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Posts Tagged ‘Toskana’

Kennt Ihr den Geruch von in der Sommerhitze knisterndem Rosmarin? Oder den von einem Lavendelstrauch, über den Ihr mit einer trägen Hand streicht? Kennt Ihr das Knacken von Pinienzapfen und das müde Gluckern dösender Ringeltauben? Kennt Ihr das Gefühl, wenn schon das Umblättern einer Buchseite Schweiß auf die Oberlippe perlt?

All das ist für mich auf alle Zeit mit glühend heißen Sommern in Frankreich verbunden, von denen ich Euch schon erzählt habe. Vielleicht erinnert Ihr Euch an Monsieur Cherie und an Lambada an der Cote d’azur?

Rosmarin, auf den die Mittagshitze knallt, riecht tatsächlich, als würde gerade jemand mitten im Garten Ofenkartoffeln zubereiten. Natürlich nur, wenn man wie wir Ofenkartoffeln in der Mitte durchschneidet, mit Olivenöl beträufelt, grobes Meersalz darüberstreut und einige Nadeln Rosmarin mitgart. Jedesmal, wenn dann die Ofentür aufgeht, beamt es mich direkt zurück in die Sommerferien in Frankreich

Als Shermin in ihrem Magischen Kessel zum Blog-Event “Lesehunger” aufrief, hatte ich sofort die französischen Sommer mit all ihren kulinarischen Genüssen vor Augen und in der Nase. Und zu diesen Sommerferien gehört unweigerlich Marcel Pagnols Trilogie “Eine Kindheit in der Provence”.

Pagnol ist hierzulande immer noch ein Geheimtipp, wohingegen er in Frankreich zur Allgemeinbildung und zum Schulkanon gehört. Auf jeder Seite hört man die Ziegenglocken klimpern, riecht den Lavendel und sieht kleine Jungs mit kurzen Hosen und Baguette unterm Arm nach Hause rennen. Eine locker, leichte Sommerlektüre, die dahinplätschert und den faulen Leser, der im Halbschatten unter Pinienbäumen Siesta hält, nicht überfordert, aber doch bestens unterhält.

Wer noch eine richtige Sommerlektüre sucht, die charmant und liebevoll, aber keinesfalls banal geschrieben ist, der MUSS einfach zu Marcel Pagnol greifen. Dazu ein Pastis oder ein gut gekühlter Rosé, eine Runde Boule, etwas Baguette und Ziegenkäse. Kinder, was kann das Leben herrlich sein!

Aber essen müssen wir eben auch und deshalb gibt es hier das ultimative Sommer-Sonne-Kräuter-Ofenkartoffel-Mittelmeer-Gericht (inspiriert durch Lust auf Genuss, 12/12): Lammfilet mit Kräuterkruste, Ofengemüse und Beurre rouge!

(Wiedermal ein Teller, der beweist, dass wir wie die ausgehungerten Raubtiere an unser Essen stürzen und nicht lange am Teller rumschrauben…)

Zutaten für 2 hungrige Esser:

500 gr Lammrückenfilets

Olivenöl

Salz, Pfeffer

40 gr getrocknete Tomaten

2 Knoblauchzehen

75 gr Ziegenfrischkäse

1 Ei

40 gr Semmelbrösel

1 TL Kräuter der Provence

40 gr Parmesan oder französischer Hartkäse

100 gr Butter

1/2 Bund glatte Petersilie

2 Schalotten

200 ml Rotwein

50 ml Portwein

1 Zucchini

6 kleine, festkochende Kartoffeln

1 kleine Karotte

1 Paprika

eine Handvoll Zuckerschoten

1 rote Zwiebel

Rosmarinzweige

1 EL Senf

Prise Zucker

Zubehör: Brat- oder Grillpfanne, 2 Backbleche, kleiner Topf, 2 Bögen Backpapier

Zubereitungszeit: etwa 90 Minuten

So geht’s:

Lammfilets abwaschen, mit Küchenpapier trockentupfen, salzen, pfeffern. In der Bratpfanne etwas Olivenöl erhitzen und das Fleisch darin kurz auf allen Seiten scharf anbraten.

Tomaten und Knoblauch (geschält)  fein hacken und mit Ziegenfrischkäse, dem Ei, Semmelbröseln, und Kräutern der Provence vermischen, nicht zu stark salzen und pfeffern. Petersilie waschen, trocken tupfen, fein hacken und unter die Masse heben.

Butter würfeln und kalt stellen oder ins Gefrierfach schieben. Schalotten schälen und sehr fein würfeln. Zusammen mit dem Rotwein und dem Portwein aufkochen und köcheln lassen, bis die Flüssigkeit auf 3-4 EL reduziert ist.

Backofen auf 200 Grad vorheizen. Kartoffeln schälen und halbieren oder vierteln, Karotte putzen und in breite Scheiben schneiden, Paprika waschen, entkernen und in Rauten schneiden, rote Zwiebel schälen und vierteln oder achteln.

Eine Seite der Lammfilets jeweils mit Senf bestreichen. Kräuter-Ziegenkäse-Mischung auf jedem Filet verteilen und andrücken. Auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Blech legen und auf die zweite Schiene von oben schieben.

Gemüse in der Grillpfanne kurz anbraten, schwenken und dann ebenfalls auf ein Backblech mit Backpapier verteilen, salzen, pfeffern und Olivenöl darüber träufeln. Rosmarinzweige dazulegen. Auf die mittlere Schiene im Backofen schieben.

Nach etwa 10 Minuten (hängt von der Dicke der Lammfilets ab und wie rosa Ihr sie mögt) noch mal den Grill zuschalten und die Lammfilets für 1-2 Minuten überknuspern lassen. Dann herausnehmen und in Alufolie einschlagen, ruhen lassen.

Währendessen die Wein-Portwein-Zwiebel-Reduktion durch ein Sieb streichen udn aufkochen lassen. Die kalten Butterstückchen unterschlagen, salzen, pfeffern und mit Zucker abschmecken.

Backofen ausschalten, Gemüse herausnehmen und kurz Teller zum Vorwärmen auf ein Rost in den Backofen stellen.

Beurre rouge auf dem Teller verteilen, Gemüse dazugeben. Lamm in dicke Tranchen schneiden und auf dem Saucenspiegel anrichten.

Voila! Es riecht nach Provence, nach Mittelmeer – und aus dem Glas zwinkert uns die Toskana zu:

Der Chianti von 2010 stammt von Hawesko, ist aber leider mittlerweile ausverkauft. Ein Sangiovese ist jedenfalls ein herrlicher Begleiter zu diesem kräftig-kräuterigen Lammgericht, das an endlose Sommertage denken lässt – egal ob in Frankreich oder Italien.

Als Portwein hatten wir übrigens diesen hier im Topf:

Dieser samtig-kirschige Port stammt ebenfalls von Hawesko und ist noch zu haben. Er macht sich auch ganz wunderbar im Feigensößchen zum Ziegenkäsesoufflé, das Ihr vielleicht von hier noch in Erinnerung habt. Oder Ihr trinkt ihn pur und freut Euch über diesen luxuriösen Port, bis Ihr grüne Häschen seht ;-)

Herzlichen Dank an Shermin für dieses wunderschöne, außergewöhnliche Blogevent, das den Foodblogger in mir ebenso inspiriert hat wie den Literaturwissenschaftler. Ich freue mich schon auf die Zusammenfassung!!

Übrigens: 2008 gab es in der ZEIT mal einen Artikel über den “vergessenen Autoren” Marcel Pagnol mit der Überschrift Lavendelsätze, Aprikosenwörter. Klingt das nicht schon zum Reinbeißen?

 

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Als ich anfing bewusst Wein zu trinken, habe ich versucht herauszufinden, welchen Trauben ich relativ blind vertrauen kann. Das heißt: Was kann ich im Weinhandel, im Supermarkt, beim Winzer greifen, ohne komplett enttäuscht zu werden. Die Erkenntnis dauerte ein bisschen. Weinverkostungen, Weinproben, Weinseminare – natürlich geht Probieren über Studieren. Manch eine Flasche hat also dran glauben müssen, bis in mir die Erkenntnis gereift ist: Es gibt Trauben, die haben ein Stein im Brett bei mir (Sangiovese, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon) und solche, die es eher schwer haben (Merlot, Spätburgunder, Chardonnay).

Was für ein Spaß also, dass zur Weinrallye #58 von Thomas uns seinem Winzerblog eine Flasche 2011 Chardonnay “unfiltered” vom Weingut Peth-Wetz bei mir eintraf von Beate E. Wimmer vom Genussnetzwerk VINALIA.

ChardonnayII

Beate gab mir den Tipp, den Chardonnay etwa eine Stunde atmen zu lassen und idealerweise zu hellem Fleisch, gerne mit Sauce, zu servieren. Am 2. Weihnachtsfeiertag war uns aber nicht mehr nach Kochen, weshalb in der Not der Wein auch ohne Essensbegleitung daher kommt. Wir waren extrem gespannt – wo wir doch beide eher skeptisch gegenüber Chardonnay sind.

Der Chardonnay hat eine tiefgelbe Farbe – fast schon harzig.

Chardonnay

Wahrlich kein Chardonnay-Fan habe ich selten einen so vielschichtigen, komplexen Weißwein getrunken, der mit jedem Schluck seinen Charakter verändert. Wir rochen Bananen und Vanille, schmeckten Röstaromen und Vanille, Melonen, Aprikosen. Dazu war der Chardonnay weniger “buttrig” als gewöhnlich, so dass er uns deutlich mehr begeisterte als gedacht. Das Barrique ist merklich und bleibt noch lange auf der Zunge. Sehr spannend, was sich da im Mund alles so abspielt!

Kein Wein zum schnellen Trinken oder als “Küchenwein” zum Kochen. Eher einer, der bewusst getrunken werden will und förmlich schreit nach einer Essensbegleitung. Aber weder hatten wir den empfohlenen Vitello Tonnato zur Hand noch die absolut perfekt passende Gänseleberterrine.

Also haben wir ihn mit verschiedenen Leckereien aus dem Kühlschrank ausprobiert:

Brot mit Salzbutter: eher weniger empfehlenswert.

Brot mit Kalbsleberwurst: ja, aber zu würzig. Gänseleber wäre süßlicher und somit passender!

Käse: süßlicher Blauschimmel passt, nicht zu cremiger Camembert auch. Ziegenfrischkäse geht gar nicht.

Der Gewinner heißt: Frischkäsepaste mit Mango und Chili vom Wiesbadener Wochenmarkt! Wer hätte das gedacht? Der kräftige, charakterstarke Chardonnay kann sowohl mit dem süßlichen Mangoaroma als auch mit der feinen Chilischärfe mithalten. Klasse!

Chardonnay aus Rheinhessen also. Hat unseren Horizont erweitert und wird definitiv nachgekauft. Denn er ist ein “perfect match” zu Lachs, Gegrilltem, Kalb oder Geflügel mit leichter Sahnesauce…

Das Weingut Peth-Wetz produziert erst seit zehn Jahren eigenen Wein. Und erst seit 1991 ist die Anpflanzung von Chardonnay überhaupt in der Region zugelassen. Dabei ist der kalkhaltige Boden rund um Bermersheim prädestiniert für die Traube, die vor allem im französischen Burgund aber auch in der “neuen Welt” (Kalifornien, Südafrika, Australien, Neuseeland) große Gewächse hervorbringt. Das junge Weingut verschreibt sich dem Motto “Dem Wein Zeit geben!” und setzt dabei auf das Entfernen doppelter Triebe und dem Entblättern der dichten Laubwand an den Rebstöcken, um für eine maximale Sonneneinstrahlung zu Sorgen. Dickere Schalen, abgehärtetere Trauben sind die Folge. Das ergibt mehr Sonne, mehr Alkohol, und – nach eigener Aussage – weniger Pflanzenschutzmittel.

Der 2011 Chardonnay unfiltered von Peth-Wetz hat 14,3 % Alkohol, was für einen besonders lustigen 2. Weihnachtstag gesorgt hat! Außerdem 5,4g/l Säure und 0,7g/l Restsüße. Unter anderem hier für 13,80€/Flasche erhältlich.

Herzlichen Dank an Beate von Vinalia für die Erweiterung meines Horizonts. Ich liebe es, wenn meine Vorurteile widerlegt werden! :)

Für die Weinrallye #58 hat sich Thomas vom Winzerblog was Besonderes ausgedacht, bevor er aufbricht zu neuen Ufern: eine “alkoholische Wichtel-Variante“! Was für eine tolle Idee! Denn es gab keinerlei Vorgaben, so dass heute sicherlich die unterschiedlichsten Weinverkostungsnotizen gepostet werden. Ich spreche sicherlich für die gesamte Community, wenn ich mich bei Thomas für sein Engagement bedanke und alles Gute für die Zukunft wünsche. Ich jedenfalls bin schon gespannt, wo er wieder auftaucht!

Im Wichtel-Austausch habe ich Dorothée von Bushcook’s Kitchen einen im letzten Toskana-Urlaub entdeckten und eigen-importierten Chianti “Il Doccione” vom Weingut La Croce der Fratelli Zari geschickt. Dazu habe ich hier zusammen mit einigen weiteren Toskana-Tipps und -Impressionen schon mal etwas geschrieben:

“Zwischen Castellina in Chianti und Poggibonsi liegt das Weingut La Croce der Fratelli Zari (…) Draußen dann unromantisch Stahltanks und landwirtschaftliches Gerät – aber sowas hält den “Profi” ja nicht ab. Zumal schon allerhand Italiener mit Plastikkanistern und großen Korbflaschen (!) ihren Einkauf erledigten – ein absolutes Gütezeichen. Denn die heimische Bevölkerung kauft keinen Mistwein. Wer mir nicht glaubt, muss mal bei Mellini drauf warten, bis ein “echter” Italiener vorbeikommt… Also: Rein in den Verkaufsraum, Weine getestet, mit gebrochenem Italienisch klar gemacht: Wir sind im Himmel! (…)

Einen “Supertuscan” gibt es auch – blöd sind sie ja nicht, die Chianti-Classico-Weingüter. Der “Il Doccione” IGT Rosso (9€/Fl.) aus Sangiovese, Merlot und Cabernet reift 15 Monate im Barrique und schmeckt deutlich komplexer als die einfacheren Roten.”

Der Il Doccione passt meiner Meinung nach wunderbar zu Pasta al Ragu, Ossobuco oder Wildschweinbraten – eben der typisch toskanischen Bauernküche. Da Dorothée eine hervorragende Köchin und Weinkennerin ist, bin ich gespannt, wie ihr der Wein gefallen hat. Ich warte jedenfalls nervös auf den Blog-Beitrag, der heute hier ab 12.30h veröffentlicht wird!

Euch allen wünschen der bEdW und ich einen guten Rutsch in ein glückliches Jahr 2013 und immer ein gutes Fläschchen Wein im Keller – dann kann auch im neuen Jahr eigentlich nichts schief gehen! Cheers!

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Erinnert Ihr Euch noch an den Sehnsuchts-Post ausm Mai? Dieses unbestimmte Gefühl, dass das Leben jenseits der Alpen ein bisschen leichter, luftiger, sonniger ist?

Im Oktober haben wir dieser Sehnsucht wieder nachgegeben und haben eine Woche in unserem Lieblingsweingut Poderi del Paradiso in der Toskana verbracht. Dort gibt es nicht nur den herrlichen Paterno II (und andere Köstlichkeiten), sondern auch ganz reizende Appartements, die perfekt geeignet sind für Selbstversorger, Gernekocher, Bistecca-Griller…

…Leseratten, Ruhesucher, Ausblickgenießer, Langschläfer, Weintrinker, Käseshopper, Weingut-Stopper, Romantische-Toskana-Örtchen-Spotter wie uns.

Im Herbst ist die Toskana ganz besonders herzergreifend schön. Vor allem, wenn die Tagestouristen wieder in ihren Bussen sitzen und San Gimignano fast ganz uns gehört.

Zwischen den Hügeln wabert morgens Dunst…

und abends der Nebel,…

…während tagsüber die Sonne noch mit voller Kraft auf letzte Trauben…

…und Oliven brennt, die im November geerntet und zu goldig-grünem Olivenöl verarbeitet werden.

Eine Silhouette und noch ein paar Motive, von denen ich nie genug bekomme:

Die Geschlechtertürme San Gimignanos im Dunst.

Da lohnt sich das frühe Aufstehen, wenn der Blick auf neblige Hügel trifft.

Hagebutten als hübsche rote Pünktchen in all dem Grün.

Romantik pur.

Zypressenalleen – so kitschig und so wunderschön…

Aber wir sind ja nicht nur zum Spaß in der Toskana! Der “Weinkeller” will befüllt werden, nachdem uns monatelang überhaupt nicht nach Rotwein war und der Bestand vor dem Umzug im letzten Jahr sowieso stark reduziert werden musste *hüstel*.

Neben einem umfangreichen Einkauf im Poderi del Paradiso haben wir beim Cruisen durch Weindörfchen und entlang der Chianti-Classico-Straße noch zwei für uns neue Weingüter entdeckt, die ehrlichen Wein (und hervorragende Öle!) herstellen und (noch) zu fairen Preisen verkaufen.

Die Fattoria “La Torre” (San Gimignano (Siena), Località “La Villa”) ist schon alleine deshalb einen Besuch wert, weil man über Schotterpisten durch Kieferwälder an Weinbergen entlang auf einen Hügel fährt, von dem aus man einen herrlichen Ausblick hat. Den Turm aus dem 10. Jahrhundert sieht man schon aus der Ferne. Das Weingut liegt wirklich weit ab vom Schuss und ist ohne Auto schwer erreichbar – aber man will ja die Weinkisten auch nicht nach Hause TRAGEN, oder?

Im Kellergewölbe aus Feldsteinen kann man alle Weine sowie das Olivenöl verkosten. Es gibt von Vernaccia über Chianti Colli Senesi bis hin zu Grappa viel zu probieren. Der einfachste Rotwein kostet 3,50€/Flasche, der Liter Olivenöl 12€.

Zwischen Castellina in Chianti und Poggibonsi liegt das Weingut La Croce der Fratelli Zari (einfach nur Brüder, keine Mönche!), das wir wirklich aus Zufall entdeckt haben. Denn hinter jeder Kurve steht quasi ein “Vendita diretta”-Schild, das einen dann über abenteuerliche Wege zu kleinsten oder großen Weingütern bringt.

In diesem Fall sahen wir das Schild nur noch im Rückspiegel, waren längst dran vorbeigefahren, legten einen abenteuerlichen U-Turn hin und fuhren einen steilen Feldweg hinunter. Draußen dann unromantisch Stahltanks und landwirtschaftliches Gerät – aber sowas hält den “Profi” ja nicht ab. Zumal schon allerhand Italiener mit Plastikkanistern und großen Korbflaschen (!) ihren Einkauf erledigten – ein absolutes Gütezeichen. Denn die heimische Bevölkerung kauft keinen Mistwein. Wer mir nicht glaubt, muss mal bei Mellini drauf warten, bis ein “echter” Italiener vorbeikommt…

Also: Rein in den Verkaufsraum, Weine getestet, mit gebrochenem Italienisch klar gemacht: Wir sind im Himmel! Dazu noch ein richtig grasig-scharfes Olivenöl und wir waren glücklich! Der einfache IGT Rosso kostet 3€/Flasche, der Chianti DOCG 3,50€/Fl. und der Chianti Classico DOCG Riserva “Fondamento” 8€/Fl.

Einen “Supertuscan” gibt es auch – blöd sind sie ja nicht, die Chianti-Classico-Weingüter. Der “Il Doccione” IGT Rosso (9€/Fl.) aus Sangiovese, Merlot und Cabernet reift 15  Monate im Barrique und schmeckt deutlich komplexer als die einfacheren Roten. Aber ein “Supertuscan” ist das deshalb noch lange nicht… Egal. Wein soll schmecken. Tut er. Und wenn er dann auch noch “entdeckt” wird und nicht in jedem Supermarkt im Regal steht, kommt er mit nach Deutschland.

Um die Kisten dann heil nach Hause zu bekommen, spielt der bEdW sein Lieblingsspiel: Weinkisten-Tetris. Natürlich nur echt mit der vom Smartphone abgespielten Musik. :)

Apropos Panta Rhei: Wer hätte je behauptet, es handele sich immer nur um Wasser, wenn von “alles fließt” die Rede ist?

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Kennst Du das Land, wo die Zitronen blüh’n?“…

Spätestens seit Goethes Italienreise gilt das Land als “Sehnsuchtsland” der Deutschen.

War in früheren Zeiten das Reisen Kaufleuten und Dichtern vorbehalten (die Fugger brachten ihre “doppelte Buchführung” aus Venedig mit), konnten die Wirtschaftswunderdeutschen plötzlich in Heeresstärke an den Gardasee, den Lago Maggiore, nach Rimini. Spöttisch wurde schnell vom “Teutonengrill” gesprochen – unvergessen und unüberbietbar auf den spöttischen Punkt gebracht von Gerhard Polt (Ois Gude zum 70!!) in “Man spricht deutsh!”: “Noch ein Vino Rosso, per favore, aber einen Roten, gell?!”.

“Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,…”

Davon distanzieren wollten sich dann all die frühpensionierten Oberstudienräte, die mit deutscher Gründlichkeit alte Bauernhäuser in der Toskana herrichteten, ohne zu versäumen, sich über die unzuverlässigen italienischen Handwerker aufzuregen. Die ihrerseits beobachteten kopfschüttelnd, wie der Homo Teutonicus mit Sonnenbrand und holprigem VHS-Italienisch einen auf “einheimisch” machte.

“Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,…”

Aber bei allem Spott steckt die Sehnsucht nach Italien in den Knochen – zumindest in meinen. Nie wird mir das deutlicher als in dem Augenblick, wenn der Brenner hinter uns liegt und sich Italien vor uns ausbreitet. Schon an der ersten Raststätte schmeckt der Kaffee besser, sehen die Tramezzini appetitlicher aus, erscheinen die Menschen freundlicher als in Deutschland, wo mich zunehmend das Gefühl beschleicht, mich permanent dafür entschuldigen zu müssen, irgendwo Kunde, Gast oder einfach nur Bürger zu sein.

Wir wissen viel über Italien, über die Mafia, die korrupte Politik, über das Nord-Süd-Gefälle, frauenverachtendes Fernsehen und rechtsradikale Fußballfans. Das alles ist aber vergessen, sobald wir – von Florenz kommend – die Toskana vor uns sehen und ihre sanften Hügel mir direkt das Herz fest umklammern. Ich suche seit Jahren nach einem anderen Wort als “sanft”, weil das so abgedroschen ist. Aber mir fällt kein treffenderes ein. Denn diese Landschaft ist sanft – und fruchtbar und gut.

Mit jeder umgegrabenen Scholle wird die fette, satte, dunkelbraune Erde sichtbar, die gute Ernte für alles verspricht, was auf ihr angebaut wird. Dazu die unzählbaren Zypressen, die sich wie römische Legionäre endlos entlang der Straßen aufreihen, und die Siena-roten Ziegel der Bauernhäuser. Mohnfelder, soweit das Auge reicht. Weinberge mit büschelweisen Sangiovese-Trauben, die einen von Chianti träumen lassen. Wälder, in denen Wildschweine leben, die so phantastisch in Form von luftgetrockneter Salami schmecken…

Dieser Flecken Land bietet einfach so perfekte Bedingungen für einfache aber feinste Genüsse, dass ich die folgende Theorie entwickelt habe: Trotz aller Evolution, die unser Hirn immer größer werden und unsere Instinkte langsam verkümmern lässt, scheinen wir immer noch eine Information im Rückenmark stecken zu haben, die uns beim Anblick fruchtbarer, von Naturkatastrophen weitestgehend verschonter Landschaften zuraunt: “Hier kannst Du bleiben, Mensch. Hier kannst Du Dein Getreide pflanzen, Dein Vieh weiden, jagen und sammeln, und wirst nicht hungern.” Genau dieses Raunen lässt mir die Nackenhaare hochstehen und das Herz springen, wenn ich in die Toskana fahre.

“Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?”

Meinen jüngsten Sehnsuchtsschub nach der Toskana, nach Nachtigallen, die so laut singen, dass man das Fenster nachts zumachen muss, um schlafen zu können, nach Chianti, Pecorino und dem Geruch von Lorbeer und Rosmarin, hat Kathrin vom Food- und Foto-Blog Photisserie ausgelöst. Ihr saftig-saurer Zitronenkuchen wurde neulich – neben anderen verführerischen Kuchen – in der “Myself” vorgestellt und hat sofrt alle Knöpfe gedrückt, die es braucht, um mich nach Italien zu wünschen.

Das Rezept und wunderschöne Fotos findet Ihr hier. Ich habe mich – wie immer beim Backen – eng an das Rezept gehalten. Allerdings war meine Springform kleiner, so dass der Kuchen höher wurde und etwas längere Backzeit benötigte.

Aber, Kinners, das Ergebnis… Oh man! Ich habe selten etwas so Fruchtig-Frisches gegessen! Der absolute Clou sind der Zitronensirup, mit dem der Kuchen getränkt wird, sowie die kandierten Zitronen.

Ein Kuchen für alle Sinne: Bei der Zubereitung riecht die ganze Wohnung frisch nach Zitronen, das leuchtende Gelb tut dem Auge gut, die fluffige Konsistenz sowie das herrliche Zitronenaroma schmecken himmlisch, die Gäste liegen einem schluchzend vor Glück in den Armen… Und was ist mit dem Gehör? Das hört beim ersten Bissen ganz leise das Rückenmark raunen:

“Kennst du es wohl? Dahin!
Dahin möcht’ ich mit dir,
O mein Geliebter, ziehn.”

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Der bEdW und ich veranstalten regelmäßig für Freunde, Kollegen und liebe Gäste des Hauses private Weinverkostungen. In privater Atmosphäre und ohne viel Chi-Chi können wir alle neue Weine kennenlernen und uns ein bisschen durch verschiedene Trauben, Regionen usw. testen. Das ist zu zweit oder alleine ja meist ein bisschen schwierig…

Das jüngste Wine o’clock stand unter dem Motto “Bring your favourite” oder einfach: Jeder soll mal seinen Lieblingswein mitbringen und wir seh’n dann schon weiter…

Die Stars des Abends waren diesmal:

1. I Frati Lugana 2009: Der Wein aus 100% Turbiana spiegelt die Weinbautradition am südlichen Gardasee wieder. Die Rebstöcke sind 10-35 Jahre alt und stehen auf kalk- und lehmhaltigen Boden. Lugana-typisch sind die Aromen nach Aprikosen und Mandeln. Die leichte, nicht zu heftige Säure macht ihn perfekt zu Fischgerichten. Mit 13% ist er allerdings nicht wirklich “leicht”. Direkt vom Erzeuger in Sirmione kostet er 7,90 Euro. Bei Käfer in München dann leider schon 14 Euro (soviel zur Marge im Weinhandel). Also lieber mal beim nächsten Trip an den Gardasee ordentlich Platz im Kofferraum lassen :)

2. 2009 Saint-Peyre Picpoul de Pinet: Unsere absolute Geheimwaffe zu Spargel und leichten Sommergerichten! Der fruchtbetonte Weiße hat 12,5% Alkohol und ist erhältlich für 5,70 Euro bei Jacques’ Weindepot. Die kalkhaltigen Böden und die heiße Mittelmeersonne geben ihm angenehme Säure und frische Fruchtnoten nach Pampelmuse und Pfirsich.

3. Les fumées blanches 2009: Ein Südfranzose aus unserer Lieblinstraube Sauvignon Blanc. Die typischen Aromen Stachelbeere, grüner Apfel oder Limette kommen bei dem “Rauchzeichen” von Francois Lurton (12%) sehr gut zum Vorschein. Er kostet 6,75 Euro und ist ebenfalls bei Jacques’ erhältlich. Hat das Potenzial zum neuen Liebling.

Die Roten:

4. Burlwood Cabernet Sauvignon 2008: Keine echte Überraschung, sondern ein runder, unkomplizierter Cabernet aus Kalifornien. Auch wenn ich immer etwas skeptisch gegenüber der Gallo-Massenware bin, die es hier im Supermarkt gibt (wie anders müssen die Gallos in den USA sein!), ist das Preis/Leistungsverhältnis bei einem Wein für 2,59 Euro (bei Aldi) völlig ok. Ein Wein, den man in großen Mengen bei der nächsten Party ausschenken kann, ohne in den Schuldenturm zu kommen. Die kleine Fruchtbombe hat 12,5% und schmeckt leicht gekühlt zu Pastagerichten.

5. Montes Cabernet Carménère 2008: Der Chilene aus dem Colchagua Valley ist ein Klassiker – auch im Sortiment von Jacques’ Weindepot, wo es den körperreichen Roten für 7,95 Euro gibt. 70% Cabernet und 30% Carménère machen den Wein absolut rund mit Aromen von Schokolade, Rauch und Kaffee. Was auf der Jacques’-Homepage übrigens mit “Geruch aus der Zigarrenkiste” beschrieben ist, wurde bei uns kommentiert mit “Ich riech’ Pferd” (man darf nicht vergessen, dass wir hier schon den 5. Wein im Glas hatten. Das löst die Zunge ;-)).

6. Regolo Sartori 2007: Der Rosso Veronese ist ebenfalls von Jacques’ (nein, wir haben uns nicht abgesprochen und bekommen dort auch (noch!) keine Prozente!) und kostet dort 11,90 Euro. Die Kirscharomen der Corvina-Traube sind dermaßen stark durchgekommen, dass ein Kommentar lautete: “Cherry Coke!” (s.o.) Der Wein wird mit der traditionellen Ausbaumethode Ripasso hergestellt, bei der dem Most frischer Trester von rosinierten Amarone-Trauben beigement wird. Dadurch erhält er weitere Aromen nach Feigen und Pflaumen. Die kräftigen Tannine machen ihn perfekt zu Wild und sogar kräftigem Käse.

7. Villa Pillo Borgoforte 2006: Der letzte Wein des Abends stammt aus Gambassi Terme in der im Herzen der Toskana. Brombeer- und Kirscharomen findet man auch hier – aber deutlich feiner als beim Vorgänger. Mit 14,5% ist er ein ganz schönes Schwergewicht. Laut Erzeuger besteht der Wein aus (Achtung!) 60% Sangiovese, 40% Cabernet und 10% Merlot. Wer jetzt beim 7. Wein noch den Fehler findet, hat gewonnen :) Trotzdem: Die Zusammensetzung macht den Wein schön fruchtig, elegant. Durch den Ausbau in Eichenfässern hat er angenehme Tannine, die man etwas reduzieren kann, indem man den Wein etwas “atmen” lässt. Ein toller Begleiter zu Fleisch und Pasta. Verschiedene Online-Händler bieten ihn ab 7,49 Euro an.

Durch den Aufruf an unsere Gäste, ihre Lieblingsweine mitzubringen, haben wir viel Neues kennengelernt und wurde nicht selten auch überrasch. Wenn man aus dem Weintrinken keine Wissenschaft machen, sondern einfach ein bisschen seinen Horizont erweitern und einen schönen Abend haben will, ist so eine Weinprobe unter dem Motto “Bring your favourite” eine echte Bereicherung. Wir werden es jedenfalls wiederholen! (Wo doch noch so viele Lieblinge in den Kellern auf Entdeckung warten ;-))

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