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Archive for the ‘unterwegs’ Category

Der November hat’s schwer: Kein goldener Herbst mehr und noch kein weihnachtliches Glänzen in Sicht. Umso schöner, dass Rheingauer VDP-Winzer und Top-Gastronomen der Region mit der Veranstaltungsreihe „Glorreiche Rheingau Tage“ gegen die novembrige Tristesse angehen.

In Wiesbaden lebt, isst und trinkt es sich gut. Zu heimischen Genüssen wie Spundekäs und Wisperforelle trinken wir natürlich unseren Riesling! Und den feiern wir zu allen Gelegenheiten. Ob während der Wiesbadener Weinwoche im August oder eben zu den Glorreichen Rheingau Tagen im usseligen November.

Eines der vielen Highlights findet in meiner direkten Nachbarschaft statt:

Am 10. November feiern die zwei Rheingauer Schlösser Johannisberg und Vollrads zusammen mit dem diesjährigen Gast-Weingut Reichsgraf von Kesselstatt und ausgewählten Weinen „Riesling Schlösser & Friends“. Dazu serviert die Wiesbadener „ENTE“ im Nassauer Hof ein herbstliches 5-Gänge-Menü von Küchenchef Michael Kammermeier.

Aber weißt Du, was das Beste ist? Ich kann Dir hier schon mal exklusiv einen Blick auf das Menü  geben. Denn das durfte vorab schon mal getestet werden, um gemeinsam mit den Schlössern Vollrads und Johannisberg die passenden Weine auszusuchen. Besonders charmant: Da mindestens zwei korrespondierende Weine pro Gang serviert werden, kannst Du den Riesling in all seiner Vielseitigkeit kennenlernen. It’s been a hard day’s night…

Riesling Schlösser and Friends Glorreiche Rheingau Tage Ente Wiesbaden

Noch werden die Weine im Detail nicht verraten. Aber es wird eine spannende Reise durch die vielseitige Riesling-Welt. Versprochen!

In den Abend startest Du mit einer Ceviche vom Seeteufel. Mein Highlight? Die in Ingwer eingelegte Melonenschale. In Portwein und Balsamico marinierte Wassermelone und knuspriges Papadam sorgen für viel Abwechslung im Mund:

Glorreiche Rheingau Tage Riesling Schlösser and Friends Ente Wiesbaden

Nochmal grüßt das Meer den Rheingau: Kanadischer Hummer mit fruchtiger Mango, würziger angebratener Chorizo und – für den Crunch im Mund! – knusprig gespufftem Wildreis!

Glorreiche Rheingau Tage Riesling Schlösser and Friends Ente Wiesbaden

Ach, bekommt man jemals genug von Fisch und Meeresfrüchten? Ich finde nicht und habe mich über den unsagbar zarten Kabeljau mit Entengrieben gefreut. Besonders fein dazu: Der mit einer Créme von weißen Zwiebeln gefüllte Raviolo.

Glorreiche Rheingau Tage Riesling Schlösser and Friends Ente Wiesbaden

Der November ist DER Monat für Wildgerichte. Deshalb darf ein zarter Rehrücken nicht fehlen. Hier mit knuspriger Blutwurst, Sellerie und Cassis. Und glaub mir: Ja, dazu passt ebenfalls ein Riesling. #rotweingohome

Glorreiche Rheingau Tage Riesling Schlösser and Friends Ente Wiesbaden

Selbst für Anti-Süßschnäbel wie mich war das Dessert ein Fest: Fruchtig-säuerliche Mandarine als Sorbet, in Krokant und im Schokomantel. Dazu? Na klar, Riesling!

Glorreiche Rheingau Tage Riesling Schlösser and Friends Ente Wiesbaden

Wenn es draußen kalt, grau und dunkel ist,

sollte man einfach die schönen Seiten des Lebens feiern.

Warum also nicht am 10. November, ab 19:00h, mit Riesling Schlösser & Friends

in der ENTE in Wiesbaden?

(Anmeldung unter www.nassauer-hof.de)

Du willst nicht bis zum November warten? Dann mach‘ doch Deinen eigenen Riesling-Spaziergang von Schloss Vollrads zu Schloss Johannisberg. Ein paar Impressionen habe ich in meinen frühen Wiesbadener Tagen hier gesammelt.

Wusstest Du eigentlich, dass vor 300 Jahren, also 1716, auf Schloss Vollrads der Begriff Cabinet  erstmals im Zusammenhang mit einem eigens errichteten Cabinetkeller erwähnt wurde? (Erst seit 1971 schreiben wir „Kabinett“) Heute gilt der „Kabinett-Wein“ als Qualitätskennzeichnung für Prädikatwein. Ursprünglich verstand man darunter gehaltvolle Weine, die lange in den Cabinetkellern reiften. Mittlerweile steht der Begriff „Kabinett“ international für Prädikatsweine, die bei moderatem Alkoholgehalt ihre Herkunft, die Rebsortencharakteristik und die Handschrift des Winzers erkennen lassen. Dies gilt ganz besonders für den Rheingauer Riesling!

Adieu November-Tristesse! Cheers, Riesling!

PS: 2016 feiern wir auch 300 Jahre Chianti. Aber dazu bald mehr…

 

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Wie jedes Jahr im August feiert Wiesbaden die Rheingauer Winzer, den Riesling und auch ein bisschen sich selbst…

Und weil die Rheingauer Weinwoche mit ihren über 100 Ständen wie jedes Jahr im August vor unserer Haustür stattfindet (das ist wörtlich zu verstehen!), sind die zehn Tage ideal, um sich dort mit Freunden zu verabreden, (Wein-)Vorräte anzulegen, allerlei Entdeckungen zu machen (wie hier oder hier), auch mal berufliche Termine an bestimmte Weinstände zu verlegen („Treffen wir uns einfach erstmal beim Schönleber…“) und auch ein bisschen abzuschalten.

Rheingauer Weinwoche Wiesbaden

Gekocht wird in dieser Zeit wie jedes Jahr im August eher wenig, denn Bratwurst-Dunst und Flammkuchen-Duft ziehen bis in unser Dachgeschoss und machen Lust auf einen Snack zum Wein „uff de Gass“. Höchstens der selbstgemachte Kochkäs kommt zum „Winzerknorze“ zum Einsatz, weil der auf dem Fest servierte Spundekäs ja doch immer aus dem gleichen Plastikeimer kommt (wie einfach er doch eigentlich zuzubereiten wäre, weiß Astrid zu berichten).

Deshalb klinke ich mich wie jedes Jahr im August für ein paar Tage aus, sammle ein paar frische Eindrücke und neue Weine und freue mich darauf, wenn es hier ab dem 23. August wieder weitergeht…

Keine Angst, Du verhungerst schon nicht! Surf‘ doch einfach mal durch die über 750 Rezepte hier im Blog und such‘ Dir was Feines aus…

*Die Postkarte und viele weitere hübsche Motive sowie geschmackvolle (!) Souvenirs rund um Wiesbaden gibt es im „Stadtstück“.

 

 

 

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32 Grad, es wird noch heißer… Kann mich gar nicht schrecken nach der Mega-Hitzewelle letzten Sommer! Und damit Du einen kühlen Kopf bewahrst, kommen hier meine Top 10 Gerichte für heiße Tage!

Unterm Dach und mit vielen Fenstern wirst Du ganz schnell kreativ, wenn’s heiß ist. Da kriegen mich keine zehn Pferde in die Küche. Aber immer nur Salat ist ja auch irgendwie nervig… Also bereite ich kühle Gerichte für heiße Tage zu, die wenig Zeit beanspruchen, kühlende Zutaten vereinen, ohne Herplatten oder Backofen auskommen und schlimmstenfalls spätabends zubereitet werden können für den nächsten Tag. Dann nämlich – also spätabends – kann ich herrlich alles aufreißen, den Vollmond anhimmeln und ordentlich Durchzug machen. DAS sind die Vorteile vom Dachgeschoss! Der Durchzug kühlt dann die ganze Nacht, bis ich morgens so gegen 5 Uhr auf leisen Sohlen wieder alle Schotten dicht mache… Und was machst Du bei Hitze?

Heiß, heiß, Baby! Meine Top 10 der kühlen(den) Gerichte für heiße Tage:

Zur besseren Orientierung dient mein Hitzefaktor von * (ohne jeden Schweißtropfen) bis *** (ok, da musst Du jetzt ganz schnell durch!)

Nummer 10: Eine Tapas Party für 2 oder mehr Personen ist schnell gemacht, lädt zum Verquatschen ein und schmeckt noch besser mit einem eisgekühlten Wein! Hitzefaktor: **

Tapas Albondigas Foodblog German Abendbrot

Nummer 9: Börek und Pide mit Hackfleischfüllung! Easy am Abend vorzubereiten (Backofen!) und himmlisch beim Picknick am nächsten Tag zu genießen. Hitzefaktor: ***

Börek Pide hausgemacht Hackfleischfüllung German Abendbrot

Nummer 8: Pasta mit schneller Tomatensauce mit Oliven und Feta. Jetzt sind sie sowas von reif, die Gartentomaten auf dem Markt! Hitzefaktor: **

Pasta schnelle Tomatensauce Oliven Feta German Abendbrot

Nummer 7: Natürlich darf hier nichts Indisches fehlen! Dieser Salat aus Rote Bete und Karotten mit kühlendem Joghurt ist perfekt! Hitzefaktor: **

Salat indisch Rote Bete Möhren Joghurt German Abendbrot

Nummer 6: Ein Eiersalat wie aus den 50ern – nur für’s 21. Jahrhundert zurecht gemacht. Der hätte sogar Elvis geschmeckt! Hitzefaktor: *

Eiersalat Tatar vom Ei 50er Jahre frisch mit Radieschen German Abendbrot

Nummer 5: Der Melonensalat mit Feta und Schinken ist ein Klassiker – im Blog und unter Genießern. Hitzefaktor: *

Salat Melone Feta Schinken Melonensalat German Abendbrot

Nummer 4: Bulette, Frikadelle, Fleischpflanzerl – you name it! Eine große Portion in der Pfanne gebraten, hast Du von diesen kleinen Kerlen tagelang etwas. Super für’s Büro! Hitzefaktor: **

Frikadellen Buletten Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat German Abendbrot

Nummer 3: Und? Was passt am besten zur Bulette? Richtig: Kartoffelsalat! Ebenfalls gut vorzubreiten! Ich hab‘ da übrigens hinter dem Link über 70 (!!) Rezepte versteckt! Hitzefaktor: *

Kartoffelsalat German Abendbrot

Nummer 2: Für Süßschnäbel habe ich ein herrliches „Wiesbaden Mess“ mit Stachelbeeren, Baiser und Sahne! Hitzefaktor: *

Stachelbeeren Baiser Sahne Wiesbaden Mess Eton Mess German Abendbrot

Trommelwirbel für die Nummer 1: Das beste, kühlendste und seit dem Jahrtausendsommer 2003 immer wieder abgewandelte Lieblingsgericht für heiße Tage: Gazpacho!

Gazpacho Sherry kalte Suppe German Abendbrot

Immer noch nichts dabei? Dann schau doch mal, was ich Dir 2013 zusammengestellt habe… Viel Spaß beim Genießen!

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Heute wird das German Abendbrot „schulreif“. Es hat eine große Zahnlücke vorne und in seiner Schultüte steckt wunderbarer Honig von einer ganz besonderen Imkerin. Los, komm‘ mit, und gewinne ein Glas „Nymphenburger Honig Frühjahrsernte“!

Bienen sind nicht nur fleißig und hübsch anzuschauen, sie machen auch köstlichen Honig und sind für unser Ökosystem absolut unverzichtbar. Nein, sie sind UNVERZICHTBAR! Ohne Bienen keine Bestäubung von Pflanzen. Ohne Bestäubung keine Früchte, keine Ernte, nix zu Essen. Nichts, Nada, Niente!

Wer die letzten Jahre in einer Raumkapsel ohne Verbindung zur Außenwelt verbracht hat, kennt möglicherweise den Film „More than honey“ noch nicht, der sich herzzerreißend dem Thema Bienensterben widmet. Angucken, bitte!

Bienen Bienensterben Honig Blüte Bloggeburtstag German Abendbrot

Umso glücklicher macht mich jede einzelne Biene auf unserer Terrasse. Egal ob gerade Basilikum, Thymian oder Chilipflanzen blühen: Die fleißigen Bienchen mögen unsere Kräuter sehr. Vor allem aber Lavendel. Scheinbar für die Bienen das, was Craft Beer, Pulled Pork oder Burger für uns Foodblogger sind.

Ernte 2016 Wabe

Ich freue mich sehr, dass ich über dieses crazy Internet eine ehemalige Kollegin aus meiner Münchner Zeit „wiedergefunden“ habe, Annika Singer von Honigschlecken. Sie produziert nicht nur im Stadtteil Nymphenburg ihren eigenen Honig, sondern bietet auch Verkostungen an:

Antje Annika Singer Honigschlecken Nymphenburg München

Darüber wollte ich gleich mal mehr wissen von ihr! Nimm Platz, mach’s Dir bequem und iss ’ne Honig-Stulle:

Annika, ich kenne ja kaum jemanden, der Honig nicht mag. Aber wie kamst Du dann auf die Idee Dein eigenes Bienenvolk anzuschaffen?

Ich habe schon immer gerne Honig von Urlauben mitgebracht. Über einen benachbarten Imker am Ammersee und durch eine sehr enge Freundin in München hatte ich dann immer wieder Berührung mit dem Thema. Zuletzt habe ich immer häufiger bei der Ernte geholfen. Ihr Vater hatte über 50 Jahre Bienen im Münchner Westend gehalten und ihr die Imkerei vor einigen Jahren vererbt. Deshalb wollte sie die Bienenhaltung damals gründlich lernen. Spontan habe ich mich auch dazu entschlossen die Ausbildung mitzumachen. Das war vor rund fünf Jahren.

Wie viel Arbeit steckt in der Imkerei? Musst Du Dich täglich kümmern?

Die Hauptsaison fürs Imkern ist von März bis Oktober. Zwischen April und August muss man mindesten einmal pro Woche rund eine halbe Stunde bis Stunde pro Volk einplanen. Schwarmzeit und Ernte sind dann immer eine zusätzlich intensive Zeit. Häufiges Nachsehen ist allerdings auch übertrieben, weil man die Bienen nicht dauernd stören darf. Vor allem in den Wintermonaten ist es tabu den Stock zu öffnen. Das ist manchmal gar nicht so leicht, weil man zu gerne wissen würde, ob es ihnen in ihrem Kasten auch gut geht.

Honigschlecken Imkern Bienen German Abendbrot

Braucht man zum Imkern einen Garten mit viel Platz oder geht das auch auf meinem Stadtbalkon?

Theoretisch kann man Bienen auch auf dem Balkon halten. Es gibt sogar eigene Systeme dafür, nachdem sich die Stadtimkerei gerade zu einem ziemlichen Trend entwickelt. Allerdings gibt es oft Einwände von Seiten der Hausverwaltung oder Miteigentümern. Da muss man sich vorher unbedingt absprechen. Daher ist die Haltung in einem eigenen Garten natürlich unkomplizierter. Aber auch dort muss der Standort so gewählt sein, dass sie Nachbarn nicht gestört fühlen. In der Stadt bieten sich auch öffentliche Plätze an: Parkanlagen, Kleingärten, Schulen, Kirchen, Friedhöfe. Natürlich nur mit Genehmigung!

Welche Ausbildung hast Du für das Imkern gemacht und war die unbedingt notwendig?

Ich habe einen Jungimkerkurs absolviert. Er geht über zwei Jahre und ist eine Mischung aus Theorie und Praxis. Gemeinsam mit den erfahrenen Imkerpaten begleitet man auch das eigene erste Bienenvolk durch das Bienenjahr. So eine Ausbildung ist Pflicht, um beim Deutschen Imkerbund anerkannt zu sein. Aber es ist auch einfach unglaublich hilfreich, sich mit den „alten Hasen“ auszutauschen und von deren Erfahrungen zu profitieren. Im laufenden Bienenjahr ist es wichtig, vernetzt zu sein: Schwarmzeit, Ernte, Urlaub. Da sind Abstimmung und gegenseitige Hilfe alles.

Honig Honigschlecken Imkern German Abendbrot

Was macht Deinen Honig unverkennbar?

Jeder Honig ist ein aromatischer Fingerabdruck seiner Region. Wie beim Wein kann man von Jahrgangshonig sprechen, denn abhängig vom Klima, ist auch die Blütenfolge unterschiedlich ─ und somit auch der Geschmack des Honigs. Der „Nymphenburger Honig – Frühjahrsblüte“ ist süß, fein blumig und sehr facettenreich. So die Gärten, Alleen und Parkanlagen in unserer Nachbarschaft. Die zweite Ernte, die Sommerblüte, ist vor allem von den Lindenblüten der Alleen geprägt. Ein deutlich kräftigeres Aroma und der leicht mentholische Geschmack ist bei diesem Honig ganz deutlich.

Du bietest ja auch Honigverkostungen an. Was für Honige verkosten Deine Gäste da eigentlich?

Es gibt ja kaum jemanden, der Honig nicht gerne isst. Doch in vielen Gesprächen ist mir aufgefallen, dass Honig oft viel zu pauschal wahrgenommen wird. Man kann heutzutage viel verkosten: Wein, Bier, Schokolade, Olivenöl. Aber Honig? Das gab es nicht. Da lag der Schritt, meinen Job als PR-Profi mit meinem Hobby zu verbinden, nahe und ich startete 2014 mit „Honigschlecken“. Bei dieser Degustationsreihe erfahren die Gäste alles rund um das Thema Honig und Bienen und lernen in einem Zeremoniell, ähnlich dem einer Weinprobe, die Vielfalt von Honig. Wir probieren bis zu zehn Honigsorten von hell bis dunkel, von sehr süß bis bitter herb, von flüssig über cremig bis fest. Es sind zum einen typische Sorten aus unserer Region. Zum anderen biete ich auch mediterrane Sorten an, von mir bekannten Familienbetrieben in Italien und Frankreich. Die Aromen sind einfach noch feiner und vielseitiger. Am Ende hat jeder Teilnehmer einen Eindruck, welcher Honigtyp er ist und weiß, zu was Honig sonst noch alles gut passt ─ außer auf das Frühstücksbrot.

Honigschlecken Honigverkostung Honig Bienen German Abendbrot

Ist das Imkern ein Trend sowie das Brotbacken, Urban Gardening usw.?

Imkern kann man durchaus als Trend bezeichnen. Vor allem in der Stadt geht es den Bienen erstaunlicherweise oft besser, weil auf dem Land Monokultur herrscht. Ich war selbst überrascht, wie schwierig es war, tatsächlich einen Platz für einen Jungimkerkurs zu bekommen. Wir waren dann auch 60 Teilnehmer. Wenn auch nur ein Teil davon tatsächlich beim Imkern bleibt, ist das großartig. Jahrelang sind nämlich die Mitglieder-Zahlen beim Deutschen Imkerbund nach unten gegangen. Imkern, Brotbacken, Urban Gardening, Doityourself: Ja, ich glaube, die Motivation dazu ist überall ähnlich gelagert. Man möchte wissen, woher Lebensmittel kommen, man freut sich am selbst Geschaffenen und möchte „zurück zur Natur“ oder das Gefühl für natürliche Grundgesetze wieder erfahren und pflegen. Seitdem ich die Bienen habe, schaue ich ganz anders auf die Wetterkarte, in den Himmel, achte auf Temperaturen und ärgere mich, wenn es bei der schönsten Obstblüte regnet und die Bienen nicht fliegen können.

Was passiert, wenn Du irgendwann das Interesse am Imkern verlierst oder keine Zeit mehr hast? Du kannst das Volk doch nicht einfach auswildern, oder?

Nein, Auswildern ist keine gute Idee. Aber falls ich aufhören müsste, kann ich den Bestand Vereinsmitgliedern oder über Fachforen anbieten. Schlimmstenfalls kommt es aber auch ungewollt zu einem Ende der Völker. Jedes Jahr höre ich von Imkern, die über den Winter bis zu ihren gesamten Bestand verloren haben. Varroa-Milbe, Futtermangel, zu lange Winter: Es gibt immer wieder schwierige Konstellationen und jedes Jahr ist anders. Das bleibt spannend.

Womit muss ich denn finanziell rechnen, wenn ich unter die Imker gehen will?

Der finanzielle Aufwand ist nicht ganz ohne. Das Imkern artet schnell in eine Materialschlacht aus. Grob muss man mit 300-500 Euro Startkapital rechnen. Es hängt viel davon ab, mit welchem System man arbeiten möchte und wie viel man eventuell gemeinschaftlich anschafft oder gar über den Verein nutzen kann. Wenn Du handwerklich geschickt bist, kannst Du auch Einiges selbst bauen und schreinern. Da kann man sich schon Geld sparen.

Honig Waben Bienen Honigschlecken Verkostung Imkern German Abendbrot

Und womit mache ich auf Balkon und Terrasse oder im Garten die Bienen glücklich?

Wenn Du beim Pflanzen vor allem auf Frühjahrsblumen und Spätblüher achtest, ist schon viel geholfen. Das sind die Jahreszeiten, in denen die Bienen noch wenig oder nicht mehr so viel Nahrung finden. Außerdem ist es natürlich klasse, wenn man den lokalen Imker unterstützt und in der Nachbarschaft einkauft oder im Urlaub auch direkt vor Ort beim Imker am Markt. Der direkte Vertriebsweg  ist hier der beste. Dann weiß man, wo der Honig herkommt. Vor allem sollten sich die Verbraucher immer bewusst machen (wie bei allen Lebensmitteln auch), wie aufwendig es ist, ein hochwertiges Produkt zu erzeugen. Honig ist ein Naturprodukt und nicht unendlich zu beschaffen. Es steckt viel Arbeit drinnen. Vor allem von den Bienen, aber auch vom Imker.

So, jetzt seid Ihr dran! Hinterlasst mir einen Kommentar hier im Blog unter diesem Post und gewinnt mit ein bisschen Glück eines von zwei Gläsern „Nymphenburger Honig – Frühjahrsblüte“ von den fleißigen Münchner Bienchen aus Annikas Volk!

Teilnahmebedingungen:

Mitmachen kann jede(r), der mir einen Kommentar und seine/ihre Mailadresse hinterlässt. Minderjährige benötigen das Einverständnis ihrer Eltern.

Verlost werden 2 x 1 Honig-Töpfchen „Nymphenburger Honig – Frühjahrsblüte“. Sie werden per Post an den/die GewinnerIn verschickt.

Die Auslosung findet statt am 31. Juli 2016, 19:00 Uhr. 

Um im Lostopf zu landen, hinterlasse mir bis zum 31. Juli 2016, 18:59 Uhr, unter diesem Beitrag eine Antwort auf die Frage: Wie isst Du Honig am liebsten?

Als Owner und Moderator dieses Blogs behalte ich mir vor, sexistische, rassistische oder sonstwie beleidigende oder unpassende Kommentare nicht zur Veröffentlichung freizugeben.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der/die GewinnerIn wird am 31. Juli 2016 per Los ermittelt und anschließend per Email benachrichtigt. Anschließend benötige ich Deine Adresse, um den Honig versenden zu können. (Der Versand erfolgt aus organisatorischen Gründen Ende August!)

Hinterlasse also bitte Deine Email-Adresse!! Diese wird ausschließlich zum Zwecke der Auslosung verwendet und nicht an Dritte weitergegeben!

Mit der Teilnahme an der Verlosung erklärst Du Dich damit einverstanden, dass  ich – falls Du gewinnst – Deinen Vornamen in einem Blog-Post nenne.

Vielen Dank, Annika & den Bienen! Happy 6th Birthday dem German Abendbrot und viel Erfolg allen Teilnehmern!

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Ein Gläschen Wein, ein paar Oliven, etwas Baguette – heute wird nicht groß gekocht. Ich teile lieber mit Euch meine Entdeckung: Tiroler Graukäse aus Österreich!

Graukäse

Mein Traumurlaub ist eine Tour de fromage durch Europa: Beginnend mit den cremigen Frischkäsen aus Dänemark und dem sahnigen Gräddost aus Schweden würde ich mich dann zu den Britischen Inseln vorarbeiten zu Stinky Bishop, Stilton, Cheddar und Wensleydale. Dann wäre ich schon wieder auf dem Festland, um riesige Gouda-Laibe durch die putzigen Städtchen der Niederlande zu rollen. So ein bisschen Sport wäre auch nicht schlecht. Denn schon naht der Höhepunkt meiner imaginären Käsereise: Frankreich!  Mit seinen vieltausendfachen Käsegenüssen sicher eine Station, auf der ich etwas länger verweilen möchte…

Aber immer weiter geht’s! Köstlicher Manchego wartet in Spanien, herzhafter Pecorino und Parmesan in Italien, würziger Bergkäse von karamellbonbonfarbenen Kühen in der Schweiz und dann noch cremig-salzige Ziegen- und Schafskäse in Griechenland und der Türkei. Ich werd‘ narrisch!

Apropos narrisch: Und was ist mit Österreich?

Österreich kam bisher auf meiner Europa-Käse-Rundreise bisher noch nicht weiter vor. Was für eine Schande! Denn Berge, saftige Wiesen, Kühe und damit köstliche Milch gibt’s doch dort auch! Und Wein! Und herzige Menschen mit charmanter Sprache… Alles Grundvoraussetzungen für guten Käse!

Vielleicht liegt meine Ignoranz darin begründet, dass ich als Kind schon Richtung Meer geprägt wurde. Gewandert wurde mehr im Watt als in den Bergen. Meine höchsten Hügel waren Dünen und wer mir den Blick auf den Horizont verbaut, hat’s eh schon schwer.

Österreich-Urlauber, Jausenstation-Begeher und Berg-Fans allgemein mögen den Tiroler Graukäse kennen. Mir war er neu!

Graukäse_Öl_II

Erstmals gekostet habe ich ihn auf einer Käsedugastion der „Agrarmarkt Austria“*, wo ich auch die charmante Molkereifachfrau und Käsemeisterin Ginevra Sanders kennengelernt habe. Der Graukäse wurde erst ganz zum Schluss angeboten. Und er teilt „the boys from the men“, kann ich Euch sagen! Oder wie Ginevra Sanders es formulierte: „Dieser Käse macht sehr einsam…„!

Ich bin bei solchen Ankündigungen ja eher unerschrocken. Bei Käse gleich doppelt und dreifach abenteuerlustig. Aber endgültig gekriegt hat die Expertin mich, als sie sagte, er gleiche angeblich dem Frankfurter Handkäs, von dem sie schon gehört habe. Denn auch hier gibt es den typisch quarkigen Kern, reift der Käse 6 bis 12 Wochen und hat so gut wie kein Fett (2%!!).

Whaaaaaat?! Die Ösis können Handkäs? Genial!

Ist ja wohl klar, dass ich das gute, krümelige Stück probieren musste. Der Graukäse entsteht aus Sauermilch und ist also sowas von fettarm. Richtig genial wird er aber erst mit dem, was der Frankfurter „Musik“ nennt, nämlich einer Marinade aus Essig und Öl sowie feingehackten Zwiebeln. Oder man isst ihn mit viiiieeel Butter. Wie auch den Handkäs übrigens! (Und vorbei ist’s mit dem wenigen Fett. Aber wen interessiert das schon?!)

Käse verbindet: Von der Bankenmetropole bis zu den Almwiesen!

Anders als beim Handkäs kommt beim Graukäse noch ein grün-blauer Edelschimmel dazu. Für Käseliebhaberein echter Genuss. Für Käse-Gegner vermutlich die Höchststrafe!

"Dieser Käse macht sehr einsam..."

Ginevra Sanders: „Dieser Käse macht sehr einsam…“

Wunderbar auch die Aussage einer ebenfalls anwesenden Leiterin einer Käsetheke: „Der Graukäse hat’s ein bissl schwer bei uns. Den kann man ja schlecht der Kundschaft einfach so zum Probieren geben!“

Für Liebhaber eben. Und deshwegen befolgte ich gerne den Tipp, den Käse mit einem milden Olivenöl zu marinieren, etwas Baguette dazu zu essen und die würzige Schärfe so richtig zu genießen. (Ich finde auch Pumpernickel genial dazu, weil der mit seiner Süße ein wenig die Schärfe vom Graukäse nimmt…)

Und ob Ihr’s glaubt oder nicht: Ein hessischer Ebbelwoi passt ganz ausgezeichnet dazu!

Also: Boy oder Man? Bist Du eher ein „milder Käse“-Esser oder einer von den Harten, dem’s nicht schimmelig und würzig genug sein kann?

Habt ein schönes Wochenende & geht doch mal wieder auf Käse-Entdecker-Tour zu Eurem Käsehändler oder auf den Markt. Immer das Gleiche wäre ja langweilig…

*Zur Degustation verschiedener österreichischer Käse hatten die AMA (Agrarmarkt Austria) und das Magazin Falstaff eingeladen. Die AMA vertritt alle österreichischen Produzenten. Ginevra Sanders begleitete die Käsedegustation daher als Fachfrau. Dass meine Begeisterung mit dem schlichten Trigger-Word „Handkäs“ geweckt würde, konnte keiner der Beteiligten vorab wissen.

 

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Ei, ei, ei. Mein gestriger Post rund um’s Leid im Ei hat viel Resonanz erfahren. Deshalb fasse ich hier mal die Einkaufstipps zusammen, die mich auf verschiedensten Wegen erreicht haben!

Herzlichen Dank an alle, die mir über die verschiedenen Kanäle ihre Tipps verraten haben, wo sie Eier beziehen, deren Hennen ihre Brüder nicht durch den Kükenschredder verabschieden müssen. Neben der lobenswerten Initiative Bruderhahn gibt es nämlich noch andere Möglichkeiten.

Glückliches_Ei

Die Liste ist natürlich nicht vollständig. Falls Ihr weitere Tipps habt, hinterlasst gerne einen Kommentar unter diesem Post hier!

Einkaufstipps für Eier ohne Kükenschreddern:

In Nordrhein-Westfalen und im Norden von Rheinland-Pfalz erhältst Du bei Rewe die Eier der Marke „Spitz & Bube“, bei der auch die männlichen Küken aufgezogen werden.

Im Nordosten der Republik (Berlin, Potsdam, Ostsee-Region, aber auch Dresden, Magdeburg etc.) gibt es Eier und Hühner von der „Aktion Ei Care“. Im Link gibt es eine Übersicht der Läden. Alles, was aus einem Ei schlüpft, darf auf den Ei-Care-Höfen am Leben bleiben.

In Berlin findest Du jeden Samstag in der Markthalle 9 einen Stand vom demeter Bauernhof Weggun. Erhältlich sind die Eier auch in den Berliner Filialen der Biocompany. Mehr dazu auf der Website (s. Link).

Aus meiner Zeit in München kenne ich noch gut die Filialen der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Auch hier haben die Bruderhähne eine Chance. Eine Liste der Münchner Filialen sowie weiterer Bezugsquellen gibt es hier.

Besonders glücklich bin ich aber, dass es auch für mich in Wiesbaden – aber auch bundesweit! – eine Möglichkeit gibt, Eier zu beziehen, die von Hennen stammen, deren Brüder nicht im Kükenschredder landen! Die Filialen der Bio-Kette denn’s beziehen u.a. Eier der Marke Hähnlein, die ebenfalls die Bruderhähne am Leben lässt. Als ich bei meiner Recherche bei denn’s war, waren die wohl gerade ausverkauft. Puh! Danke für den Tipp!

Wir können mit unserem Einkaufsverhalten etwas ändern! Und ich freue mich sehr, dass ich so viele Tipps von Euch bekommen habe für Initiativen, die sich dem Irrsinn der Schredderei entgegenstellen. Danke!

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„Heut‘ mach‘ ich mir kein Abendbrot, heut‘ mach‘ ich mir Gedanken.“ Genauer gesagt: Woher kommt unser Ei? Und wie können wir das Kükenschreddern eindämmen? Wenn Du das nicht lesen magst, komm bitte Freitag wieder! Aber vielleicht kannst Du mir ja auch helfen…

Wenn Du gerne isst und trinkt, genießt und auf Dich achtest, hast Du vermutlich zwangsläufig auch einen Blick auf die Herkunft Deiner Lebensmittel und entscheidest bewusst, welche Milch, welche Eier und welches Fleisch Du kaufst. Das ist bei Dir vielleicht ausgeprägter als bei mir. Vielleicht aber auch nicht – und möglicherweise abhängig von Interesse, gesundheitlicher Notwendigkeit, finanzieller Ressource, Zeitmanagement und vielem mehr.

Trauriges_Ei

Dabei vermeide ich hier im Blog ganz bewusst ein Dogma. Dogmen sind mir fern und machen mich bestenfalls aggressiv. Weniger Dogma täte so mancher Debatte gut. Nicht nur in puncto Lebensmittel.

„Gutmensch“? I’ve been called worse!

Aber ich versuche hier auch relativ transparent und authentisch darüber zu schreiben, welche Produkte ich verwende und woher sie kommen. Dabei stelle ich Dir, lieber Leser, natürlich frei, ob Du selbst auch Bio-Produkte nutzt, saisonal und/oder regional einkaufst, den kleinen Laden um die Ecke unterstützt, Dich auf dem Wochenmarkt inspirieren lässt oder auch nicht. Deine Entscheidungen liegen bei Dir und werden von mir nur kommentiert, wenn Du mich darum bittest. Und ich halte dann auch mal aus, dass ich giftig angeschrieben werde, weil ich eine Bio-Forelle aus dem nahen Wispertal kaufe. Mei, nennst Du mich halt öffentlich „Gutmensch“. I’ve been called worse…

Gleichzeitig versuche ich mit mir selbst realistisch zu bleiben und skeptisch gegenüber all den „Richtigmachern“ im Netz. Auch wenn ich gerne die Gartengurken meines Frankfurter Gemüsehändlers auf dem Wochenmarkt kaufe, schaffe ich es manchmal eben nur in den Supermarkt. Ich versuche es zu vermeiden. Nur gelingt es mir halt nicht immer. Mei, nennst Du mich halt öffentlich „gewissenloses Herdenvieh“! I’ve been called worse…

Alles bio oder was?

Und da haben wir sie gerade mal angekratzt, die Diskussion, ob bio wirklich bio ist und ob saisonal/regional nicht ohnehin viel besser wäre als großflächige Bio-Landwirtschaft! Fass ohne Boden und so…

Seit ich meine Zeit freier einteilen kann, ist auch das Einkaufen deutlich optimiert. Ich kann den Marktbesuch jetzt auch mittwochs machen, habe einen besseren Überblick über Reste/Vorräte und kann besser planen, was es wann zu essen gibt. Aber das ist halt meine (momentane) Situation und vielleicht nicht unbedingt Deine.

Du musst vielleicht nehmen, was die Tafel Dir in die Hand drückt? Oder Du kommst nur einmal die Woche zum Großeinkauf wegen Nachtschicht, Kindern, Infrastruktur? Oder Du bist Selbstversorger und baust Dein eigenes Gemüse an, hast Hühner und Schafe? Ich sag‘ doch: Dogmen liegen mir fern.

Schau hin, frag nach!

Es gibt noch unzählige Facetten des Themas. Aber mir geht’s heute ganz konkret um’s Ei! Dabei dachte ich, ich wäre auf der sicheren Seite. Meine Bio-Eier kaufe ich an einem Stand auf dem Markt, einem Selbsterzeuger aus Wetzlar. Oder an einem demeter-Stand, der seine Eier von einem Biohof bei Wiesbaden bezieht. Alle sind sie mehr oder weniger nach diversen Standards zertifiziert. Ich frage nach, erhalte Auskunft, kann mich im Netz über die Herkunft informieren. Ich erfahre: Den Hennen geht es gut, sie bekommen Auslauf, Biofutter, Licht und Luft und leben länger als ihre armen Schwestern. Das ist schon mal gut so. Natürlich sind die Eier teurer als im Supermarkt. Aber ich zahle diesen wirklich kleinen Obulus gerne.

Bleibt das Leid mit dem Ei.

Ein glückliches Huhn legt glückliche Eier. Dachte ich. Aber Eier legen nunmal ausschließlich Hennen. Eine glückliche Henne ist ein guter Anfang. Aber was passiert mit den anderen 50% der Huhn-Bevölkerung, den Hähnen? Selbst demeter- und Bioland- oder Naturland-Höfe, die mitunter Großes leisten im artgerechten Umgang mit dem Huhn, können die Hähne nicht gebrauchen. Auf einer sehr transparent gemachten Website eines Biohofs habe ich gelesen:

Da der Markt für Legehennen-Küken in Händen dreier europäischer Großfirmen liegt,stammen auch die meisten Bio-Legehennen aus der Hochleistungszucht.
Die Zucht richtet sich seit vielen Jahrzehnten nach der „Verwendung“ des Geflügels:
Legehennen wurden konsequent auf Legeleistung – sprich viele Eier –gezüchtet,
Masthähnchen auf maximalen Fleischansatz. Im Umkehrschluss gilt: Ein Hahn der Legerasse setzt nicht nennenswert Fleisch an. Deswegen werden seitdem sämtliche männlichen Legeküken nach dem Schlupf getötet. Das betrifft auch Biobetriebe, da die Brütereien konventionell produzieren und die zukünftigen Legehennen als Eintagsküken in die Bio-Aufzuchtbetriebe kommen. Aus ethischen Gründen wird fieberhaft daran gearbeitet, dass dieser Kükenmord für Bioland-Betriebe nicht mehr stattfindet.
Eine einfache Lösung haben auch die Biohöfe bisher noch nicht gefunden – soweit ich weiß.

Ei_traurig

Durch die Gewissheit, dass die Hennen meines Frühstückseis gut gehalten werden, war mir bisher nicht bewusst: Auch Bio-Eier bedeuten, dass männliche Küken „wertlos“ sind. Aber dann gab es die Debatte um das Kükenschreddern, nachdem das Oberverwaltungsgericht Münster zu dem Urteil kam, das massenhafte Töten männlicher Küken sei mit dem Tierschutz vereinbar. Grund: Mangelnde Alternativen für Betriebe. WTF?!

Kükenschreddern! Da ist das Wort schon zum Kotzen!

Ich glaube, dass der Mensch von Natur aus alles andere als gut ist. Deshalb überrascht mich wenig, was wir so über unsere Nahrungsmittel erfahren. Aber bei den Bildern zum Kükenschredder-Urteil kam in mir die Wut hoch und mit ihr die Tränen, weil ich es zum Kotzen, nein: ZUM KOTZEN finde, dass „die Aufzucht der ausgebrüteten männlichen Küken für die Brütereien mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand verbunden ist“ (so lautet die Urteilsbegründung).

Ja, es gibt mal mindestens zwei Geschlechter bei Lebewesen. Und wenn eines uns nicht lukrativ genug erscheint, töten wir es? Nein, sorry, wir töten es nicht, wir SCHREDDERN es? Ich komme darüber nicht hinweg und surfe als gut informierter Verbraucher natürlich prompt zur Initiative Bruderhahn, die sich dafür einsetzt, dass auch die männlichen Küken aufgezogen und dem Verbraucher angeboten werden.

Initiative Bruderhahn – eine Alternative?

Für lediglich 4 Cent mehr pro Ei, so verspricht die Initiative, könne das grausame Schreddern gestoppt werden. Top! Mach‘ ich! 4 Cent pro Ei bezahle ich gerne. Du doch sicher auch? Dann schau mal schnell hier, ob ein Händler in Deiner Nähe die Bruderhahn-Eier anbietet. Denn ich habe leider kein Glück: In meinem PLZ-Bereich gibt es nur einen Händler! Und der sitzt in Darmstadt und ist somit rund 50km von mir entfernt. Das ist im Rhein-Main-Gebiet etwa mit 45min Autofahrt gleichzusetzen. Eine öffentliche Verkehrsverbindung gibt es erst gar nicht. 50km Autofahrt für 6 Eier ist m.E. weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll.

Auch ein Blick in die umliegenden Bioläden ergeben: Zwar zertifizierte Bio-Eier aber keine der Bruderhahn-Initiative. (Und ich bin hier noch gesegnet mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten. Wie viele von uns haben keine große Auswahl? Da wirkt die Aussage einiger Politiker und Initiativen, man solle doch den Verbraucher entscheiden lassen wie blanker Hohn!)

Was soll ich also tun?

Ich kann künftig auf Eier verzichten. Da ich nicht mit dubiosen Ersatzprodukten kochen will, wird das zwar ein großes Opfer. Aber es bleibt dennoch ein Problem: Damit rette ich kein einziges Küken vor dem Schredder.

Ich kann 50km mit dem Auto fahren und gleich für Freunde und Familie Eier mitbringen. Das ist immer noch ökologischer Irrsinn, unterstützt aber die Initiative Bruderhahn und rettet folglich einige männliche Küken. Von der eingangs erwähnten Realität rede ich hier lieber nicht: Will und KANN ich mir wirklich 1/2 Tag pro Woche für Bestellannahme, Einkaufsfahrt und Verteilung der Eier freinehmen?

Gibt es einen Online-Versand für Bruderhahn-Eier? Ich kann mir nicht mal vorstellen, dass Eier überhaupt online verschickt werden. Kühlkette und so… Dafür würde ich einfach mal ignorieren, dass ich nicht gerne im Internet bestelle. Denn auch das ist ökologisch Mist.

Aber vielleicht hast Du ja DIE Idee?

Vielleicht hast Du mit Freunden eine Hühner-WG gegründet und bist Selbstversorger, der mir Tipps geben kann, wie sowas auch in der Stadt funktioniert (nur: Was macht der Züchter Deiner Hennen mit den Brüdern?)

Oder Du kennst einen Versandhändler, der Bruderhahn-Eier und -Fleisch anbietet?

Oder Du pendelst sowieso täglich zwischen Darmstadt und Wiesbaden hin und her und kannst mit mir eine Egg-Supply-Chain einrichten?

Oder Du kennst vergleichbare Initiativen, die sich ebenfalls für die Bruderhähne einsetzen?

Ich freue mich über Deine Hinweise, Ideen, Anregungen.

Glückliches_Ei

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