. Thymianblättchen abzupfen. Tomate entkernen und kleinhacken. Für das Dressing den Ei-Dotter, Weißweinessig, Salz, Pfeffer, Zucker mit dem Pürierstab vermixen. Thymianblättchen unterheben. Wenn der Spargel gut ist, in ca. 2-3 cm lange Stücke schneiden und leicht abkühlen lassen. Mit dem gehackten Ei und den Tomatenwürfeln vermischen. Dressing darübergeben und einige Minuten durchziehen lassen.

Die Goldforellenfilets haben wir abgewaschen, trockengetupft und in einer beschichteten Pfanne mit Olivenöl und einer Knoblauchzehe von beiden Seiten gebraten. Zum Finish gab es das Limetten-Chili-Salz dazu.

Zusammen mit kleinen, neuen Kartoffeln ein wunderbar leichtes Sommergericht!

Dazu hat uns ein Sauvignon Blanc von der Loire geschmeckt, den es für 7,90€ bei Hawesko gibt.

Vorne seht Ihr das frisch zusammengemischte Limetten-Chili-Salz, das uns diesen Sommer nicht mehr ausgehen darf!

Noch kurz ein paar Worte zum Fisch: Die Goldforellenfilets stammen aus der Reihe “Gourmetfilets” von der Deutschen See und wurden mir zum Test zur Verfügung gestellt. Die Forellen werden im bayerischen Königssee gezüchtet, der – wir haben ja nicht weit davon entfernt gelebt und kennen den Ruf des Gewässers – als besonders klar und sauber gilt.  Die Filets sind entgrätet und noch mit Haut. Eine Packung mit 2 einzeln verpackten Filets enthält insgesamt ca. 220 Gramm. Der Fisch war im Geschmack sehr gut und im Aussehen einwandfrei. Leider mussten wir vorab aber noch einige Gräten entfernen, was ich bei einem Produkt der Premiumklasse eigentlich anders erwartet hätte.

Und noch ein PS: Peggy von multikulinarisch.es hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Rezept super zum Jahres-Event Süßwasserfisch passt. Da hat sie natürlich recht, weshalb ich sehr gerne zum Event verlinke. Denn da finden sich schon ganz tolle Rezepte aus vielen, spannenden Blogs zu allen möglichen Süßwasserfischen. Danke, Peggy, für den Reminder!

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‘n echter Klassiker und bekannt aus sämtlichen Gaststätten an der Nordsee. Wer aber im Rheingau lebt und nicht mal schnell Seeluft schnuppern kann, muss sich das See-Feeling eben in die Pfanne holen.

Krabben selber puhlen, der Geruch gebratenen Fischs, der aus der Küche auf die Terrasse zieht, frische, goldgelbe Kartoffeln – das gehört als Erinnerung zu allen Nordseeurlauben. Und davon gab es in meiner Kindheit jede Menge.

Dieser Teller ist deshalb für mich Kindheits-Sommerferien-Feelgood-Glück pur:

Zutaten:

2 große Schollenfilets

100 gr Nordseekrabben ohne Schale

1/2 Bund Dill

1 Schluck trockener Weißwein

1 kleine Zwiebel, fein gehackt

1 TL Senf

3 EL Sahne

Salz, Pfeffer

1 Prise Zucker

etwas Muskat

Abrieb von 1/2 Bio-Zitrone

Kartoffeln

Spargel

1 Spritzer Zitronensaft

etwas Mehl

3 EL Butter

Zubehör: Pfanne, 2 Töpfe (ggf. 1 Spargeltopf)

Zubereitungszeit: ca 45 min

So geht’s:

Kartoffeln putzen und ggf. schälen. Junge Kartoffeln schmecken mit Schale besonders lecker – und es spart Zeit. Spargel schälen. Kartoffeln in leicht gesalzenes Wasser geben. Spargeltopf mit etwas Wasser füllen, mit Salz, Pfeffer und Zitrone würzen. Wasser zum Kochen bringen und den geschälten Spargel hineingeben. Schollen abwaschen, trockentupfen, in etwas Mehl wälzen und abklopfen.

1 EL Butter in einem Topf erhitzen, gehackte Zwiebel darin glasig garen. Mit Weißwein und Sahne ablöschen. Mit Salz, Pfeffer, Zitronenabrieb und Muskat würzen und bei kleiner Hitze einige Minuten köcheln lassen. Durch ein Sieb streichen und mit dem Senf vermischen. Mit Zucker abschmecken und auf kleiner Flamme warm halten.

1 EL Butter in der Pfanne erhitzen. Schollenfilets darin von beiden Seiten braten.

Wenn Kartoffeln und Spargel gar sind, die Nordseekrabben und den fein gehackten Dill unter die Sauce heben und kurz warm werden lassen. Eventuell mit dem Rest Butter binden.

Alles auf einem vorgewärmten Teller anrichten und mit einem Glas gut gekühltem Weißwein servieren.

Stichwort Weißwein: Das Weingut Kiefer ruft dazu auf, Lieblingsrezepte einzureichen, die zu ihrem Wein  “Mit den Wolken ziehen” passen. Die Cuvee aus Rivaner, Riesling und Sauvignon Blanc passt herrlich zu sommerlichen Gerichten und schmeckt auch zu einer Portion Pasta auf dem Balkon! (Passt dieser poetische Weinname nicht außerdem ganz wunderbar zu einem Nordsee-inspirierten Gericht?)

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Kennt Ihr den Geruch von in der Sommerhitze knisterndem Rosmarin? Oder den von einem Lavendelstrauch, über den Ihr mit einer trägen Hand streicht? Kennt Ihr das Knacken von Pinienzapfen und das müde Gluckern dösender Ringeltauben? Kennt Ihr das Gefühl, wenn schon das Umblättern einer Buchseite Schweiß auf die Oberlippe perlt?

All das ist für mich auf alle Zeit mit glühend heißen Sommern in Frankreich verbunden, von denen ich Euch schon erzählt habe. Vielleicht erinnert Ihr Euch an Monsieur Cherie und an Lambada an der Cote d’azur?

Rosmarin, auf den die Mittagshitze knallt, riecht tatsächlich, als würde gerade jemand mitten im Garten Ofenkartoffeln zubereiten. Natürlich nur, wenn man wie wir Ofenkartoffeln in der Mitte durchschneidet, mit Olivenöl beträufelt, grobes Meersalz darüberstreut und einige Nadeln Rosmarin mitgart. Jedesmal, wenn dann die Ofentür aufgeht, beamt es mich direkt zurück in die Sommerferien in Frankreich

Als Shermin in ihrem Magischen Kessel zum Blog-Event “Lesehunger” aufrief, hatte ich sofort die französischen Sommer mit all ihren kulinarischen Genüssen vor Augen und in der Nase. Und zu diesen Sommerferien gehört unweigerlich Marcel Pagnols Trilogie “Eine Kindheit in der Provence”.

Pagnol ist hierzulande immer noch ein Geheimtipp, wohingegen er in Frankreich zur Allgemeinbildung und zum Schulkanon gehört. Auf jeder Seite hört man die Ziegenglocken klimpern, riecht den Lavendel und sieht kleine Jungs mit kurzen Hosen und Baguette unterm Arm nach Hause rennen. Eine locker, leichte Sommerlektüre, die dahinplätschert und den faulen Leser, der im Halbschatten unter Pinienbäumen Siesta hält, nicht überfordert, aber doch bestens unterhält.

Wer noch eine richtige Sommerlektüre sucht, die charmant und liebevoll, aber keinesfalls banal geschrieben ist, der MUSS einfach zu Marcel Pagnol greifen. Dazu ein Pastis oder ein gut gekühlter Rosé, eine Runde Boule, etwas Baguette und Ziegenkäse. Kinder, was kann das Leben herrlich sein!

Aber essen müssen wir eben auch und deshalb gibt es hier das ultimative Sommer-Sonne-Kräuter-Ofenkartoffel-Mittelmeer-Gericht (inspiriert durch Lust auf Genuss, 12/12): Lammfilet mit Kräuterkruste, Ofengemüse und Beurre rouge!

(Wiedermal ein Teller, der beweist, dass wir wie die ausgehungerten Raubtiere an unser Essen stürzen und nicht lange am Teller rumschrauben…)

Zutaten für 2 hungrige Esser:

500 gr Lammrückenfilets

Olivenöl

Salz, Pfeffer

40 gr getrocknete Tomaten

2 Knoblauchzehen

75 gr Ziegenfrischkäse

1 Ei

40 gr Semmelbrösel

1 TL Kräuter der Provence

40 gr Parmesan oder französischer Hartkäse

100 gr Butter

1/2 Bund glatte Petersilie

2 Schalotten

200 ml Rotwein

50 ml Portwein

1 Zucchini

6 kleine, festkochende Kartoffeln

1 kleine Karotte

1 Paprika

eine Handvoll Zuckerschoten

1 rote Zwiebel

Rosmarinzweige

1 EL Senf

Prise Zucker

Zubehör: Brat- oder Grillpfanne, 2 Backbleche, kleiner Topf, 2 Bögen Backpapier

Zubereitungszeit: etwa 90 Minuten

So geht’s:

Lammfilets abwaschen, mit Küchenpapier trockentupfen, salzen, pfeffern. In der Bratpfanne etwas Olivenöl erhitzen und das Fleisch darin kurz auf allen Seiten scharf anbraten.

Tomaten und Knoblauch (geschält)  fein hacken und mit Ziegenfrischkäse, dem Ei, Semmelbröseln, und Kräutern der Provence vermischen, nicht zu stark salzen und pfeffern. Petersilie waschen, trocken tupfen, fein hacken und unter die Masse heben.

Butter würfeln und kalt stellen oder ins Gefrierfach schieben. Schalotten schälen und sehr fein würfeln. Zusammen mit dem Rotwein und dem Portwein aufkochen und köcheln lassen, bis die Flüssigkeit auf 3-4 EL reduziert ist.

Backofen auf 200 Grad vorheizen. Kartoffeln schälen und halbieren oder vierteln, Karotte putzen und in breite Scheiben schneiden, Paprika waschen, entkernen und in Rauten schneiden, rote Zwiebel schälen und vierteln oder achteln.

Eine Seite der Lammfilets jeweils mit Senf bestreichen. Kräuter-Ziegenkäse-Mischung auf jedem Filet verteilen und andrücken. Auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Blech legen und auf die zweite Schiene von oben schieben.

Gemüse in der Grillpfanne kurz anbraten, schwenken und dann ebenfalls auf ein Backblech mit Backpapier verteilen, salzen, pfeffern und Olivenöl darüber träufeln. Rosmarinzweige dazulegen. Auf die mittlere Schiene im Backofen schieben.

Nach etwa 10 Minuten (hängt von der Dicke der Lammfilets ab und wie rosa Ihr sie mögt) noch mal den Grill zuschalten und die Lammfilets für 1-2 Minuten überknuspern lassen. Dann herausnehmen und in Alufolie einschlagen, ruhen lassen.

Währendessen die Wein-Portwein-Zwiebel-Reduktion durch ein Sieb streichen udn aufkochen lassen. Die kalten Butterstückchen unterschlagen, salzen, pfeffern und mit Zucker abschmecken.

Backofen ausschalten, Gemüse herausnehmen und kurz Teller zum Vorwärmen auf ein Rost in den Backofen stellen.

Beurre rouge auf dem Teller verteilen, Gemüse dazugeben. Lamm in dicke Tranchen schneiden und auf dem Saucenspiegel anrichten.

Voila! Es riecht nach Provence, nach Mittelmeer – und aus dem Glas zwinkert uns die Toskana zu:

Der Chianti von 2010 stammt von Hawesko, ist aber leider mittlerweile ausverkauft. Ein Sangiovese ist jedenfalls ein herrlicher Begleiter zu diesem kräftig-kräuterigen Lammgericht, das an endlose Sommertage denken lässt – egal ob in Frankreich oder Italien.

Als Portwein hatten wir übrigens diesen hier im Topf:

Dieser samtig-kirschige Port stammt ebenfalls von Hawesko und ist noch zu haben. Er macht sich auch ganz wunderbar im Feigensößchen zum Ziegenkäsesoufflé, das Ihr vielleicht von hier noch in Erinnerung habt. Oder Ihr trinkt ihn pur und freut Euch über diesen luxuriösen Port, bis Ihr grüne Häschen seht ;-)

Herzlichen Dank an Shermin für dieses wunderschöne, außergewöhnliche Blogevent, das den Foodblogger in mir ebenso inspiriert hat wie den Literaturwissenschaftler. Ich freue mich schon auf die Zusammenfassung!!

Übrigens: 2008 gab es in der ZEIT mal einen Artikel über den “vergessenen Autoren” Marcel Pagnol mit der Überschrift Lavendelsätze, Aprikosenwörter. Klingt das nicht schon zum Reinbeißen?

 

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